12.07.2016

Eingebürgerte Schriesheimer: Aus Guatemala an die Bergstraße

RNZ-Reihe über eingebürgerte Schriesheimer, heute: Rony Guadelupe Guzmann Cifuentes und sein Sohn Janusz

Janusz ist Schüler am St.-Raphael-Gymnasium in Heidelberg, sein Vater gibt Deutschunterricht und auch Alphabetisierungskurse in der Flüchtlingshilfe. Foto: Dorn

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Als Schriesheim vor einigen Wochen vor einer Gemeinderatssitzung seine "Neubürger" begrüßte, war Rony Guadalupe Guzmann Cifuentes aus Guatemala dabei. Er studierte an der Universität Heidelberg Geografie, Geologie und Deutsch als Fremdsprache, lernte im Studentenwohnheim seine polnische Frau Agnieszka kennen und lebt mit ihr und dem gemeinsamen Sohn Janusz Daniel, der 2004 geboren wurde, seit sechs Jahren in Schriesheim in einem Haus mit Blick auf die Weinberge. Wie sein Vater hat nun auch Janusz die deutsche Staatsbürgerschaft.

Der Sechstklässler, Schüler am St.-Raphael-Gymnasium in Heidelberg, wollte es so, weil er sich schon immer als Deutscher fühlte. Er mag in der Schule Latein, Englisch, Mathematik und die Kino-AG besonders gern. In seiner Freizeit bastelt er am liebsten Fahrzeuge aus Lego-Technik.

Seine Eltern sind momentan beide als Deutschlehrer tätig, auch in Alphabetisierungskursen innerhalb der Flüchtlingshilfe. Germanistik und Romanistik waren die Studienfächer von Janusz’ Mutter, die 1996 als Stipendiatin von Krakau an die Partneruniversität Heidelberg kam.

Bevor sich Rony Richtung Deutschland auf den Weg machte, arbeitete er in seiner Heimat als Bauingenieur im Vermessungswesen. Dass er als Neunjähriger ein schweres Erdbeben erlebte, hat ihn für sein weiteres Leben geprägt. Er suchte nach Erklärungen für solche schrecklichen Naturkatastrophen. So wuchs in ihm der Wunsch, Geologie zu studieren, was seiner Schilderung nach in Guatemala damals gar nicht möglich gewesen wäre. In Deutschland angekommen, belegte er als erstes einen Deutschkurs an der Volkshochschule, um sich verständigen zu können.

Und was bedeutet nun die deutsche Staatsbürgerschaft für ihn und seinen Sohn? Zum Beispiel, dass es jetzt leichter ist, die Personalausweise verlängern zu lassen. Insgesamt wird das Leben also einfacher, die Verwaltungskosten betrugen insgesamt rund 400 Euro. Die Familie hat auch schon in anderen Orten in der Region gewohnt. Doch in Schriesheim fühlt sie sich angekommen und gut aufgenommen. Und ein bisschen erinnern die Weinberge Rony auch an seine Heimat, die er nur selten besucht, auch wenn er dort noch Verwandte hat. Agnieszka ist dagegen einmal jährlich in Polen. Das sind auch keine zehn Flugstunden, sondern ist nur ein paar Auto- oder Bahnstunden entfernt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung