01.05.2016

Detlef Ahlborn bei "Gegenwind Schriesheim": "Der Wind weht zufällig"

Der Windkraftgegner sprach im katholischen Pfarrzentrum – Seinen Zuhörern machte er nur wenig Hoffnung

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. "Gibt es Hoffnung?", will eine Zuhörerin von dem Ingenieur und Windkraftgegner Detlef Ahlborn wissen, der zuvor im Saal des katholischen Pfarrzentrums rund eine Stunde lang klar gemacht hat, dass die Windenergie seiner Ansicht nach nicht dazu geeignet ist, die Energiewende voranzubringen, eher sogar schadet.

Die Frage nach der Hoffnung, dass vor Ort keine Windräder gebaut werden, hat Detlef Ahlborn in den letzten Monaten öfter gehört. Vielfach hat er seinen Vortrag über die Auswirkungen der Windkraft auf das Stromnetz und die dadurch entstehenden Probleme und Kosten an Orten gehalten, wo der Bau von Windrädern geplant ist. Große Hoffnungen kann er seinen knapp 100 Zuhörern, darunter einige Schriesheimer Stadträte, aber nicht machen. "Die Erfahrungen sind eher schlecht", sagt er etwas resigniert. Wenn die Politik es wolle, ließe sich der Bau von Windrädern kaum verhindern.

Allerdings sei es in seiner Heimatgemeinde gelungen, den Bau von Windrädern abzuwenden: "Sie müssen den Politikern klar machen, dass sie bei der nächsten Wahl von Ihnen wiedergewählt werden wollen", gibt er einen Tipp. Das Ergebnis der Kommunalwahl in Hessen vor einigen Wochen, bei der es in den Gemeinde- und Stadtparlamenten häufig zu Machtverschiebungen kam, interpretiert er dementsprechend. Die Bürger hätten sich gegen die Parteien entschieden, die den Bau von Windrädern vor Ort propagierten. Dass mit Windkraft die Energiewende nicht zu realisieren ist, hat nach Ahlborn, der auf Einladung der Bürgerinitiative "Gegenwind Schriesheim" in die Weinstadt gekommen war, unter anderem damit zu tun, dass der Wind nicht gleichmäßig weht. "Der Wind weht zufällig", betont er. Dadurch würde an manchen Tagen sehr viel Strom durch Windräder produziert. So viel, dass er an das Ausland verkauft werden muss, oder die Windräder abgeschaltet werden. Das kostet den Verbraucher wiederum Geld, denn die Anlagenbetreiber werden für den nicht-produzierten Strom entschädigt.

An anderen Tagen herrscht Windstille - und das in der ganzen Republik, wie Ahlborn mit einigen Diagrammen belegt. Wenn sich eine Großwetterlage einmal eingestellt habe, etwa ein aus dem Osten kommendes Hochdruckgebiet, dann sei nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen Europas mit dem Wind kein Strom zu produzieren, so der Ingenieur.

Der Möglichkeit der Speicherung von Strom, während der Wind stark bläst, erteilt Ahlborn ebenfalls eine Absage. Zu groß sei unser Energieverbrauch, als dass sich Windstrom in ausreichendem Maße speichern ließe. 600 Terrawattstunden oder 600 Milliarden Kilowattstunden an Strom benötigt Deutschland jährlich. Die zur Stromspeicherung oftmals angeführten Pumpspeicherkraftwerke, bei denen Wasser in ein höher gelegenes Becken gepumpt wird, um es anschließend abzulassen und Turbinen zur Stromproduktion damit anzutreiben, seien nicht in der Lage, diese Strommengen zu speichern. "Um eine Kilowattstunde Strom mit Wasserkraft zu produzieren, muss eine Tonne Wasser 360 Meter hoch gehoben werden", verdeutlicht dies Ahlborn an einem einfachen Beispiel. Am Ende seines Vortrags wird Ahlborn auch nach den Alternativen zur Windenergie und anderen regenerativen Energieträgern gefragt. Seine Antwort ist ernüchternd: "Wir werden in den nächsten 100 Jahren von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl oder Erdgas nicht wegkommen", glaubt er.

In der Modernisierung von Kraftwerken, der energetischen Gebäudesanierung oder der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung sieht er aber zumindest Möglichkeiten, den Verbrauch der fossilen Brennstoffe und damit auch den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren.
Nur wenige Plätze blieben beim Vortrag von Detlef Ahlborn frei. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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