13.05.2016

Stadt ruft zur Teilnahme an Umfrage "Schriesheim 2030" auf

Leitlinien für die nächsten 15 Jahre - Jetzt kommt es auf die Bürger an



Von Carsten Blaue

Schriesheim. "Was gefällt Ihnen am besten in Schriesheim?", was stört, was fehlt? Auf welche Themen sollte sich die Stadtentwicklung konzentrieren? Und welche Noten haben das Ortsbild, die Betreuungsangebote für Kinder, das Einkaufserlebnis, die Parkmöglichkeiten oder das Waren- und Dienstleistungsangebot verdient? Dies sind nur ein paar der Fragestellungen, auf die nach Wunsch der Stadtverwaltung möglichst viele Bürger Antworten geben sollten. Im Rahmen der Umfrage "Schriesheim 2030" möchte die Stadt Bewertungen, Erfahrungen, Wünsche und Ideen sammeln, aus denen Leitlinien "des Handelns in Politik und Verwaltung" für die kommenden 15 Jahre hervorgehen sollen. Diese werden in einem sogenannten "Gesamtstädtischen Entwicklungskonzept" (GEK) zusammengefasst - für städtebauliche, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Ziele.

"Nicht nur Ideen abladen"

Dass die Stadt gerade jetzt ein solches GEK aufstellt, hat ganz praktische Gründe. Wenn sie mit dem Sanierungsgebiet "Ehemaliger Bahnhof / B 3" im Landessanierungsprogramm bleiben, das Fördergebiet um die Talstraße erweitern und darüber hinaus Aufstockungsanträge stellen möchte, dann ist das GEK die Voraussetzung dafür. Die neuen Entwicklungsmöglichkeiten vor allem in der Talstraße ergeben sich für die Verwaltung aus der Öffnung des Branichtunnels, die Mitte Juni erwartet wird. Doch der Nachweis eines GEK reicht dem Land alleine noch nicht ganz. Konkrete Maßnahmen, die daraus abgeleitet werden, müssen noch in ein "Integriertes Stadtentwicklungskonzept" (ISEK) einfließen. Doch dieses steht am Ende des Prozesses, der mit der anonymen Bürgerumfrage beginnt. Seit gestern kann man die 29 Fragestellungen online unter www.schriesheim2030.de beantworten. Verfügt man über keinen Internetanschluss, bekommt man den Fragebogen im Rathaus auch in Papierform. Egal, auf welchem Weg man ihn beantwortet: Viel länger als 15 Minuten wird man dafür wohl nicht brauchen. Dafür winkt ein iPad oder ein Reisegutschein in einer Verlosung. Will man daran teilnehmen, muss man die Adressdaten allerdings angeben.

Angesprochen fühlen dürfen sich nicht nur alle Schriesheimer, Altenbacher und Ursenbacher im Alter ab 16 Jahren, sondern auch Schüler von auswärts, die in Schriesheim zur Schule gehen, sowie Berufstätige, die nicht in der Weinstadt wohnen, jedoch hier arbeiten.

Dr. Jutta Breitschwerd vom "Institut für kommunikatives Handeln" hat diese Art der Bürgerbeteiligung konzipiert und dabei auch auf das Klimaschutzkonzept, den Nachhaltigkeitsbericht der Stadt sowie das Schriesheimer Einzelhandelskonzept zurückgegriffen. Am 30. Juni endet die Bürgerumfrage. Bereits im Rahmen des Bürgertags am 12. Juni sollen auch die Grundschulkinder in die Entstehung des GEK einbezogen werden. In "Stadtrallyes" können sie Spielplätze testen und ebenfalls sagen, was ihnen in der Stadt gefällt und was nicht. Jugendliche bekommen dazu noch mal eigens in einem "Jugendhearing" Gelegenheit, das ebenfalls im Juni angeboten werden soll.

Wichtig ist der Verwaltung auch, dass wirklich jeder Zugang zu den Fragen hat. Diesbezüglich stimme man sich mit der Inklusionsbeauftragten, Karin Reichel ab, sagte Beate Kreis aus dem Bauamt.

Breitschwerd wird alle Ergebnisse am 14. Juli im Rahmen einer sogenannten "Zukunftswerkstatt" vorstellen. Mit dem Gemeinderat sollen anschließend kurz-, mittel- und langfristige Ziele und Projekte formuliert werden. Mit einer Bürgerversammlung im November wird der Prozess abgeschlossen. So lange wird auch die Onlineplattform auf www.schriesheim2030.de geschaltet sein, die also über die Umfrage hinaus die Möglichkeit zum Austausch gibt.

Stadtbaumeister Markus Foltin betonte gestern, dass es beim Online-Fragebogen nicht darum gehe, einfach "nur Ideen abzuladen": "Wir wollen die Ideengeber zum eigenverantwortlichen Handeln für die Stadt anregen und sie von Seiten der Verwaltung dabei unterstützen." Außerdem, betonte Breitschwerd, brauche man nicht für jedes im GEK formulierte Ziel ein "Millionen-Budget". Das braucht man für den GEK-Prozess auch nicht. Dieser kostet 70 000 Euro, das Land übernimmt davon 60 Prozent.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung