13.05.2016

"Causa Ursenbach" ist gelöst: Evangelische Christen gehören jetzt zu Schriesheim-Ost

Wegen zu hoher Kosten sollten die Andachten in Ursenbach einstellt werden. Nun gibt es weiterhin Gottesdienste im Dorf.

Von Nicoline Pilz

Schriesheim-Ursenbach. Rechtlich gesehen ist der Wechsel der evangelischen Kirchengemeinde Ursenbach als jahrzehntelanger Filialgemeinde von Heiligkreuz nach Schriesheim-Ost vollzogen. Und nun kann es auch im liturgischen Sinne weitergehen. Weil wie bisher zumeist jeden ersten Sonntag im Monat um 10 Uhr Pfarrer in Ruhe Hans Behrendt einen Gottesdienst in Ursenbach halten wird.

"Das wurde Zeit"

An der Gottesdienstfrage hatte sich der Streit zwischen Ursenbach und Heiligkreuz erst entzündet. Aus offenbar finanziellen Gründen wollte die Muttergemeinde die Andachten in Ursenbach wegen zu hoher Kosten einstellen. Die Stichworte waren hier: Heizung, Organisten und Kirchendiener.

Die evangelischen Christen in dem 150-Seelen-Dorf protestierten und wandten sich gen Schriesheim: "Heute geht es um das Signal: Die ,Causa Ursenbach‘ ist gelöst und rechtlich vollzogen. Kommunalpolitisch lag der Wechsel ja auch auf der Hand", meinte Pfarrer Lothar Mößner vor der Kapelle auf dem Friedhof in Ursenbach. Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann nickte: "40 Jahre nach der Eingemeindung wechseln wir nun auch kirchlich nach Schriesheim. Das wurde Zeit."

Die geschlossene Rechtsverordnung enthält verbindliche Regelungen, wie die Pfarrgemeinde Schriesheim-Ost ihr jüngstes Kind unterstützen wird. Zum Beispiel bei Gottesdiensten: Wenn Pfarrer Behrendt ausfallen sollte, sucht der Kirchenbezirk, beziehungsweise das Dekanatsbüro in Weinheim, nach einer Vertretung. "Die muss nicht zwangsläufig aus Schriesheim sein", sagte Mößner. Eine offizielle Predigtstelle ist Ursenbach zwar nicht, doch halten es der Pfarrer und die Kirchengemeinderatsmitglieder für sinnvoll, dort Hilfe zu leisten, wo "etwas auflebt", sagt Mößner.

Zudem erhält Schriesheim-Ost für die 75 neuen Gemeindemitglieder auch Zuweisungen von der badischen Landeskirche: "Und dieses Geld sollte man eben dort einsetzen, wo es gebraucht wird", meinte Mößner und schaute sich anschließend mit dem Kirchengemeinderatsvorsitzenden, Thomas Rufer, zum ersten Mal die Kapelle an. Ein schlichtes, aber zugleich auch hübsches Gebäude, kühl im Sommer, wenn nach Pfingsten dort wieder bis zum Volkstrauertag die Gottesdienste gefeiert werden.

Aber auch nicht ganz ohne, denn das Fundament "arbeitet". 40.000 Euro investierte die Stadt, um die Risse abzufangen, doch die Kapelle kommt noch nicht zur Ruhe. Ursenbachs evangelische Christen nun hoffentlich schon.

Profitieren vom Gemeindebrief

Sie profitieren künftig auch vom Gemeindebrief, der in Schriesheim bislang in 30 Bezirken verteilt wird. Nun kommt das Odenwalddorf dazu, worum sich Hannelore Bretschi kümmern wird. Sie und Ulrike Sommer übernehmen künftig auch den Kirchendienst von Traudel und Rosemarie Edelmann. Die beiden Schwägerinnen hatten dieses Amt zwei Jahrzehnte lang inne, wofür sich Mößner mit Blumen und Büchlein bedankte. Ideen für Neues hat er bereits: "Wir könnten vielleicht mal einen Wandergottesdienst hier herauf anbieten."
Traudel und Rosemarie Edelmann, Pfarrer i. R. Hans Behrendt, Kirchengemeinderatsvorsitzender Thomas Rufer, Ulrike Sommer, Pfarrer Lothar Mößner und Hannelore Bretschi (v. l.) vor der Ursenbacher Kapelle. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung