23.06.2016

Technikpanne im Branichtunnel Schriesheim: "Das ist nur noch peinlich"

Die Panne im Branichtunnel war am gestrigen Montag Gesprächsthema in der Stadt – Spätestens am Mittwoch soll der Verkehr fließen

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Das ganze Land schaut auf Schriesheim und den Branichtunnel. Erst die große Eröffnungssause, dann die Ernüchterung. Dass die neue Ortsumgehung aufgrund von Sicherheitsmängeln nicht für den Verkehr freigegeben werden konnte, schafft es in die Nachrichten von Radio und Fernsehen. Gestern Nachmittag dann die Mitteilung aus dem Regierungspräsidium: Spätestens am Mittwochmorgen soll der Verkehr durch den Tunnel rollen. Sollte der Fehler bis dahin nicht behoben sein, werde man die Betriebszentrale des Tunnels rund um die Uhr besetzen. Dennoch schwankt gestern die Stimmung in der Stadt zwischen Gelassenheit, ungläubigem Kopfschütteln und Galgenhumor. Der Tunnel, er ist Gesprächsthema.

An der Kasse des Edeka-Marktes Zipser kommen Kunden darauf zu sprechen: "Das war ja wohl nichts mit dem Tunnel am Wochenende." Da feiere man groß, und dennoch könne man nicht durch. Die Angesprochene nimmt es mit Humor: "Wissen Sie, dann feiern wir eben gleich noch mal, wenn er wirklich aufgemacht wird."

Das sei doch wieder typisch, echauffiert sich ein Bürger vor der Volksbank-Filiale: "Können die denn nicht vorher testen, ob alles funktioniert. Das ist nur noch peinlich." Margarete Fallmann, die Frau von "Schriesheim jazZt"-Mitorganisator Eugen Fallmann, hatte sich so auf die erste Fahrt durch den Tunnel am Wochenende gefreut. Am Samstagabend waren die beiden auf der "Tunnelparty" beim Festplatz gewesen: "Wir wollten noch etwas Musik hören. Und da hat der Wolfgang Amann auf der Bühne gesagt: ’Am Sonntag um 9 Uhr fahren wir durch den Tunnel’." Die Fallmanns hätten nicht auf den Frontmann der "T-Band" hören sollen. Jedenfalls machten sie sich am nächsten Morgen vergebens auf den Weg.

"Tja, es ist, wie es ist. Die Technik spielt uns eben manchmal einen Streich im Leben", sagt Isolde Nelles. Die Vorsitzende der Branich IG findet es "etwas ungeschickt", dass der Tunnel noch nicht auf ist: "Aber wir müssen es jetzt mit Geduld ertragen." Lange dauert es ja nun nicht mehr. Nelles hatte sich am Samstag und zur Feier des Tages übrigens extra in den Landesfarben gekleidet, die auch die Farben der Stadt sind. Halb so schlimm findet die ganze Sache auch Rolf W. Edelmann. Der Vorsitzende des Schriesheimer Bundes der Selbstständigen (BDS) sagt: "So ein kleines Malheur kann man verzeihen. Ich hoffe, dass es keine allzu große Geschichte und wirklich nur ein EDV-Fehler ist, der schnell gefunden werden kann. Dann ist es nicht so tragisch, wenn wir zwei Tage später durch den Tunnel fahren."

Weniger nachsichtig äußert sich der hiesige Landtagsabgeordnete der Grünen, Uli Sckerl: "Die Panne um die Eröffnung des Branichtunnels ist für uns Landespolitiker peinlich." Die Betriebszentrale des Tunnels permanent zu besetzen, wäre auch schon am Sonntag möglich gewesen, so Sckerl: "Die Öffentlichkeit darf zudem glasklare und transparente Informationen über die Ursachen der Panne und die Sicherheitslage im Tunnel erwarten. Denn nach einer monatelangen Vorlaufzeit muten die geschilderten technischen Probleme schon etwas seltsam an."

Der Abgeordnete fragt sich, ob die Probleme wirklich erst am vergangenen Sonntag aufgetreten sind: "Ich empfinde auch die Kommunikation von unten nach oben als stark verbesserungsfähig", fährt er fort. Denn selbst am Sonntagabend hätten Verkehrsminister Winfried Hermann und seinem Ministerium noch keine Informationen des Rhein-Neckar-Kreises und der Bauleitung des Branichtunnels über die Sperrung vorgelegen: "Deshalb muss jetzt mit Informationen und Aufklärung dringend nachgearbeitet werden", fordert Sckerl.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung