22.07.2016

Windkraft an der Bergstraße: Schriesheim will gemeinsames Gutachten

Mehrheit im Schriesheimer Gemeinderat will Gutachten für Windkraft-Standorte - Emotionale Diskussion

Schriesheim. (sk) Am Teilflächennutzungsplan "Windenergie" soll weiter gearbeitet werden - das war breiter Konsens im Gemeinderat. Eine Mehrheit sprach sich in der Sitzung am Mittwoch dafür aus, das Regelwerk des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim durch Untersuchungen und Gutachten zu untermauern und erst danach eine Stellungnahme zur Sache abzugeben. Geklärt werden soll, ob und wie die Erschließung von Standorten im Wald möglich wäre, wo und wie weit Windräder sichtbar wären und wie sich ein solches Vorhaben auf die vorhandenen Flora-Fauna-Habitat- und Landschaftsschutzgebiete auswirken würde.

Zuvor ging Martin Müller, Geschäftsführer des Nachbarschaftsverbands, auf das seit 2012 laufende Verfahren der 18 Verbandsmitglieder und die heftige Gegenwehr von Seiten der Bürger ein. Auf Schriesheimer Gemarkung seien Standorte an der "ersten Hangkante" aus der Planung genommen worden, noch drei weitere stünden zur Debatte. Müller kritisierte die Haltung der Bürger und Initiativen, die sich zwar gegen die Anlagen aussprachen, aber keine konstruktiven Gegenvorschläge machten. Nur mit einem rechtmäßigen Plan, der zwingend "Konzentrationszonen" ausweisen müsse, könne man den Bau von Windrädern steuern - andernfalls dürften sie als privilegierte Vorhaben beinahe überall errichtet werden, so Müller. "Wir müssen die Meinung der Bürger ernst nehmen", eröffnete GL-Fraktionssprecher Christian Wolf eine emotionale Diskussion.

Er befürworte Windenergie zwar grundsätzlich, halte aber den Wald "für den schlechtesten aller möglichen Standorte", und zwar aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Naherholung und weil Windräder am besten in "bereits vorbelasteten Teilräumen gebündelt" werden sollten. Weil zuvor Heidelberg ein klares Nein zu möglichen Standorten gesagt habe, gehöre Schriesheim nun zu den letzten Kommunen: "Damit hängt es an uns, ob das Verfahren rechtmäßig ist."

Kritik an Windkraftgegnern

CDU-Fraktionssprecher Michael Mittelstädt wollte klären lassen, ob bei einer Erschließung durch den Wald nicht "ein Riesen-Raubbau an der Natur" entstehe. Sein Eindruck von der Fahrt entlang der A 61 mit ihren vielen Windrädern war der einer "Verschandelung der Landschaft".

Marco Ginal (SPD) kritisierte Vogelschlag und die Verwendung Seltener Erden bei den Anlagen, listete ausführlich die nach seiner Meinung nicht viel attraktiveren Alternativen auf und stellte fest: "Energiegewinnung ist leider ein dreckiges Geschäft." Die SPD stehe gleichwohl hinter der Windkraft, denn ohne sie könne die Energiewende nicht gelingen.

Wolfgang Renkenberger (FDP) hielt den Vorstoß, weitere Gutachten einzuholen, für sinnvoll, doch ging er hart ins Gericht mit den Windkraftgegnern und einer Berichterstattung, die das Thema verkürze auf die Formel, dass die Stadt Windräder bauen wolle: "Das ist jenseits jeglicher Realität und eine wenig konstruktive Stimmungsmache." Vielmehr gehe es bei Voruntersuchungen darum, ob bestimmte Gebiete verkleinert werden oder wegfallen könnten.

Zusammen mit Andrea Diehl und Karl Reidinger (CDU) stimmten die Freien Wähler geschlossen gegen den Verwaltungsantrag. Ihr Stadtrat Wolfgang Metzger kritisierte, dass jetzt erst öffentlich über ein Thema diskutiert werde, das den Bürgern schon lange unter den Nägeln brenne. Bäume auf knapp 180 Hektar Land müssten für die elf möglichen Windräder fallen, viel mehr Arten als nur der Rotmilan seien gefährdet. Seine grundsätzliche Kritik an den Windrädern und dem "Hauruckverfahren", mit dem sie durchgesetzt werden sollten, kommentierte er lapidar: "Noch kann man das sagen." Applaus, wie er spontan aus dem Zuschauerraum kam, wehrte er ab: "Dafür ist das Thema zu ernst." Und, an die Adresse der GL gewandt, bemerkte er: "Wäre ich ein Grüner, dann könnte ich es nicht verantworten, 10 000 Bäume zu fällen." Er sprach sich dafür aus, dem Beispiel Heidelbergs zu folgen und die Konzentrationszonen abzulehnen: "Wir müssen auf die Bürger hören, sie warten auf ein Signal."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung