05.05.2016

Die wichtigste Frage am 1. Mai: "Wohin zeigen die Schilder?"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Sonne lachte bei angenehmen 18 Grad Celsius. Doch kein Regen also. Insofern waren die äußeren Bedingungen für das Maibaumstellen am Samstag vor dem Rathaus einfach ideal. Und wie schnell die 12,50 Meter hohe, geschälte Fichte mit ihrer grünen Spitze, dem von Stefanie Alles und Jürgen Krämer geschmückten Kranz und den Zunftzeichen stand! "Da kannst Du mal sehen, wie das geht", sagte Karl-Heinz Schulz zufrieden. Das Ehrenmitglied des Verkehrsvereins gab die Kommandos und weiß, worauf es ankommt: Von zwei Seiten diagonal an den Seilen ziehen und schön von der anderen Seite gegen die Stützen stemmen. So hatten die Handwerksleute von "Treppenschorsch" Georg Grüber, die Stadträtinnen und Stadträte sowie Bürgermeister Hansjörg Höfer den Baum schnell an Ort und Stelle.

Dieser war von Förster Michael Jakob und seinen Mitarbeitern Andreas Weber und Mario Schmitt im Schriesheimer Wald geschlagen worden. Grüber sorgte für den Transport zum Aussiedlerhof von Werner Morast, und von dort holte ihn Peter Grüber ab, um ihn auf den Rathausvorplatz zu bringen. Hier hatte der Verkehrsverein Bierbankgarnituren und seinen Getränkestand aufgebaut. Fürs Gesellige war also auch gesorgt.

Verkehrsvereinschefin Irmgard Mohr durfte sich über guten Besuch freuen. Alle Jahre sei das "Spektakel" des Maibaumstellens wieder schön. Dessen Ursprünge, betonte sie, seien noch immer ungeklärt und daher durchaus umstritten. In seiner heutigen Form sei der Maibaum zumindest seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Wann der erste in Schriesheim gestellt worden sei, habe sie noch nicht herausfinden können. War aber nicht weiter schlimm. Fest steht, dass man das gute Stück jetzt etwa 30 Tage lang bewundern kann. Am besten kann man die Zunftzeichen übrigens von der Talstraße her sehen. Ein wichtiger Aspekt - war das am Samstag doch die scheinbar alles entscheidende Frage: "Wohin zeigen die Schilder?". Schulz suchte die Antwort in einer spontanen Umfrage per Handzeichen. Die Mehrheit der Besucher war wohl für eine Ausrichtung zum Festplatz hin. Nur als der Maibaum dann richtig stand, war er in diese Richtung nicht mehr zu drehen: "Auch gut. Dann eben in Richtung Talstraße", so Schulz.

Wie immer war er ein strenger Begleiter der traditionsreichen Zeremonie: "Der steht aber krumm", war er erst zufrieden, als der Maibaum quasi kerzengerade in dem mit einem Stahlrohr ausgekleideten Loch stand, das anlässlich des Stadtjubiläums vor zwei Jahren entstand: "Eine glatte Fehlkonstruktion", schimpfte Peter Grüber von seinem Traktor aus: "Da macht man einen Schlitz, aber doch kein Loch!". Ja, das Maibaumstellen, es kann eine Wissenschaft für sich sein. Jedenfalls steht die Fichte jetzt gut verkeilt und sicher an ihrem Platz, und die Auftritte der großen und kleinen Tänzer der Volkstanzgruppe der Eintracht machten vermeintliche Konstruktionsfehler und weltbewegende Fragen nach der Baumkrümmung und der Ausrichtung der Zunftzeichen schnell vergessen. Sandra Hölzel und Michaela Brand hatten für diesen schönen Anlass unter anderem den Kerwetanz "Böhmischer Traum", die "Zigeunerpolka", zwei skandinavische Tänze sowie "Die Gasse" ausgesucht. Bei Anfragen von Seiten des Verkehrsvereins habe es von der Volkstanzgruppe noch nie ein Nein gegeben, bedankte sich Irmgard Mohr.
Sie wird gemeinsam mit ihren Mitstreitern des Verkehrsvereins und anderen auch wieder auf dem Maimarkt für Schriesheim werben, und zwar am kommenden Mittwoch. Noch so ein Anlass, der schon zur guten Tradition geworden ist.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung