10.04.2016

Schriesheimer Branichtunnel wird im Juni eröffnet

"Nur noch Kosmetik": Die technische Ausstattung ist so gut wie abgeschlossen - Weitere Kostensteigerung um sieben Millionen Euro

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Auf jeden Fall werde der Schriesheimer Branichtunnel aber im Juni eröffnet, sagt gestern Ralph Eckerle, der Bauleiter der 1796 Meter langen Röhre von Seiten des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Sicher ist auch, dass das derzeit größte Projekt im Landesstraßenbau noch teurer wird als gedacht. Laut Eckerle werden die Kosten von 85 auf 92 Millionen Euro steigen. Dafür verantwortlich ist die Tunnelausstattung.

Die Sicherheitseinrichtungen seien zunächst auf Basis der Auflagen aus dem Jahr 1991 kalkuliert worden: "Damals hätten wir zum Beispiel keinen Fluchtstollen gebraucht und keine Sichttrübemessung. Und wir hätten auch nicht alle 300 Meter einen Notausgang bauen müssen." Das alles ist heute aber ebenso Standard wie permanente Kontrolle der Luftzirkulation im Tunnel oder die CO2-Messung. Sollte der natürliche Luftaustausch zwischen West- und Ostportal zur Bewältigung der Abgase nicht ausreichen, werden automatisch die fünf Ventilatoren zugeschaltet.

Überhaupt wirkt der Branichtunnel wie ein vollvernetztes Sicherheitssystem aus Beleuchtungen, Kameras, Lautsprechern, Notrufkabinen, Messwerterfassungen, Steuerungen und Alarm-Hightech. Dafür wurden rund 190 Kilometer Kabel in den Gehwegen und Querungen über der Zwischendecke verlegt. Sollte auch nur eine der Fluchtweg-Leuchten ausfallen, gibt es sofort eine Störungsmeldung. Eckerle gibt zu, dass selbst ihm die Komplexität des Ganzen gar nicht so bewusst war: "Zumal es recht wenig ist, was man davon wirklich sieht."

Rund 14 Millionen Euro kostet alleine die technische Ausstattung, die inzwischen nahezu komplett installiert ist. Nur das Betriebsgebäude am Westportal zwischen Schriesheims Weinbergen und dem Friedhof gleicht noch einer Baustelle. Hier werden Strippen gezogen und Schaltkästen sowie Netzwerke verkabelt. Auch Teile des Bodens und einige Treppen fehlen noch. Hier wird auch der Arbeitsplatz eingerichtet, an dem alle Sicherheitssysteme überwacht werden können.

Dazu gehören Messkästen, die mehrere Hundert Meter vor den Portalen die Höhen der Fahrzeuge überwachen. Wird die Durchfahrtshöhe überschritten, werden sofort die Mechanismen aktiviert, die den Tunnel mit Schranken sperren. Parallel dazu springen die Wechselwegweiser an den Zufahrtsstrecken um und zeigen die Umleitung an. Noch lehnen diese großen Verkehrsschilder an der Tunnelwand unweit des Westportals, werden aber in diesen Tagen zum Beispiel auch an der Bundesstraße 3 installiert. "Im Tunnel selbst brauchen wir eigentlich nur noch ein paar kosmetische Arbeiten", sagt Eckerle. Ab Mitte Mai wird es langsam ernst. Dann werden bei der Inbetriebnahme alle Systeme und Programmierungen auf ihre Zuverlässigkeit geprüft und sämtliche Störungs- und Notfallszenarien durchgespielt. Derweil können draußen vor dem Westportal die frisch gesetzten Kirschbäume und Sträucher an der Zufahrt anwachsen. Neben modernster Technik ist auch das ein Teil des Tunnelprojekts.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung