01.07.2016

Schriesheim und Rauenberg häufig Ziel bei Autoeinbrüchen

Sachschaden von bisher etwa 2,5 Millionen Euro - Garagen und Alarmanlagen als Schutz

Von Frederick Mersi und Armin Rößler

Schriesheim/Rauenberg. Sie kommen nachts, brauchen meist nur wenige Minuten und verschwinden vollkommen unbehelligt wieder: Eine Serie von Autoeinbrüchen hat seit Anfang des Jahres in der Metropolregion für einen Sachschaden von bisher etwa 2,5 Millionen Euro gesorgt. Die Täter gehen organisiert und effizient vor: Die Dreiecksscheibe, meist auf der rechten Seite, wird eingeschlagen und die Hintertür geöffnet. Dann werden Navigationsgeräte und Multifunktionslenkräder gestohlen. Das bevorzugte Objekt der Einbrecher: Autos der Marke BMW.

Schriesheim ist der unrühmliche Spitzenreiter im nördlichen Rhein-Neckar-Kreis: 20 Aufbrüche hat die Polizei hier seit Jahresanfang registriert. Allein in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli wurden sieben BMW aufgebrochen, vor allem im Schlittweg, Dreißig-Morgen-Weg und entlang der Straße "In den Fensenbäumen". Bei keinem der betroffenen Fahrzeuge wurde eine Alarmanlage ausgelöst. "Zu mir hat die Polizei später nur gesagt: ,Herzlichen Glückwunsch, Sie sind die Neunte’", sagt eine betroffene BMW-Besitzerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Die Dreiecksscheibe sei eingeschlagen worden, eine Alarmanlage hatte ihr BMW 3er-Touring bisher nicht. "Ich werde auf jeden Fall eine einbauen lassen", sagt sie. Denn die Täter brechen häufig mehrere Male in denselben Wagen ein, um die nach dem vorigen Einbruch neu eingebauten Geräte zu stehlen, die sich dann zu einem höheren Preis verkaufen lassen. "Auch in Schriesheim waren einige Fahrzeuge mehrmals betroffen", sagt Polizeisprecher Norbert Schätzle. Die BMW-Besitzerin weiß von einem Leidensgenossen, den es bereits mehrfach erwischt hat: Gleich drei Mal soll dessen Auto aufgebrochen worden sein.

Spitzenreiter im südlichen Rhein-Neckar-Kreis ist Rauenberg mit bislang 26 Aufbrüchen in diesem Jahr. Ausschlaggebend dafür ist aus Polizeisicht vor allem die günstige Lage direkt an der Autobahn. Überwiegend betroffen ist das Neubaugebiet Märzwiesen, wo die Diebe viele hochwertige Firmenautos vorfinden und es zudem mehr Carports als Garagen gibt. "Da wohnen nicht unbedingt Ortsansässige, ein Fremder fällt nicht so auf", nennt Schätzle einen weiteren Grund für die Häufung.

Die enge Bebauung tut in der Zeit ohne Straßenbeleuchtung - Schwerpunkt der Taten ist zwischen 1 und 4 Uhr - ihr Übriges. Die Polizei rät, Lenkradkrallen einzubauen oder den eigenen Wagen in der Garage zu parken. "Was macht man, wenn man keine Garage hat? Dann muss man das Auto doch draußen abstellen", meint eine andere Schriesheimer BMW-Fahrerin, die nur ein Carport besitzt. Und vor dem Ausbau des Navis schützten auch Lenkradkrallen nicht.

Eine Alternative besteht im Einbau einer individualisierten Alarmanlage. Seit zwei Jahren würden diese verstärkt nachgefragt, sagt Falk Förster vom Grevenbroicher Hersteller Ampire. Innenraumsensoren dieser Anlagen verhinderten, dass ein Einbruch unbemerkt vonstatten geht. Einen Schwachpunkt macht er in der Dreiecksscheibe aus: "Das Einschlagen macht dort am wenigsten Krach, und bei den anderen Scheiben müsste man mehr Kraft aufwenden."

Burkhard Böttcher vom ADAC kennt einen Grund für die BMW-Vorliebe der Einbrecher: "Dort sind die Navigationsgeräte leichter auszubauen." Von Problemen mit serienmäßig eingebauten Alarmanlagen wisse er nichts, aber: "Eigentlich sollte sie bei solch einem Einbruch ausgelöst werden." Immerhin zahle bei einem Schaden an fest installierten Navigationssystemen und Lenkrädern die Teilkaskoversicherung, so Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Bei losen Geräten sei dies nicht der Fall. Von BMW war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung