01.06.2016

Schriesheim: Umzug der Post sorgt für Unmut bei den Kunden

Die Post und Filialleiter können Kritik nicht verstehen – Die kleineren Räume seien "völlig ausreichend"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Adresse der Schriesheimer Postfiliale hat sich nicht geändert. Noch immer ist sie in der Hübsch’schen Mühle. Laut Filialleiter Wolfgang Kluß seien auch die Post- und Postbankdienstleistungen sowie die Anzahl der Bedienpunkte die gleichen geblieben. Beim Warensortiment gebe es ebenfalls keine Abstriche. Die Kunden können drinnen weiterhin über Postfächer verfügen und draußen an einem EC-Automaten Geld holen. Kluß versteht also nicht, warum der Umzug der Postfiliale in die Räume des ehemaligen Sonnenstudios an der Talstraße ein Thema sein sollte. Einige Kunden sehen das etwas anders.

Gegenüber der RNZ kritisieren sie die beengten Verhältnisse in der neuen Filiale. Diese "Verkleinerung" in einer 15 000 Einwohner zählenden Stadt sei schon ein starkes Stück von der Post, ein "Rückschritt" und "Kundenunfreundlichkeit", wie es in der E-Mail eines Schriesheimers heißt.

Die zwei neuen Bedientheken, die Paketaufbewahrung und die Postfächer sind jetzt in einem Raum. Die zwei Gitterrollwagen, in denen die Päckchen zur Verschickung aufgestapelt werden, nehmen eine Menge Platz weg. Zwischen Regalen und Ständern für Büroartikel und Schreibwaren ist es eng. Die Postfachanlage, so wird moniert, sei nicht mehr über einen separaten Eingang zu erreichen. Also kommt man auch während der Mittagspausen der Filiale nicht mehr an sein Schließfach.

Dieses Manko räumt Kluß ein. Dass er und seine drei Mitarbeiter aber unter der neuen Raumsituation leiden und den Zorn der Kunden zu spüren bekommen würden, wie behauptet wird, weist er zurück: "Das war vielleicht in der Umgewöhnungsphase so. Aber wir leiden sicher nicht."

Kluß hatte im Juli 2009 die alte Postfiliale in der Hübsch’schen Mühle übernommen. Seit dem 28. April ist er nun in den neuen Räumen. Der Umzug sei seine "unternehmerische Entscheidung" gewesen. Gründe dafür will er nicht nennen, stellt aber klar: "Dazu hat mich keiner gezwungen." Im Gegenteil. Die Post habe ihn unterstützt. Das glaubt man, wenn man liest, was Hugo Gimber von der Pressestelle Süd der Deutsche Post DHL Group schreibt. Die RNZ hatte auch ihn mit den Kundenvorwürfen konfrontiert. Den Verlust eines Teils der Serviceorientierung durch den Umzug könne er "absolut nicht erkennen", so Gimber.

Anders als Kluß trägt der Pressesprecher zur Begründung des Ortswechsels bei: "In Schriesheim stand vor allem die Fläche für die Postfachanlage zuletzt in keinem Verhältnis mehr zur Anzahl der aktuell genutzten Postfächer. Um nicht auf Dauer Miete für nicht mehr benötigten Raum zahlen zu müssen, ist unser Partner, dem Gebot der Wirtschaftlichkeit folgend, mit seinem Geschäft samt Postfiliale in kleinere Räume innerhalb des Hauses umgezogen." Diese seien aber "völlig ausreichend für die Kundenfrequenz an diesem Standort".

Auch das sehen die Kunden anders. Einer schildert, dass die Schlange manchmal schon an "normalen Tagen" bis vor die Tür reiche. Hier ist ein schmaler Gehweg, dann kommt der Parkstreifen und dahinter die Talstraße. Nicht ungefährlich sei das. Eine andere Kundin fragt sich diesbezüglich, wie in der Filiale zum Beispiel das Weihnachts- oder Ostergeschäft gestemmt werden sollen. Kluß ist gelassen. Die Schlange vor den Bedientheken organisiere sich in der Filiale stets selbst. Dass es Anfangsschwierigkeiten gegeben habe, will der Filialleiter gar nicht verhehlen. Die Packstation habe zwei Tage lang einen EDV-Fehler gehabt, und der EC-Geldautomat habe erst nicht funktioniert: "Aber das war nicht unser Verschulden."

Kluß zerstreut Befürchtungen, dass die neue Filiale schon darauf hindeute, dass sich die Post aus Schriesheim ganz zurückzieht. Gimber (Foto: zg) bekräftigt das: "Unsere Verpflichtungen aus der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) erfüllen wir nach wie vor ohne Wenn und Aber, auch in Schriesheim." Gemäß der PUDLV ist die Deutsche Post DHL Group dazu verpflichtet, in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern eine sogenannte "stationäre" Poststelle zu betreiben. In größeren Städten müsse eine Filiale innerhalb einer Entfernung von zwei Kilometern erreichbar sein: "Diese Vorgaben sind in Schriesheim erfüllt." Gimber verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Verkaufspunkt und an die Packstation beim Neukauf-Markt im Säulenweg.

Kluߒ unternehmerische Entscheidung bedeutet demnach noch lange nicht das Ende der Post vor Ort. Und auch nicht das Ende der Tugenden eines Dienstleisters. Denn bei aller Kritik loben die Kunden, dass die Post-Mitarbeiter in der Hübsch’schen Mühle weiterhin höflich, fleißig und zuvorkommend seien. Auch das hat sich also nicht geändert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung