11.07.2016

Genau 1473 Gäste kamen zu "Schriesheim jazZt"

Hochkarätig besetztes Programm - Höfer: "Eine große Werbung für unsere Stadt"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Anke Helfrich, Rainer Pusch, Volker Engelberth, Knut Rössler: Jeder einzelne dieser Namen reicht schon, um Jazzfreunde ins Schwärmen zu bringen. "Schriesheim jazZt" bot sie am Samstagabend alle auf. Die elfte Auflage des Festivals in den Höfen und auf den Plätzen der Innenstadt war besonders hochkarätig besetzt. Schon das beweist, welch besonderen Stellenwert dieses außergewöhnliche Event auch in der Jazzszene genießt. Wenn die Veranstalter des Kulturkreises (KKS) und die beteiligten Winzer und Gastronomen dann noch so viel Glück mit dem Wetter haben, wie dieses Mal, dann wird daraus ein lauer Sommerabend des Lächelns und der Freude. Und ein absoluter Erfolg.

KKS-Pressesprecher Dieter Weitz teilte gestern die offizielle Besucherzahl mit: Genau 1473 Gäste aus der ganzen Region bevölkerten die sieben "Spielplätze" der insgesamt sieben Gruppen. Beim Kulturkreis waren sie schon nach dem Vorverkauf optimistisch gewesen. Doch an den Abendkassen wurden die Erwartungen noch getoppt. Entsprechend froh begrüßte KKS-Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer gemeinsam mit Bürgermeister Hansjörg Höfer die Gäste bei der Eröffnung am Alten Rathaus. Sie dankte allen Akteuren, verwies auf die "Hochkaräter" im Programm und dankte der Stadt, den Sponsoren und der Rhein-Neckar-Zeitung, die den "JazZ" seit dessen Premiere unterstützt. Höfer freute sich später im Gespräch über die "wunderschöne Atmosphäre": "Mein großes Lob gilt dem Kulturkreis für dieses gelungene Fest. Es ist eine große Werbung für unsere Stadt. Mein Dank gilt auch den teilnehmenden Gastronomen. Man merkt, dass wir hier inzwischen ein Stammpublikum haben." Recht hatte der Bürgermeister. Ein Heidelberger Jazzfan hob auf Anfrage hervor, regelmäßiger Gast bei "Schriesheim jazZt" zu sein: "Wir bleiben auch nicht an einer Bühne, sondern wir gehen herum und wollen möglichst überall gewesen sein."

Beim Knut Rössler Quartett zum Beispiel, das nicht nur Jazzstandards wie "Autumn Leaves" und "All Blues" spielte und mit Regina Litvinova und Richie Beirach gleich zwei Pianisten aufbot. Oder bei "Echo Jazz Award"-Preisträgerin Anke Helfrich, die erstmals überhaupt mit Bassist Dietmar Fuhr und Schlagzeuger Jens Düppe zusammenspielte - was sie zugab, man aber nicht merkte. Düppe nutzte eine Pause zwischen den Sets, um kurz bei der L.A. Reed Big Band vorbeizuschauen, die neben großen Goodman- und Miller-Stücken sogar Schlagerhaftes wie John Miles’ "Music" dabei hatte. Bandleader Rainer Heute kennt Düppe von der Big Band des HR. Man plauderte, und Düppe freute sich über "dieses tolle, überschaubare Festival". Dann klingelte sein Handy. Anke Helfrich bat ihn zurück ans Schlagzeug.

Kammermusikalisch und improvisationsfreudig gab sich auch Saxofonist Rainer Pusch. Mit Pianist Michael Quast und Schlagzeuger Kristof Körner bildete er das Trio "Changes and Things", das Freunde des Modern Jazz besonders anzog.

Dagegen meinte man im Diehm-Hof in der Oberstadt nicht recht zu hören: Blues- und Countryrock bei "Schriesheim jazZt"? Und das mit Slide-Bars und sogar einer Pedal-Steel-Guitar gespielt? Die Gruppe SMAF sorgte dafür - und man vernahm es mit großer Dankbarkeit. Denn schließlich ist der Blues ein Verwandter des Jazz, der bislang bei Schriesheims Festival immer etwas zu kurz kam.

Jede Menge Spaß und leichtes Zuhören garantierte auch die "Kicks’n Sticks Big Band" vor dem Zehntkeller. Hier traf man Professor Theo Stemmler, ein "Schriesheim jazZer" der ersten Stunde. Auch ihm gefiel das Programm: "Eugen Fallmann macht das sehr schön." Dieser hatte ja wieder die Bands des Abends engagiert. Zu Anke Helfrich befragt, sagte Stemmler: "Sie ist genial! Aber ihr Programm ist für ein Open Air vielleicht etwas zu anspruchsvoll." Ebenso hohe Anforderungen ans Gehör stellte Volker Engelberth im "Goldenen Hirsch", wurde dafür aber nicht weniger gefeiert. Zugaberufe zu später Stunde auch hier. Und so erklangen die letzten Takte von "Schriesheim jazZt" erst nach Mitternacht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung