23.05.2016

Schriesheimer Bürgermeister Höfer wird 60: "Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt"

Am 21. Mai wird Hansjörg Höfer 60 Jahre alt. Wer möchte, kann bei einem Sektempfang mit ihm feiern.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Heute Vormittag dürften sich die Gratulanten im Rathaus die Klinke in die Hand geben. Bürgermeister Hansjörg Höfer hat anlässlich seines 60. Geburtstages am heutigen Samstag zum Sektempfang eingeladen. Die RNZ sprach mit dem Verwaltungschef vorab über seinen Festtag, den Blick zurück und über einen Satz seines Vaters, der sich letztlich doch bewahrheitet hat.

Herr Höfer, welche Bedeutung hat der 60. Geburtstag für Sie?

Es ist eine Zahl, bei der ich innehalte und zurückschaue. Ich denke an meine Eltern. Es ist schon ein Unterschied zum 50. Geburtstag. Vor zehn Jahren lebte ja auch meine Mutter noch.

Warum denken Sie besonders jetzt an Ihre Eltern?

Weil ich mich durchaus mit ihnen vergleiche. Als sie 60 Jahre alt wurden, da waren sie für mich "alte Leute". Sicher fühlen wir uns heute jünger und auch fitter. Das ist auch eine Generationenfrage. Aber ich empfinde den 60. Geburtstag schon als einen Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt. Mein Vater hat immer gesagt: "Je älter du wirst, desto schneller vergeht die Zeit." Als jüngerer Mensch hielt ich das für vollkommenen Quatsch! Heute geht es mir ganz genauso. Was ist ein Tag, eine Woche? Ein Jahr fliegt nur so dahin. Und ich denke an meine Eltern, weil sie mir natürlich auch etwas mitgegeben haben, und das ist das positive Denken. Speziell meiner Mutter bin ich dafür dankbar.

Was tun Sie zur "Entschleunigung", damit die Zeit vielleicht mal nicht so rast?

Wenn ich mal einen Sonntag wirklich gar keinen Termin habe, dann lese ich gerne in Ruhe Zeitung. Und jetzt, wenn es draußen schön ist, genieße ich es, einfach in meinem Garten zu sitzen oder hier abends mit meiner Frau ein Glas Wein zu trinken.

Sie sagen, Sie schauen zurück. Schmieden Sie auch schon Pläne für Ihre Zukunft?

Ganz sicher. Aber beim Schmieden von Plänen werde ich von der Erfahrung der Vergangenheit geleitet. Das ist ganz wichtig für mich, dass ich beim Blick in die Zukunft von meinem Erfahrungsschatz profitieren kann. Außerdem kristallisieren sich für mich immer mehr die Werte heraus, die mir wichtig sind.

Welche sind das?

Im politischen Raum sind es das friedliche Zusammenleben, Sicherheit und der soziale Ausgleich. Im Privaten natürlich die Familie und die Freunde. Die Basis in beiden Bereichen muss Zuverlässigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit sein. Das alles ist mir sehr wichtig.

In Ihrer Lebensplanung war der Weg zum Bürgermeister nicht vorgezeichnet.

Das stimmt. Daran habe ich sicher nicht gedacht. Ich habe in jungen Jahren immer meinen Weg gesucht. Am Ende war ich selbstständig. Einen Weg im Leben zu finden, dabei auch eine Zeit lang zu suchen: Das billige ich jedem zu.

Hat das Amt des Bürgermeisters Sie persönlich verändert?

Das kann ich selbst nur schwer beantworten. Bestimmt verändert einen so ein Amt. Aber ich bin in den Grundzügen doch der geblieben, der ich immer war. Ich mag die Menschen mit allem, was sie antreibt. Das ist für dieses Amt grundlegend. Ich war immer kommunikativ und bin auch stets ein Entscheider gewesen. Wir hatten zu Hause ein Stück Landwirtschaft und Weinberge. An mir als Jüngstem blieb das hängen. Mit 23 Jahren habe ich entschieden, einen Wingert neu anzulegen. Den haben wir noch heute. Wenn man zupackt, dann hat man Erfolg. Das lernen Sie, wenn Sie in einem Selbstständigen-Haushalt groß werden. Entsprechend habe ich mir auch immer etwas zugetraut. Außerdem lässt es einen ja niemals ganz los, wenn man Bäcker und Konditor ist. Das ist etwas so Kreatives! Leider fehlt mir dafür inzwischen Muße und Zeit, aber mit meinem Neffen Christoph (seit Anfang dieses Jahres führt Christoph Höfer die Bäckerei der Familie in der Heidelberger Straße in sechster Generation, Anm. d. Red.) spreche ich noch oft über seine Ideen und Rezepte.

Gibt es etwas, woran Sie in Bezug auf sich selbst noch immer arbeiten?

Ich habe sicher an meiner Gelassenheit zu arbeiten. Die brauchen Sie, um die Fülle der Themen einordnen zu können, die mein Amt mit sich bringt. Im Privaten gilt, nicht alles so selbstverständlich zu nehmen. Die wenige Zeit, die wir gemeinsam haben, nutzen meine Frau und ich zum Beispiel ganz bewusst. Oder die Treue zu meinen Freunden: Man darf den Kontakt nicht verlieren. Da muss ich aufpassen. Denn als Bürgermeister ist es doch so: Man hat immer etwas ganz Wichtiges, und andere sollen dafür Verständnis haben.

Als ich im Kollegenkreis erzählte, dass Sie 60 Jahre alt werden, war die einhellige Meinung, dass man Ihnen dieses Alter nicht ansieht. Wie halten Sie sich fit?

Ich muss mir Zeit nehmen und auch streng mit mir selbst sein. Ich laufe jeden zweiten Tag vier Kilometer. Manchmal muss ich dabei den inneren Schweinehund an die Leine nehmen. Früher bin ich ja Halbmarathon gelaufen. Das geht heute zeitlich einfach nicht mehr. Ich gehe mit meiner Frau im Urlaub auch gerne im Hochgebirge wandern, und im Sommer schwimme ich. Die Gesundheit ist für mich einfach ein ganz wichtiges Gut, und das bewahre ich mir. Zudem lege ich großen Wert auf eine vernünftige Ernährung.

Sind Sie zufrieden?

Ja, das bin ich. Mit meiner Lebenssituation, meinem Beruf, meiner Familie. Das alles macht mich glücklich. Das ist auch eine Grundhaltung. Zu prinzipiell unzufriedenen Menschen halte ich etwas Abstand. Das spüre ich sofort. Ich brauche da auch eine gewisse Harmonie. Was nicht heißt, dass man sich nicht auch mal auseinandersetzt. Aber dabei muss es um die Suche nach Lösungen gehen. Ich höre dabei auch stark auf mein Bauchgefühl. Ich höre in mich hinein und lasse meinen Bauch reden. Damit fahre ich sehr gut.

Denken Sie heute schon manchmal an Ihre Pensionierung im Jahr 2022?

Nein! Also dieser Gedanke liegt mir völlig fern! Ich bin sicher keiner, der am Maßband die Zentimeter abschneidet. Dafür bin ich viel zu gerne Bürgermeister. Jeden Tag bin ich es mit Freude.

Wie werden Sie feiern?

Am Samstag gebe ich ab 10.30 Uhr einen Sektempfang im Rathaus für alle, die kommen möchten. Abends feiere ich dann im Freundes- und Familienkreis.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung