20.06.2016

Feierstunde, Bürgerinfo und Party am Samstag zur offiziellen Eröffnung des Branichtunnels

"Ein großer Tag für Schriesheim" - Für den Verkehr bleibt der Tunnel aber vorerst zu

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am Samstag wurde sie groß gefeiert, die offizielle Eröffnung des Branichtunnels. Ein gelungener Tag mit einer erfreulich kurzweiligen Feierstunde, einer "Völkerwanderung" in der Röhre und der großen "Tunnelparty" auf dem Festplatz. Die Ernüchterung dann gestern: Für den Verkehr bleibt die L 536 "neu" bis auf Weiteres dicht, weil noch Mängel in der computergesteuerten Sicherheitstechnik zu beheben sind. Damit hat keiner gerechnet. Schon gar nicht am Samstagvormittag, als Regierungspräsidentin Nicolette Kressl die Bürger und Ehrengäste am Westportal willkommen hieß, darunter Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Besonders begrüßte sie die Frau des Bürgermeisters, die ehemalige Tunnelpatin Birgit Ibach-Höfer. Wie gut sie ihre Aufgabe wahrgenommen habe, könne man am Ergebnis sehen. Kressl dankte allen Baubeteiligten und den Schriesheimern für ihr Verständnis während der Bauzeit. Man habe alles getan, um die Beeinträchtigungen in Grenzen zu halten.

Der Branichtunnel sei ein Projekt mit langer Geschichte, "aber jetzt ist es tatsächlich geschafft", so Hermann in seiner Ansprache. Das größte und teuerste Projekt im Landesstraßenbau sei ein Kraftakt für das Land gewesen. Der Tunnel werde das Leben in Schriesheim verändern und sei eine Chance für eine neue Zeitrechnung und Lebensqualität in der Stadt: "Weil der quälende Durchgangsverkehr nicht mehr durch den Ort muss."

"Große Herausforderungen"

Mit 12 000 Fahrzeugen täglich sei die Belastung überdurchschnittlich gewesen - "und unzumutbar", so Hermann: "Der Bürgermeister hat Wert darauf gelegt, dass ich das noch erlebe." Von den (alten) Zuständen in der Talstraße hatte sich der Minister noch vor der Feierstunde am Westportal selbst überzeugen dürfen.

Vor dem Tunneleingang stand hier die Bühne, an der die Landesfahne einträchtig neben dem Schriesheimer Stadtbanner wehte. Das Geschehen wurde live auf eine Großbildleinwand über dem Portal übertragen. So bekamen auch diejenigen alles mit, die auf der Brücke an der Leutershäuser Straße oder auf den Böschungen standen. Insgesamt kamen zur Feierstunde allerdings nicht ganz so viele Bürger, wie erwartet. Aufgrund höherer Sicherheitsstandards seien die Gesamtkosten der L 536 "neu" von geschätzten 60 auf 92 Millionen Euro gestiegen, fuhr Hermann fort. Er wünschte sich, dass die Pendler die neue Verbindung zwischen Odenwald und Rheinebene auch wirklich nutzen.

"Das ist ein großer und bedeutender Tag für Schriesheim", schloss sich Bürgermeister Hansjörg Höfer an. Der Tunnel werde die Stadt nachhaltig verändern und sei ein "Meilenstein". Höfers besonderer Gruß galt den beiden Ehrenbürgern, Peter Hartmann und Alt-Bürgermeister Peter Riehl. Vor allem ohne den unermüdlichen Einsatz seines Amtsvorgängers "würden wir heute nicht hier stehen." Riehl gebühre sein besonderer Dank, so Höfer. Der Verwaltungschef vergaß auch die BI Talstraße nicht, erinnerte an deren verstorbene Mitstreiter und nannte hier exemplarisch Wilhelm Weidner. Die Anwohner seien auf harte Proben gestellt worden, wenn die Talstraße nicht nur Tor zum vorderen Odenwald war, sondern "Nadelöhr". Mit dem Tunnel seien Entwicklungspotenziale und große Herausforderungen verbunden: "Wir werden alles tun, damit die Altstadt ihre Attraktivität behält." Dabei nehme man auch die Sorgen der Bedenkenträger ernst. Höfer dankte den Mineuren, der Bauleitung des Regierungspräsidiums um Peter Siepe, Ralph Eckerle und Volker Staudacker sowie den Bürgern für ihre Geduld.

Von der Hoffnung, dass der Branichtunnel die Talstraße entlastet, sprach Weinkönigin Katrin Hartmann. Für sie und ihre Prinzessinnen sei es eine große Ehre, die Anwesenden zu diesem "historischen Ereignis" willkommen zu heißen: "Auch wir haben den Bau verfolgt."

"Wir wussten: Da entsteht was", griff die evangelische Pfarrerin, Suse Best, diesen Gedanken auf. Doch der Bau sei in der Tiefe des Branich verborgen gewesen. Sie sprach von einem "Wunderwerk menschlicher Schaffenskraft", auf das manche kaum noch zu hoffen gewagt hätten. "Wie gut, dass wir heute den Tunnelblick haben", ergänzte die katholische Gemeindereferentin Iris Reinhardt. Der Tunnel sei zum Segen geworden für die Bürger in der Talstraße und für die Pendler. Die beiden Geistlichen stellten Tunnel und Straße unter Gottes Segen: Möge er alle Verkehrsteilnehmer vor Gefahr und Unfall verschonen. In diesem Sinne wurde das Band durchschnitten und der Branichtunnel offiziell eröffnet.

Gestern morgen dann die Nachricht von der Sicherheitslücke und der Freigabeverzögerung: Das Regierungspräsidium und das Landratsamt, das für den Tunnel im laufenden Betrieb verantwortlich ist, schlossen sich kurz. Auch Landrat Stefan Dallinger und Höfer wurden eingeschaltet: "Alle haben sich gefreut, daher ist es schon eine Enttäuschung", sagte Höfer auf RNZ-Anfrage: "Andererseits haben wir 30 Jahre auf den Tunnel gewartet. Da kommt es auf die paar Tage auch nicht an. Ich hoffe, dass der Fehler am Montag gefunden wird", so der Bürgermeister (weitere Berichte und Seite Metropolregion)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung