20.07.2016

"Dinner-Boxen" des KSV für die Olympia-Boxer

"Dinner-Boxen" des KSV bot würdigen Rahmen für die Verabschiedung der deutschen Olympia-Boxer - Viel Lob für Werner Kranz

Von Carsten Blaue

Schriesheim. "Die One-Man-Show steht noch unter der Dusche", sagt Moderator Frank Schuhmacher. Das "Dinner-Boxen" am Samstagabend in der festlich hergerichteten Mehrzweckhalle beginnt also ohne Werner Kranz. "Bis zur letzten Minute hat er alles organisiert", lobt ihn KSV-Vorsitzender Sven Witteler in seiner Begrüßung. Das 50-jährige Bestehen der von Kranz gegründeten und seitdem ununterbrochen geführten Boxabteilung des Kraft-Sport-Vereins ist Anlass für diese Gala. Mit leckeren Speisen, Unterhaltung und sechs Faustkämpfen zwischen Athleten aus NRW und dem Ländle bildet sie einen äußerst angemessenen Rahmen für die Verabschiedung der deutschen Olympia-Boxer gen Rio.

"Wir sind extrem stolz auf unsere Boxabteilung", betont Witteler. Ein Abend also auch zu Kranz’ Ehren. Dieser betritt die Halle, als der zweite Gang, eine "Variation vom Fisch aus Meer und Fluss", schon auf den Tischen steht. Die rund 350 Gala-Gäste haben bis dahin schon von den Weinhoheiten einen Begrüßungs-Schriesecco gereicht bekommen, sich zu einer Gedenkminute für die Opfer von Nizza und des Putschversuchs in der Türkei erhoben und Couscous als "Gruß aus der Küche" genossen. Später folgen am Buffet noch Ragout vom Schriesheimer Wildschwein und Roastbeef und schließlich "zweierlei Mousse im Glas". Die Küchenteams von Jürgen Opfermann aus dem "Hirsch" und dem "Wirtshaus", sie haben gemeinsam mit Karl Forschner ganze Arbeit geleistet. Auch an eine Cocktailbar hat Kranz gedacht und selbst an eine Ecke, in der die "Perseria" koffeinhaltige Heißgetränke anbietet. Alles zum Besten also. Kranz ist dennoch nicht wunschlos glücklich.

Gäste aus ganz Deutschland sind da, hochrangige Boxfunktionäre, sogar BSB-Ehrenpräsident Heinz Janalik und der Olympiadritte von Athen, Rustam Rachimow: "Aber die wenigsten aus Schriesheim selbst. Das ist sehr schade", so Kranz. Nicht mal der Vorstand des KSV ist komplett anwesend, dafür ehemalige Vereinschefs wie der Vater des jetzigen Vorsitzenden, Reinhold Witteler, oder Ehrenbürger Peter Riehl. Natürlich ist auch Bundestrainer Zoltan Lunka in der Halle, der 1996 als KSV-Athlet die Bronzemedaille in Atlanta gewann und nun endlich, 20 Jahre später, die Ehrenmitgliedschaft des Vereins samt Verdienstnadel überreicht bekommt, weil sich früher keine Gelegenheit dazu ergeben haben soll. Rachimow hat die Auszeichnung jedenfalls schon, trägt sie bei der Gala allerdings nicht am Revers, was ihm prompt eine Rüge von Kranz einbringt.

Dieser erhält später gemeinsam mit seiner Gattin Margit noch einen besonderen Dank von Sven Witteler, und auch von Bürgermeister Hansjörg Höfer wird der "Box-Papst" gelobt. Schriesheim als "Box-Stadt", die Boxmatineen beim Mathaisemarkt: Ohne Kranz sei all das undenkbar. Er hat Meisterschaften in die Weinstadt geholt und jetzt den, so Höfer, "großen Moment" der Verabschiedung der Olympia-Boxer. Mögen diese mindestens eine Medaille holen oder zumindest das erreichen, was sie sich vorgenommen haben, so Höfer. Der Rathauschef hat die "Party" (so DBV-Sportdirektor Michael Müller) übrigens gerettet.

Bis eine Stunde vor Beginn stand alles auf der Kippe, weil der Bestuhlungsplan am Ende nicht aufging. Sicherheitsbedenken wurden laut. Jan Rauh, bei der Stadt zuständig für die Abnahme der Versammlungsstätten, konnte und wollte die Verantwortung nicht übernehmen. Höfer tat es ohne Bedenken. Bedenklich ist inzwischen der zeitliche Verzug des Abends. Längst haben auf der Tribüne die paar Hand voll Zuschauer Platz genommen, die nur gekommen sind, um die Boxkämpfe zu sehen. Zunächst schauen sie der Gala-Gesellschaft nur beim Essen zu, doch dann öffnet sich der Vorhang doch noch, und der Ring wird mit 50-minütiger Verspätung in die Hallenmitte geschoben.

Zwischen den Seilen stehen schon die farbenfroh und aufwendig kostümierten Ensemblemitglieder der Brasil Samba Show aus Weinheim, um tanzend und lächelnd auf Olympia unterm Zuckerhut einzustimmen. Wenn die Boxer diesen Zauber mitnehmen würden, "dann wird’s was mit einer Medaille in Rio", sagt Schuhmacher und überlässt das Mikro Uwe Hamann. Der Präsident des Boxverbands Baden-Württemberg fungiert als Sprecher am Ring für die folgenden Schlagabtausche.

Zeit, sich umzuhören. Das sei heute die bedeutendste Veranstaltung, die Kranz bislang nach Schriesheim geholt habe, sagt Peter Riehl, während die ausgebildete Managementassistentin Katharina Hamm aus dem Heidelberger Modehaus Niebel einen Teil der aktuellen Sportkollektion ihres Hauses im Ring präsentiert und das Schild für Runde zwei in die Höhe hält.

Von einem Höhepunkt in Kranz’ Karriere spricht Janalik. Es gelte ja immer wieder zu beweisen, dass man mit relativ geringen Mitteln attraktive Veranstaltungen auf die Beine stellen könne. Insofern gebühre Kranz höchste Anerkennung. Sportlich würde sich bei den Kämpfen im Ring zwar nicht die Elite präsentieren. So aber bekomme die "zweite Reihe" die Chance, sich vor kompetentem Publikum darzustellen.

Inzwischen ist Hamms Kollegin an diesem Abend, die Sportstudentin und Niebel-Verkäuferin Carola Ahner, mit der nächsten Nummerntafel in den Ring gestiegen. Applaus auch für sie. Während sich KSV-Nachwuchsathlet Sascha Happel in seinem Fight eine blutige Nase holt, zeigt sich Zoltan Lunka stolz auf seine Ehrung: "Nach 20 Jahren ist das eine große Überraschung für mich." An den Empfang in Schriesheim nach seiner Olympiamedaille erinnere er sich gut. Jetzt hofft er für seine Kämpfer in Rio: "Sie sind qualifiziert und haben große Chancen." Die sieht auch Daniel Strigel, Leiter des Olympiastützpunkts Rhein-Neckar so: "Die Qualifikation für Europäer ist sehr hart. Wer das geschafft hat, ist ernst zu nehmen. Aber Olympia hat seine eigenen Gesetze und das Boxen noch mehr", so der Olympiadritte von Athen in der Mannschaftswertung der Degenfechter. Der Schriesheimer Rahmen für die Verabschiedung sei würdig, sagt Strigel: "Es ist eine Wertschätzung für die Athleten, die jetzt noch eine harte Vorbereitung vor sich haben."

Sportdirektor Müller übernimmt die Vorstellung der Olympia-Athleten sowie der Trainer und Betreuer. Und er vergisst dabei auch nicht, die Partnerinnen und Kinder der Boxer in den Ring zu holen, um ihnen für Geduld und Verständnis zu danken: "Das ist nicht immer einfach." Umso mehr wünscht er den Kämpfern, dass sie mit "Glanz und Gloria" heimkehren mögen: "Und es wäre schön, wenn wir die Nationalhymne für einen der Boxer in Rio noch einmal hören würden", sagt Schuhmacher, nachdem die letzten Takte des Deutschlandlieds verklungen sind. Die Musik spielt danach nur noch auf der Bühne. "Robert Ahl & Band" sorgen für Stimmung zum Ausklang, und Werner Kranz kann sich den Schweiß von der Stirn wischen. Geschafft! Doch geduscht wird jetzt nicht.

Moderator Frank Schuhmacher und KSV-Chef Sven Witteler (oben links, v.l.) begrüßten die etwa 350 Gäste in der Mehrzweckhalle. Vor den Kämpfen gab es im Ring eine kleine Samba-Show. Für Stimmung sorgten auch "Robert Ahl & Band". Die Partnerinnen und Kinder der Olympia-Boxer wurden beim Abschied der Athleten nicht vergessen. Unten rechts: Uwe Hamann, Sven Witteler, Hansjörg Höfer, Werner und Margit Kranz sowie Zoltan Lunka (v. l.). Fotos: Dorn/vaf (1)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung