18.07.2016

Bürgerumfrage "Schriesheim 2030": "Stadtbild verbessern" kam auf Platz eins

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. 6783 Haushalte gibt es in der Stadt. Ihre Bewohner waren aufgefordert, sich an einer Bürgerumfrage zu beteiligen, deren Ergebnisse in ein Stadtentwicklungskonzept einfließen sollen. Es ist Voraussetzung, damit die Stadt Fördergelder aus verschiedenen Landesprogrammen beantragen kann.

Die Umfrage ist mittlerweile beendet, und bei der "Zukunftswerkstatt", ebenfalls eine Veranstaltung im Rahmen der Konzept-Vorarbeiten, wurden nun ihre Ergebnisse vorgestellt. 538 Mal wurde der Fragebogen ausgefüllt. 501 Teilnehmer kamen aus der Kernstadt, 35 Fragebögen aus Altenbach zurück und einer aus Ursenbach. Den Rücklauf von 7,4 Prozent nannte Jutta Breitschwerd vom Uhinger Institut für kommunikatives Handeln "ganz ordentlich".

Während das Geschlechterverhältnis - 52 Prozent Frauen, 48 Prozent Männer - dem in der Bevölkerung entsprach, waren die jüngeren Teilnehmer prozentual unter- und die Älteren überrepräsentiert. Das "Mittelalter" zwischen 40 und 59 Jahren entsprach als stärkste Gruppe etwa seinem Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Gut 50 Prozent aller Teilnehmer gaben an, sehr gerne in Schriesheim zu leben, weitere 46 Prozent bejahten die Frage mit Einschränkungen, knapp zwei Prozent verneinten. Bei der Bitte, Schriesheim in einem Satz zu beschreiben, gingen die Meinungen auseinander: Während die einen die "Perle der Bergstraße" als familienfreundlich und schön lobten, ihre Wohnqualität und die zentrale Lage hervorhoben, monierten andere Spießigkeit, Schmutz, schlechte Parkplätze und Verbesserungsbedarf bei Schulen und Kindergärten. Ein Teilnehmer formulierte vernichtend: "Eine Stadt für alte Leute."

Ins Detail ging es bei den verschiedenen Themenfeldern, denen man Schulnoten geben konnte. Im Gesamtdurchschnitt kam die Weinstadt auf 2,6, wobei die Einzelergebnisse von 1,7 (Anbindung beim Individualverkehr) und 1,8 (ärztliche Versorgung) bis 3,6 variierten (Verkehrsbelastung im Stadtkern). Beim Städtebau lagen die Aspekte Wohnqualität, familiengerechtes Umfeld und Aufenthaltsqualität in der Altstadt über dem Durchschnitt, während Schriesheim als Unternehmensstandort und für seine Beteiligung an öffentlichen Projekten (jeweils 3,2) deutlich schlechter abschnitt; das "behindertengerechte Lebensumfeld" bildete mit 3,3 das Schlusslicht.

Sofern es den Aspekt "Leben in Schriesheim" betraf, gab es gute Noten für Vereine, kulturelle, Schul- und Freizeitangebote, während die Ausbildungsangebote nur eine 3,0 bekamen. Bei der Nahversorgung bewerteten die Schriesheimer die fußläufige Erreichbarkeit mit 2,2 und die Qualität von Waren, Dienstleistungen und Gastronomie mit 2,4; der etwas schwammige Begriff "Einkaufserlebnis" schnitt dagegen mit 3,1 ab.

Knapp überm Durchschnitt lag die Beurteilung der Fußwege, während die Verkehrsbelastung der Wohngebiete eine 3,1 und die Parkmöglichkeiten eine 3,2 erhielten. Alle fünf Unterpunkte von "Umwelt und Nachhaltigkeit" lagen unterm Durchschnitt - eine Tatsache, die in einer Stadt mit grüner Ratsmehrheit und "grünem" Bürgermeister nachdenklich machen könnte. So bekamen der Klimaschutz eine 3,0, die Bewahrung von Landschaft und Natur 2,7 und die innerörtlichen Grünflächen eine 3,2.

Insgesamt, so Breitschwerd, sei die Umfrage recht textlastig gewesen, denn 3200 Stellungnahmen und Ideen wurden und werden noch ausgewertet. Interessant waren schließlich noch die Antworten darauf, welche Themen für Schriesheim "zählen": Mit rund 35 Prozent kam hier "Stadtbild verbessern" auf den ersten Platz, dicht gefolgt von den Themen Bildung und Betreuung (31,7 Prozent) sowie "Bezahlbarer Wohnraum" mit 31,2 Prozent.

Allen Teilnehmern winkte auch eine Belohnung. Aber nicht jeder, der den Fragebogen ausgefüllt hatte, wollte sich am Gewinnspiel beteiligen. Aus den Teilnahmescheinen zog "Glücksfee" Bürgermeister Hansjörg Höfer jetzt einen Gewinner: Frederick Winterstein kann sich über einen Reisegutschein oder ein iPad freuen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung