31.05.2016

Schriesheim: "Wir konnten zuschauen, wie das Wasser steigt"

Schriesheim: "Wir konnten zuschauen, wie das Wasser steigt"Feuerwehrkameraden aus Schriesheim, Altenbach und Ursenbach waren im Unwetter-Dauereinsatz - Der Kanzelbach trat über die Ufer

Von Carsten Blaue

Schriesheim. 32 Einsätze in 18 Stunden: Die ganze Nacht zum Montag geht es ununterbrochen durch bis zum gestrigen Nachmittag, an dem erst gegen 17.30 Uhr Schluss ist. Feuerwehrkommandant Oliver Scherer ist bedient: "Wir haben ja gewusst, dass Regen kommt. Aber mit so viel haben wir nicht gerechnet." 60 Liter auf den Quadratmeter sind es am Feuerwehrhaus, 110 Liter bei Wilhelmsfeld. Gerade aus den höheren Lagen drückt das Wasser in die Nebenbäche des Kanzelbachs, der gleich an mehreren Stellen im Schriesheimer Tal über die Ufer tritt: "Wir konnten dabei zuschauen, wie das Wasser steigt", sagt Scherer in seiner Bilanz. Die Gesamtwehr ist pausenlos im Einsatz, also 50 Kameraden aus Schriesheim, Altenbach und Ursenbach.

Am Sonntagabend um 23.49 Uhr die erste Alarmierung: In der Danziger Straße steht ein Keller 20 Zentimeter tief im Wasser. Eine defekte Regenrinne. Dann kommt der erste Anruf von Anwohnern der Talstraße. Von "alten Bekannten", wenn es ums Hochwasser gehe, so Scherer. Doch hier geht es glimpflich aus. Auch im Wohngebiet "In den Fensenbäumen" sowie in den Weinbergterrassen müssen die Feuerwehrleute an keiner Stelle eingreifen. Das Hochwasserrückhaltebecken kontrollieren sie ebenfalls. Es wird sich einmal mehr auch in dieser Nacht bewähren: "Es hat uns wieder viel Ärger erspart", so Scherer später. Doch es reicht auch so. Eine Gruppe der Kameraden eilt in den Bauhof und füllt 500 Sandsäcke, 360 davon werden während der Einsätze in Schriesheim verbaut, 110 den Hirschberger Floriansjüngern zur Verfügung gestellt. Diese eilen ihren Nachbarn gestern Morgen gegen 5.30 Uhr zu Hilfe.

Doch schon zuvor hält die Bäche nichts mehr. Der Almannsbach schießt auf Höhe des "Mühlenhofs" über die Talstraße. Geröll und Wasser ergießen sich über den Parkplatz. Die Feuerwehr benachrichtigt den Straßen- und Tiefbaubetrieb von Thomas Rath, um hier die Straße und die Verdolung frei machen zu lassen. "Das klappt immer tadellos", lobt Scherer. Doch auch von der anderen Seite her drücken die Quellen, sodass der Stall im "Mühlenhof" samt der Tiere im Wasser steht.

Auch hier schafft die Feuerwehr Abhilfe, muss dann aber ins Alten- und Pflegeheim "Stammberg" eilen, weil das Quellwasser ins Erdgeschoss drückt. 1000 Quadratmeter Keller sind betroffen. Wassersauger kommen zum Einsatz, die Kameraden verbauen Sandsäcke, die das schlammige Nass umleiten. Inzwischen kümmern sich die Ursenbacher um den "Mühlenhof", und die Hirschberger sind unterwegs nach Schriesheim.

Die Feuerwehr stimmt sich mit der Pflegedienstleitung und dem Rettungsdienst ab. Vier Zimmer werden des "Stammbergs" aus Sicherheitsgründen geräumt, die Bewohner kurzzeitig verlegt - zumal schon in zwei Zimmern das Wasser steht. Zwischen dem Pflegeheim und dem "Mühlenhof" ist auch das Waldschwimmbad betroffen. Hier ergießt sich alles über die Liegewiese an der "RNZ-Bühne", auch weil die Verdolung verstopft und am Bach ein Schieber zu ist. Die Feuerwehr sieht davon ab, ihn zu öffnen, um das Wasser nicht noch unkontrollierter ins Tal schießen zu lassen, wo schon der Campingplatz "Land unter" meldet. Auch die Strahlenberger Straße fließt es sturzbachartig herunter. Die Firma Kling Malz kommt mit einem blauen Auge davon.

Im Burgweg und im Uzèsring gibt es weitere Einsatzstellen. Die Bürger können sich teilweise selbst helfen, oder die Feuerwehr packt auch hier an. Sogar an den Portalen des Branichtunnels müssen die Kameraden ran - quasi im ersten Ernstfall, bevor die Röhre überhaupt eröffnet ist. In Räume im Betriebsgebäude beim Westportal ist Wasser eingedrungen, weil wohl noch nicht alle Bauteile an den Außenwänden ganz fertig sind. Die Feuerwehr muss die Trafos stromlos schalten, Sachschaden entsteht hier aber nicht. Ein Trost ist darüber hinaus, dass beim Unwetter und seinen Folgen in Schriesheim niemand verletzt wurde - weder Mensch, noch Tier.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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