10.04.2016

Schriesheim: Im Branichtunnel "ist so ziemlich alles schon drin"

Mit Bauleiter Ralph Eckerle im Branichtunnel, in dem schon nahezu die komplette technische Ausstattung installiert wurde

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Ralph Eckerle schaut aus seinem Baubüro an der Leutershäuser Straße in Richtung Westportal des Branichtunnels und lächelt: "Wir werden jetzt schon manchmal nostalgisch". Lange dauert es nicht mehr, bis die neue Schriesheimer Ortsumfahrung für den Verkehr freigegeben wird. Noch im Juni soll die "L 536 neu" und ihr 1796 Meter langes Herzstück durch den Berg eröffnet werden. Eckerle ist gedanklich schon weiter: "Eigentlich sitzen wir nur noch hier". Längst hat der Oberbaurat des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP) sein nächstes Projekt in Angriff genommen: die Autobahnbrücke auf der A 656 über die Bahngleise bei Mannheim-Friedrichsfeld. Schriesheim mache inzwischen nur noch 30 Prozent seiner täglichen Arbeit aus, sagt der Bauleiter des Branichtunnels. Was nicht heißt, dass Eckerle nachlässt. Der Tunnel ist vielmehr schon fast fertig.

"Es ist so ziemlich alles drin", sagt Eckerle über die technische Ausstattung. Die alleine kostet 14 Millionen Euro und hat die Gesamtkosten von kalkulierten 85 auf 92 Millionen Euro hochgeschraubt hat. Damals sei mit Sicherheitsstandards von 1991 kalkuliert worden, sagt Eckerle. Standards, die heute bei weitem übertroffen würden. Alleine die beiden 110 und 1200 Meter langen Fluchtstollen hätte man früher gar nicht gebraucht. Dann die Zahl der Notausgänge, die komplexen Messungen der Luft im Tunnel "und die allgemeinen Kostensteigerungen", erklärt der Diplom-Ingenieur. Recht gut gelegen hat er schon immer bei seiner Prognose, wann der Tunnel fertig wird: "Ich habe hier im September 2011 angefangen und immer gesagt, dass es Frühjahr 2016 wird."

Auf die Frage, was er damals empfand, als er die Leitung des größten Projekts im Landesstraßenbau übernehmen sollte, antwortet Eckerle: "Als mich mein Chef fragte, ob ich das machen will, hatte ich anfangs schon die Hosen voll." Doch Peter Siepe, der Leitende Baudirektor im Baureferat Nord des Regierungspräsidiums, wusste immer, was er an Eckerle hat. Dieser wird den Branichtunnel und Schriesheim in guter Erinnerung behalten: "Ich möchte diese Zeit nicht missen. Es ist ein schönes Projekt, eine tolle Maßnahme. Und die Unterstützung hier in Schriesheim war immer sehr groß. Das darf man nicht unterschätzen. Aber ich bin auch froh, dass jetzt mal wieder was anderes kommt."

Was im Branichtunnel selbst noch ansteht, seien eher kosmetische Arbeiten, sagt Eckerle. Richtig nach Baustelle sieht derweil das Betriebsgebäude aus. Hier werden noch Kabel verlegt sowie Schaltkästen und Netzwerke verdrahtet. Die Rechner für den Arbeitsplatz fehlen noch. Dagegen sind die Monitore schon da, für die die unzähligen Kameras aus dem Tunnel die Bilder liefern. Inzwischen sind auch große blaue Ventilatoren mit zwei Reihen Schalldämpfern im Betriebsgebäude eingebaut. Sie werden vor allem im Ernstfall gebraucht. Sollte der Tunnel so sehr verraucht sein, dass sich die breiten Lamellen in der Zwischendecke öffnen, springen die beiden Ventilatoren an. Sie ziehen den Qualm durch den Hohlraum über der Decke und befördern ihn über den offenen Schacht wie bei einem Kamin ins Freie.

Das andere Lüftungssystem steuert die Luftzirkulation und bewältigt die Abgase. Permanent gibt es dafür Strömungs-, CO2- und Sichttrübe-Messungen. Überhaupt wirkt der Tunnel sicherheitstechnisch vollvernetzt. Für jede Störung gibt es einen Alarm. Selbst die Tunnelbeleuchtung, die fast komplett mit LED-Leuchtmitteln ausgerüstet ist, kann auf die Lichtverhältnisse bei Tag und Nacht programmiert werden, damit der Kontrast für die Verkehrsteilnehmer bei der Ein- und Ausfahrt in die Röhre nicht zu stark ist. Draußen vor dem Betriebsgebäude steht außerdem schon der große Funkmast für die Kommunikation der Feuerwehr mit der Leitstelle.

Außerdem wünschten sich die Kameraden eine Treppe vom Wendeplatz vor dem Westportal rauf zum Betriebsgebäude. Die werden sie noch bekommen, aber hoffentlich nie für einen Ernstfall brauchen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung