27.06.2016

94 Abiturienten verlassen das Schriesheimer Kurpfalz-Gymnasium

Bei der Abiturfeier des Kurpfalz-Gymnasiums wurden in der Mehrzweckhalle 94 Schulabgänger verabschiedet

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Eine Abi-Feier, bemerkte Renate Hörisch-Helligrath, sei ein Übergangsritus, der dazu diene, einen eben vollendeten Lebensabschnitt abzuschließen, bevor etwas Neues, Unbekanntes beginne. Ihr Abiturjahrgang brachte sich 1968 selbst um diese Zeremonie, so dass es keine feierliche Zeugnisübergabe gab: "Wir waren stolz darauf, so eine spießige Veranstaltung abgeschafft zu haben."
Doch als die Abiturienten ihre Zeugnisse im Sekretariat abholten, den Empfang quittierten und dann vor der Schule standen, "fühlte sich das gar nicht gut an." Heute, bekannte die Pädagogin, freue sie sich mit allen, die eine würdige und feierliche Zeugnisübergabe erlebten.

Eine solche gab es am Samstag für die 94 Abiturienten des Kurpfalz-Gymnasiums; sie begann mit einer schön gespielten Haydn-Ouverture vom Schulorchester unter Leitung von Janette Schmid, wurde später durch zwei Stücke des Schulchors geschmückt (am Klavier saß Leiter Ulrich Schwarze) und endete mit dem "Libertango" von Astor Piazolla, wieder vom Orchester vorgetragen. Zuvor betonte Hörisch-Helligrath die Bedeutung von Bildung auch für die persönliche Entwicklung und freute sich, dass die Schulzeit für die jungen Leute an diesem Tag erst zu später Stunde, mit dem Abiball, ende.

Während Schülervater Peter David auf die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Arbeitswelt einging, wünschte Bürgermeister-Stellvertreterin Dr. Barbara Schenk-Zitsch den Jugendlichen offene Augen und den Mut, Chancen zu ergreifen und nach dem eigenen Weg zu suchen. Auch wenn man manchmal den Eindruck habe, dass anderen alles zufalle, sie erfolgreicher seien als man selbst, so komme es doch letztlich darauf an, mit sich im Reinen zu sein: "Ihr seid euer eigenes Maß. Was andere über euch denken, darf nicht die Oberhand gewinnen."

Seine erste Abi-Rede als Schulleiter hielt diesmal Jürgen Sollors, und seine Gedanken kreisten dabei um die Entscheidungen, die die Schulabgänger für ihr künftiges Leben zu treffen hätten. Ent-Scheidung, das sei die Trennung von etwas, die Vorsilbe "Ent-" stehe für Wegnehmen, Trennen, etwa in Wörtern wie Entbindung, Ent-Täuschung und Ent-Zauberung. Eine Entscheidung nehme viele Scheidewege weg, aber es gebe kein Patentrezept für richtige Entscheidungen. Sie erforderten eine Balance von Denken und Intuition, so Sollors: "Ohne Gefühl ist der Verstand hilflos." Scheffelpreisträgerin Friederike Schober erinnerte danach an weniger erfreuliche Aspekte ihrer Schulzeit, kritisierte kaputte Fenster, ein Dach, durch das es hinein regne und dass der alte Teppichboden mittlerweile zur Heimstätte zahlreicher Kleinstlebewesen geworden sei.

Auch die Pädagogen ließ die couragierte Rednerin nicht ungeschoren: Kursleiter hätten mitunter so häufig gewechselt, dass man sich oft nicht einmal ihre Namen habe einprägen können. Niveau und Notengebung der einzelnen Kurse seien unterschiedlich und die Lehrer gegenüber "konstruktiver Kritik nicht aufgeschlossen" gewesen.

In ihrer Abiturarbeit setzte sich Friederike auseinander mit dem Aspekt der Freiheit anhand eines Literaturvergleichs. Das brachte sie zu dem leidenschaftlichen Plädoyer für die Freiheit, das ihr am Ende stehende Ovationen ihrer Mitschüler und schließlich auch der Erwachsenen eintrug. Freiheit sei ein Privileg, sei kostbar und sei Verantwortung, bezog sie sich auf die Menschen in der DDR, die sich 1989 "ihre Freiheit zurückholten". Man könne frei sein von Verpflichtungen und Zwängen, aber auch frei, zu seiner Meinung zu stehen, sich zu entfalten, zu entscheiden.

Nun sei das Abitur geschafft: "Wir sind endlich frei, jetzt beginnt für uns ein neuer Abschnitt, wir können erstmals selbst entscheiden, was wir mit unserem Leben anfangen wollen. Uns stehen alle Wege für die Zukunft offen."
Sie alle machten jetzt am Kurpfalz-Gymnasium ihr Abitur: Sarita Ahrens, Felicitas Arnold, Sonja Marie Bähr, Clara Behringer, Jannis Biboudis, Niklas Binder, Maximilian Lukas Brand, Moritz Cabral, Mona Cantu, Louisa-Marie David, Alicia Chiara Dopfer, Nicolas Christoph Dornblüth, Patrick Dörr, Sören Friedrich Ducati, Riccardo Esposito, Nicolas Gabriel Feigenbutz, Irina Ferreira Guimares, Céline Antonia Fietz, Karla Findeisen, Shaleen Flade, Julian Oliver Freyberg, Fabian Glock, Tamara Christiane Grabinger, Lisa Grattolf, Daniel Jason Werner Greulich, Antonia Grössl, Louis Grümer, Pauline Inge Grunert, Patricia Guedes Pinto, Annika Günther, Peter Arno Hartmann, Nico Hebbel, Simon Heesen, Valentin Nikolaus Ferdinand Hendrik, Christian Herbig, Sophia Hinkel, Felix Jacob Jäck, Katharina Paula John, Katharina Junghans, Yannick Jüngling, Robin Paul Khanna, Helena Mina Anna Kick, Leander Kläber, Dennis Knapp, Alicia Koßmann, Thilo Krause, Alice Christin und Lena Paulin Krczal, Zita Lambert, Marlon Luca Lierz, Julian Majer, Johanna Meier, Alexander Meißler, Barbara Menges, Felix Benjamin Mersi, Carolin Vivien Modesto, Paul Niklas Jakob Molitor, Pia Mößner, Laura Müller, Nicolas Maximilian Müller, Pirmin Johannes Müllerleile, Anja Näher, Lena Oberländer, Sarina Oelschläger, Carolina Paul, Charlotte Virginie Franziska Pauly, Collin Matthew Pedigo, Daniel Werner Post, Larissa Rell, Robin Simon Remhof, Roman Simon Renner, Valentin Elias Rupp, Angela Schmich, Lukas Nathanael Schmidt, Friederike Wally Schober, Timo Florian Martin Scholz, Rebecca Schotten, Leonie Alexandra und Dominik Matthias Schuchardt, Dana Imanni Schulz, Martin Schumm, Laura Stangl, Lion Pablo Sidney Thurecht, Samy Ugé, Eva und Sarah Ullrich, Maurice Jean Urban, Jessica Voß, Philipp Marvin Walz-Nickol, Isabela Wick, Lucija Nikolina Wink, Jana Theres Winterstein, Holger Oliver Wünsche und Anne Dagmar Zipser.

Bei der Zeugnisübergabe wurden Preise für gute Leistungen in allen Schulfächern sowie das Engagement in Orchester, Schulsanitätsdienst, als Streitschlichter, in Bigband, Chor, SMV und Theater-AG vergeben. Schulbeste wurden Karla Findeisen, Maximilian Brand und Timo Scholz. sk

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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