16.06.2016

Schriesheimer Bürgertag: Enormes Interesse an Referaten

Rolf Schwarz referierte beim Bürgertag über "Spielplätze als kind- und familiengerechter Ort"

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Vier interessante Vorträge zu Schwerpunktthemen sind Teil des Bürgertags am vergangenen Sonntag im Schriesheimer Rathaus. Das Interesse der Bürger an den Referaten im Kleinen Sitzungssaal ist enorm.

"Ist das nicht ein sehr naturnaher Spielplatz", fragt Rolf Schwarz und zeigt den Besuchern ein Foto. Darauf sieht man einen Berg Schwemmholz, der entfernt an einen Biberbau erinnert. Tatsächlich ist dieser Spielplatz das Gehege von zwei Stachelschweinen im Heidelberger Zoo. Jedes dieser Tiere, so der Junior-Professor des Instituts für Bewegungserziehung und Sport der PH Karlsruhe, brauche etwa 200 Quadratmeter "Streifrevier". Vorgaben sehen dagegen acht bis zehn Quadratmeter Raum für ein Kind vor.

Das reiche nicht, wendet sich der Schriesheimer an Bürgermeister Hansjörg Höfer und Stadtbaumeister Markus Foltin, die vor ihm sitzen. "Spielplätze als kind- und familiengerechter Ort" heißt der Vortrag, den Schwarz beim Bürgertag hält, und dabei geht er nicht auf Borstentiere, sondern auf junge und alte Menschen ein. Damit sich alle wohlfühlen, sollte es auf guten Spielplätzen Bänke und Schattenplätze geben.

"Der Trend geht zu einer inhäusigen Lebensweise"

Zwischendurch schweift der Redner ab in Richtung Zivilisationskritik, geht hart ins Gericht mit Flächenverbrauch für immer mehr Wohnraum auf Kosten von Spielflächen und mit einer auf Mobilität beruhenden Lebensweise: Dem Auto und dem Verkehr werde zu viel Platz eingeräumt, die Menschen würden zu viel sitzen, liegen und dabei übergewichtig werden. Ein 2016 geborenes Kind werde 90 Prozent seines Lebens drinnen verbringen: "Der Trend geht zu einer inhäusigen Lebensweise."

Im Gegensatz dazu gehe ein Mann der amerikanischen Amish-Gemeinschaft am Tag über 18 000 Schritte. Kinder würden das wohl auch, "wenn man sie lässt", spielt er auf überprotektive "Helikoptereltern" an. Spielplätze könnten eine Lösung sein, doch seien laut einer Studie 27 Prozent aller Plätze in Baden-Württemberg so schlecht, dass man sie nicht mehr benutzen sollte. Nur 13 Prozent wurden mit "sehr gut" bewertet.

In kleineren Kommunen würden um die 2000 Euro pro Kopf und Jahr für Spielplätze ausgegeben, doch das reiche nicht: "Denn allein ein kleines Spielhäuschen kostet schon 3000 Euro." Aber, und damit kam er wieder zu den Schweinen. Es müssen nicht immer teure Sonderanfertigungen sein. Auch ein einfacher Erdhügel biete schon viele Spielmöglichkeiten. Sein klarer Favorit bei den Geräten ist die "Nestschaukel", die hohe motorische und soziale Fähigkeiten verlange.

Eine solche, merkt Oliver Schrade an, wurde auf dem Spielplatz "Nord" bereits wieder abgebaut. Ohnehin, beklagt der Altstadtrat, sei dort einiges "weg oder gesperrt". Foltin versichert, dass eine neue Schaukel bis Ende des Monats geliefert werde; auch auf dem Platz in den "Fensenbäumen", dessen Turm abbrannte, werde sich einiges tun, erklärt er auf Nachfrage. "Die Seilbahn kommt weg, das Gelände wird neu strukturiert, da werden 80 000 Euro investiert."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung