10.05.2016

Ausstellung in Schriesheim: Forschung plus Ästhetik ergibt "Plasma"

Wo Bienen brummen und Schimmel gedeiht: Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer mit "Plasma" im Museum Théo Kerg - Beide befassen sich in vielfacher Hinsicht mit Aspekten der Natur

Von Julia Behrens

Künstler haben die Welt schon immer auf individuelle Art vermessen. Seit den 1960er Jahren spielte dabei verstärkt die "Sichtbarmachung" sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Strukturen eine Rolle. Auch die Darstellung naturwissenschaftlicher Phänomene und ökologischer Probleme gewann zunehmend an Bedeutung, so dass diese Richtung bis heute einen wichtigen Platz in der zeitgenössischen Konzeptkunst einnimmt.

Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer zeigen jetzt in ihrer Gemeinschaftsausstellung "Plasma" im Museum Théo Kerg in Schriesheim, wie Kunst naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufgreifen und daraus Werke mit gesellschaftsrelevanten Inhalten generieren kann. In diesem Zusammenhang spielt der Titel "Plasma" im Sinne des Begriffs "Protoplasma" auf die Zell- und Urform allen Lebens an.

Fritz Eicher (geb. 1951) befasst sich auf beeindruckend vielen Ebenen mit der Natur: Einerseits nützt der in Bad Dürkheim lebende Künstler Pflanzen als Sujet, andererseits setzt er organische Prozesse - unter anderem das Wachstum von Moos, Algen oder Pilzen - als bildkünstlerische Mittel ein. Außerdem schafft Eicher, der an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, in groß angelegten Projekten Lebensräume für Flora und Fauna, in denen seine Handschrift sichtbar bleibt. Zum Beispiel in seinen von orientalischen Mustern durchzogenen Wildbienenhäusern, in denen er seine Hinwendung zum Ornament mit der Markierung der Einfluglöcher der Bienen verbindet. Durch die Aufstellung seiner kunstvollen Kästen in Europa und China trägt Eicher zum Erhalt der Wildbiene bei und macht gleichzeitig auf die Bedrohung dieser ökologisch äußerst wichtigen Insektenart aufmerksam. Auch in seine leuchtend grünen Algen-Generatoren lässt der Künstler aktuelle Forschungsergebnisse mit einfließen und sensibilisiert den Museumsbesucher für ganz neue, revolutionäre Möglichkeiten der Nahrungs- und Energiegewinnung. Jedes Mal aber kommt der ästhetischen Anmutung der Exponate eine große Bedeutung zu und weist sie eindeutig als Kunstwerke aus.

Das ist auch bei Hartmuth Schweizer (geb. 1949) nicht anders. Bevor er an die Kunstakademie in Karlsruhe ging, hatte Schweizer in Saarbrücken Biologie, Physik und Chemie studiert. Seine Liebe zu den Naturwissenschaften spiegelt sich bis heute in hochinteressanten Objekten und Versuchsanordnungen. Dabei dient dem in Walldorf ansässigen Künstler vor allem das in der Natur enthaltene Wechselspiel von Ordnung und Chaos, von Werden und Vergehen, von Geometrie und Asymmetrie als Impulsgeber und Inspiration. Gern arbeitet er mit vergänglichem Material, weil es spannende Zufallsprozesse auslöst und sich permanent verändernde Ergebnisse zeitigt. Tatsächlich sind die in Petrischalen gezüchteten Schimmelkulturen, die der Künstler auch fotografisch festhält, von seltsamer Schönheit. Ihre runde Grundform korrespondiert mit Schweizers Faszination für den Kreis, der - auch im Rekurs auf kosmische Zusammenhänge - durchgängig in seinem Oeuvre auftaucht. Eine Fülle unerwarteten plastischen Ausdrucks findet an anderer Stelle in einer Reihung fledermausartiger Gebilde aus Perlonstrümpfen, Ästen, Wachs und Asphalt, auch hier entsteht die jeweilige Arbeit fast von selbst, mit unvorhersehbarem Ergebnis.

Wie eine Hommage an Dieter Roth liest sich schließlich Schweizers "Laborinstallation" - ein bis heute benutzter Tisch mit einer Unmenge von gefüllten Reagenz- und Einmachgläsern sowie offen gelagerten Naturmaterialien und einem Mikroskop - zur Erforschung von organischen Systemen und privaten Parametern.

Info: Bis 29. Mai im Museum Théo Kerg, Thalstr. 52, 69198 Schriesheim. Tel.: 06203 / 59 28 19. www.kk-schriesheim.de. Mi 17-19 Uhr, Sa/So 14-17 Uhr und nach Vereinbarung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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