06.04.2016

Erfolgsbilanz: Ein Jahr Begegnungszentrum "mittendrin" in Schriesheim

Alles andere als kalter Kaffee: Das Begegnungszentrum "mittendrin" in der Schriesheimer Kirchstraße gibt es seit einem Jahr

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Mit dicker Crema, exakt abgesetztem Espresso und einer sahnigen Schicht Milch musste der Latte Macchiato ausgesehen haben wie aus einem Gourmet-Hochglanzmagazin. Jacqueline Krämer erinnert sich noch gut an ihren ersten, optisch durchaus gelungenen Versuch mit der Gastro-Kaffeemaschine, den sie voller Stolz Pfarrerin Suse Best servierte. "Gottseidank warst du nicht sauer", seufzt sie heute. Denn das Getränk hatte einen Schönheitsfehler - es war eiskalt. Es steht dafür, dass aller Anfang schwer ist, vor allem, wenn man sich in das Wagnis stürzt, ein kirchliches Begegnungszentrum mit lauter ehrenamtlichen Helfern zu eröffnen. Ein Jahr alt ist das "mittendrin" nun geworden, und Best erinnert an die Anfänge: "Es war nicht klar, ob wir genügend Helfer haben, welche Öffnungszeiten wir anbieten können und ob überhaupt Gäste kommen."

Alleine war niemand mit dieser Verantwortung: Neben Krämer gehören Franziska Mersi, Christine Vierling, Petra Lux und Sylvia Hörl zur "Steuerungsgruppe", die zusammen mit Best und Kirchengemeinderat Thomas Rufer die Geschicke des Cafés lenkt. Hauptamtliche Leiterin ist Kathleen Kampes, die für das Programm, die Sonderveranstaltungen und die Koordination der freiwilligen Helfer verantwortlich ist. 60 sind es, manche kommen zweimal die Woche, andere seltener, sagt sie: "Jeder macht es so, wie es für ihn am besten passt." Immer wieder bekomme sie Anfragen von Interessierten, würden Neue angeleitet: Es gilt, die Zubereitung der verschiedenen Getränke zu lernen, die Kasse zu bedienen und Fragen zu beantworten. Eine, nämlich die, ob hier jeder Zutritt hat, wird nur noch selten gestellt. Die Antwort ist immer: Ja.

Eltern mit Babys, Rollstuhlfahrer, Flüchtlinge, Vereine, Ältere, Jugendliche - jeder ist willkommen. Und jeder kann auch kommen, denn mit schwellenlosen Eingängen, einem Aufzug und breiten Türen ist die Einrichtung behindertengerecht. Wer kein Geld hat, muss nichts trinken, es gibt keinen "Verzehrzwang". Wer trotzdem Hunger oder Durst hat, darf sich an der "Gutscheinwand" bedienen. Hier hängen Bons, die von Gästen gespendet wurden und es jedem möglich machen, sich ein Stück Kuchen oder eine Tasse Kaffee zu gönnen. Die Preise sind so bemessen, dass sie keine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie darstellen. Das "mittendrin" arbeitet überdies gemeinnützig. Das heißt, mit den Einnahmen werden die Kosten für Kaffee, Getränke, Kuchen, die Veranstaltungen und zum Teil auch für das Personal getragen.

"Außerdem verfolgen wir einen sozial-diakonischen Ansatz", sagt Krämer. Dabei geht es um Begegnung. Die findet bald auch an langen, neuen Tischen draußen statt, außerdem bei den verschiedenen Veranstaltungen: Es gibt Spielenachmittage, die "Lesezeit" oder Bundesliga-Übertragungen. Vorträge im Rahmen der Reihe "mittendrin spezial" sind auf das Gemeindeleben zugeschnitten, aktuell läuft die Reihe "Was darf ich hoffen?". Partner sind der Arbeitskreis Schriesheimer Senioren, die Flüchtlings- und die Hospizhilfe, zudem kommen viele Anregungen für Ausstellungen, Lesungen oder Konzerte von Gästen oder Helfern.

Hatten die Organisatoren anfangs befürchtet, dass das Interesse abflauen würde, so täuschten sie sich gründlich: Seit Beginn der Gäste-Zählung sind 10 000 Besucher gekommen; mit 300 pro Woche wurde jetzt der März zum Spitzenmonat. Manche locken auch die Spezialitäten: Es gibt Frühstück, in der Küche backen die Mitarbeiter ihre Lieblingskuchen, man bekommt laktosefreie Milch und glutenfreie Kekse. Am Donnerstag, sinniert Krämer, rieche es im "mittendrin" am besten: "Denn da backen wir belgische Waffeln."

Info: Geöffnet ist das "mittendrin" dienstags bis samstags von 9.30 bis 12.20 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr, außerdem sonntags von 14.30 bis 18 Uhr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung