11.07.2016

Schriesheim: Erster Entwurf zur Flurneuordnung

Erste Planung zur Flurneuordnung im Mergel vorgestellt - 2,9 Millionen Euro Kosten kalkuliert

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Vielleicht ist es tatsächlich dem kühlen Vereinsraum in der Mehrzweckhalle zu verdanken, dass es nicht ganz so hitzig zugeht wie beim letzten Mal: Vier Stunden hatte der erste Runde Tisch zur geplanten Flurneuordnung im Mergel in der Kuhbergstube gedauert, der zweite Termin am Donnerstagabend ist nur etwas mehr als halb so lang. Und das, obwohl mit der Präsentation eines ersten Grobentwurfs der Planungen vor etwa 50 Interessierten "ein sicher spannendes Programm" auf der Agenda steht, wie Lothar Schlesinger, Leiter des Amts für Flurneuordnung beim Rhein-Neckar-Kreis, zu Beginn sagt.

Eine zentrale, asphaltierte Hauptzufahrt vom Spännigweg in die Weinberge mit Verbindungen zum Kuhberg und in die oberen Bereiche des Mergels ist ebenso Teil des Entwurfs wie eine Verkaufsstelle für regionale Produkte an der Kreuzung Robert-Bosch-Straße und Dossenheimer Weg. Am neuen Hauptzufahrtsweg könnte auch eine am Wochenende bewirtschaftbare Hütte samt Parkplatz eingerichtet werden, der auch als Rettungspunkt und Hubschrauberlandeplatz dienen könne, erläutert Schlesingers Mitarbeiter, Frank Holtmann.

Diese Ideen finden überwiegend Zustimmung im Publikum. Einige äußern jedoch die Sorge, dass Privatautos die zentrale Zufahrt nutzen könnten. "Wenn man vom Spännigweg hochfährt, wird man da als Besucher von außen ja praktisch reingezogen", meint ein Zuhörer. Auch bei anderen Wegabschnitten gibt es kleine Änderungsvorschläge, grundsätzlich freut sich die Mehrheit aber über die geplante Entlastung des Steinschleifenwegs.

Dieser war bisher auch bei der Frage der Entwässerung ein Problem: Im Juni hatte der Starkregen mehrerer heftiger Unwetter den Weg weiter ausgespült und Schlamm und Geröll den Berg hinuntergetragen. Bei der Neuordnung setzen die Planer auf dezentrale, relativ kleine Rückhaltebecken.

Was den Naturschutz angeht, muss man zunächst eine ökologische Ressourcenuntersuchung abwarten. Sie ist Grundlage für die Entscheidung, welche Bäume gefällt werden dürfen und wie viele am bisherigen Waldrand neu gepflanzt werden sollen. "Uns ist klar, dass einzelne Bäume bei der Bewirtschaftung ein Hindernis darstellen", sagt Schlesinger. "Wir wollen aber auch nichts mit Gewalt verändern", schränkt Holtmann ein.

Auch eine Kostenschätzung für das Mammutprojekt wird vorgestellt: Etwa 2,9 Millionen Euro könnte die Neuordnung des 65 Hektar großen Gewanns zwischen Schriesheim und Dossenheim kosten. Bis zu circa 80 Prozent der Ausgaben könnten durch Zuschüsse von Bund, Land und EU gedeckt werden.

Die restlichen 20 Prozent, also rund 583 000 Euro, könnten je zur Hälfte von den Grundstückseigentümern und der Gemeinde getragen werden. "Natürlich nur, wenn der Gemeinderat dem zustimmt", sagt Holtmann. Wenn diese Rechnung aufgeht, müssten Grundstückseigentümer etwas weniger als einen Euro pro Quadratmeter zahlen. Eine Größenordnung, die von allen im Raum als tragbar angesehen wird.

Auch wenn am Ende des Abends zunächst wieder ein Bericht steht, auf den sich alle Anwesenden einigen können, kommen die wirklichen Diskussionen wohl erst noch. Denn obwohl Schlesinger mehrfach ausdrücklich betont, dass es sich beim vorgestellten Plan "nur um einen groben Entwurf und nicht um das Evangelium" handelt, machen sich viele Eigentümer bereits jetzt Sorgen um ihre Parzellen.

Die eingeplante Ausgleichsfläche, von Schlesinger "Abfindung" genannt, auf der mehrere Kleingrundstücke zusammengelegt und einzeln oder gemeinsam bewirtschaftet werden könnten, beruhigt die Anwesenden wenig. "Was ist mit meinem Grundstück", wird häufig gefragt. Es wird viel durcheinander geredet. "Ich habe ein Waldgrundstück, und da wird sich durch die Neuordnung nichts ändern. Ich weiß nicht, warum ich dann an den Kosten beteiligt werden soll", sagt ein Besucher und fügt an: "Mein Grundstück sollte aus den Planungen gleich raus."

Eine andere Besitzerin äußert sich ähnlich: "Mein Wingert liegt optimal und ist eine Erbsache meiner Urgroßeltern. Ich will nicht, dass der verlegt wird." Da kann Schlesinger noch so häufig auf die späteren Verhandlungen mit jedem einzelnen Grundstückseigentümer verweisen: Die Sorgen, man könnte durch die Flurneuordnung benachteiligt werden, bleiben groß.

Info: Der Grobentwurf wird am 20. Juli dem Gemeinderat ohne Abstimmung vorgestellt. Alle Unterlagen sind ab diesem Datum im Internet unter www.lgl-bw.de/4066 einsehbar.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung