15.07.2016

Bestattungswälder in Schriesheim: Lieber "naturnah" als im Wald

Schriesheim. (fjm) Obwohl sich Bestattungswälder in anderen Gemeinden rentieren, sind die Freien Wähler gegen die Einrichtung eines solchen Beisetzungsangebots im Bereich der Waldgemarkung auf der Kipp nahe Altenbach. Heinz Kimmel, dem Fraktionssprecher im Gemeinderat, der zugleich Mitglied in der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner ist, schwebt dagegen ein Konzept für naturnahe Bestattungen auf dem hiesigen Friedhof als Alternative vor.

Es gebe eine Menge Gründe, die gegen einen Bestattungswald sprechen, sagt Kimmel. "Das betreffende Gelände ist meiner Meinung nach zu steil, und die Kosten zur Unterhaltung der Wege wären hoch", sagt er. Die Gemeinde müsse viel Geld in die Schaffung von Wegen, Sanitäranlagen und einem Gedenkplatz investieren. Außerdem sei sie für die Verkehrssicherung zu allen Jahreszeiten zuständig. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass Baden-Württemberg den Friedhofszwang abschaffe - wie es bereits in Bremen geschehen sei. "Dann kann man die Urne auch im Garten verbuddeln", so Kimmel.

Darüber hinaus sei das Gelände eines Bestattungswalds für Spaziergänger oder für die Jagd nicht mehr nutzbar. Darauf weist im Gespräch der Ortsvorsitzende der Freien Wähler und aktive Jäger, Klaus Hartmann, hin. "Wir würden also 97 Prozent der Bevölkerung das Gelände wegnehmen, damit sich zwei bis drei Prozent dort bestatten lassen können", ergänzt Kimmel. Auch aus Gründen des Landschaftsschutzes sei die Einrichtung eines Bestattungswalds abzulehnen.

Dagegen die Idee der Freien Wähler: Naturnahe Bestattungen auf zwei bisher ungenutzten Feldern des Schriesheimer Friedhofs möglich machen. Ein parkähnliches Grabfeld mit unterschiedlichen Bäumen, Pflanzen und bis zu 337 Bestattungsplätzen könne man anlegen. Ein vor etwa fünf Jahren angelegtes Grabfeld für Urnenbestattungen werde bereits gut angenommen, sagt Kimmel.

"Mehr als 30 000 Euro würde das nicht kosten", schätzt er. Allein Bodengutachten und Wirtschaftlichkeitsberechnung für den von der Grünen Liste vorgeschlagenen Bestattungswald kosten laut Verwaltungsvorlage knapp 16 000 Euro. Am kommenden Mittwoch soll der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause darüber abstimmen. Bei dem von ihm vorgeschlagenen Grabfeld seien auch Barrierefreiheit und ausreichende Infrastruktur gewährleistet, sagt Kimmel.

Diese Faktoren sind auch der Evangelischen Kirchengemeinde wichtig. Grundsätzlich sei man für Bestattungswälder offen, sagt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Franziska Mersi. Jedoch gebe es Bedenken bezüglich der Erreichbarkeit des steilen Geländes für ältere Besucher. Die katholische Kirchengemeinde in Schriesheim hat bisher keine eigene Position zu einem Bestattungswald bezogen.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Detlev Aurand verweist jedoch als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken auf eine Stellungnahme der deutschen Diözesen: Man habe grundlegende Vorbehalte gegen diese Bestattungsform, da sie auf einer naturreligiösen Weltanschauung basiere. Allerdings spielten häufig auch "praktische Überlegungen wie die Sorge um die Grabpflege oder finanzielle Aspekte eine Rolle". Das heiße, die kirchliche Feier des Begräbnisses in einem Krematorium oder in einer Leichenhalle werde nicht verweigert. Für Bestattungswälder gelte jedoch dasselbe wie für Urnenbestattungen auf dem Friedhof: Die Beisetzung erfolge "im Allgemeinen ohne kirchliche Mitwirkung".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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