09.06.2016

Schon wieder hieß es "Land unter"

Überschwemmungen in der Region - Feuerwehrauto umgekippt - Odenwald Klassik abgesagt - Mosbach unter Wasser

Rhein-Neckar. (RNZ) Starkregen und Wassermassen ohne Ende: Erneut hieß es auch in der hiesigen Region am Wochenende "Land unter". Besonders betroffen war dabei einmal mehr der Neckar-Odenwald-Kreis.

> In Mosbach suchte sich das Wasser nach starkem, aber lokal konzentriertem Regen seinen Weg vom Bergfeld bis in die Innenstadt. Eine 200 bis 250 Meter breite Wasserschneise machte Mosbachs historische Altstadt fast zu einem Bachlauf. 70 Feuerwehrmänner und 18 Bauhofmitarbeiter waren zu 40 Einsätzen im Stadtgebiet gerufen worden. Die Wehrmänner mussten voll gelaufene Keller und Wohnungen auspumpen, Sandsackbarrieren bauen und Straßen sperren, denn an mehreren Stellen sorgte das Wasser für Hebungen und Senkungen der Fahrbahn. Verletzt wurde bei den starken Regenfällen glücklicherweise niemand; einige Personen mussten allerdings in anderen Wohnungen untergebracht werden. Die Schäden schätzt Mosbachs Bürgermeister Michael Keilbach auf eine "mindestens siebenstellige Summe".

> In Waldbrunn waren diesmal die Ortsteile Oberdielbach und Waldkatzenbach betroffen. Von Freitag auf Samstag kam es wieder zu starken Regenfällen mit vielen voll gelaufenen Kellern. "Wenn es regnet, bekommt man mittlerweile schon Angst, dass es wieder so extrem wird", beschreibt Bürgermeister Markus Haas die Gefühlslage auf dem Winterhauch. 40 Feuerwehrmänner waren wieder im Einsatz, pumpten Keller aus und bauten Sandsackbarrieren. "Dass wir mal Sandsäcke befüllen, hätte ich nie gedacht", so Haas weiter. Die Wassermassen seien momentan einfach nicht "handhabbar".

> In Walldürn versank das Motorradrennen "Odenwald Klassik" auf dem Flugplatz in den braunen Fluten. Statt Motorgeräuschen heulten die Sirenen von Feuerwehr, DRK und Polizei. Die Zuschauer und Fahrer hatten andere Sorgen: Wie rette ich meinen Wohnwagen, mein Motorrad oder meinen Pkw vor den Wassermassen, die plötzlich aus dem dunklen Himmel auf den Platz hinunterprasselten? Die Veranstaltung auf dem Flugplatz Walldürn mit rund 400 Zuschauern und Teilnehmern musste am Samstagnachmittag wegen Starkregens evakuiert werden. Gegen 13.30 Uhr ging über dem Flugplatzgelände ein starker Gewitterregen nieder und ließ den Wasserpegel auf dem Gelände, das in einer Senke liegt, in kurzer Zeit stark ansteigen. Nach ein paar Minuten hieß es "Land unter". Der Veranstalter entschied sich, das Ganze abzusagen und das Gelände zu evakuieren. Hierzu wurden elf Mannschaftstransportwagen der umliegenden Feuerwehren, der Rettungsdienste und der DLRG eingesetzt. Für die Besucher wurde in der Nibelungenhalle in Walldürn eine Notunterkunft eingerichtet. Die Hilfsorganisationen waren mit 55 Einsatzkräften vor Ort. Verletzt wurde bei der Aktion niemand.

> In Eberbach rückte die Freiwillige Feuerwehr zu zahlreichen Unwettereinsätzen aus. "Wir sind seit Samstag kurz nach Mitternacht im Einsatz", sagte Gesamtkommandant Markus Lenk gestern.

> In Schönbrunn verunglückte gestern während eines Einsatzes ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr, als der Fahrer auf der K 4108 kurz nach dem Ortsausgang Allemühl an einem entgegenkommenden Pkw vorbeifahren wollte. Das zwölf Tonnen schwere Gefährt geriet in ein aufgeweichtes Bachbett, kippte um, rutschte die Böschung hinab und blieb auf der Seite liegen. Sechs Feuerwehrmänner wurden leicht, einer schwer verletzt. Der Rettungshubschrauber war im Einsatz; die K 4108 war während der Bergungsmaßnahmen voll gesperrt. An dem Fahrzeug entstand ein Sachschaden von rund 40 000 Euro.

> In Schriesheim schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und legte die Stromversorgung lahm. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon. In mehreren Straßen der Kernstadt liefen die Keller voll. Im Ortsteil Altenbach schoss das verschlammte Wasser von den Hängen und zog die L 596 im Bereich der Ortsdurchfahrt so sehr in Mitleidenschaft, dass diese kurzzeitig gesperrt werden musste. Auch die Kreisstraße in Richtung Kohlhof war überflutet. Insgesamt hatten die Schriesheimer Feuerwehrabteilungen 15 Einsatzstellen abzuarbeiten.

> In Bammental musste die Feuerwehr am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wegen eines starken Unwetters ausrücken. Nachdem der Ort Anfang letzter Woche teilweise hüfthoch unter Wasser gestanden hatte, kam er am Samstag vergleichsweise glimpflich davon. Mehrere Firmen standen unter Wasser, ein Hang drohte abzurutschen. Dennoch: "Wir sind am Limit", sagte Feuerwehrchef Timo Winkelbauer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung