20.08.2016

Schriesheim: Integrationsbeauftragte Herschel kritistiert mangelnde Zusammenarbeit

"Jede Behörde kocht ihr eigenes Süppchen": Isabel Herschel ist seit März Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt - Ihr fehlt ein besseres Zusammenspiel der Institutionen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Auf ihrer Tasse steht "Nummer eins: immer flexibler Beamter". Die vergangenen fünfeinhalb Monate war genau diese Eigenschaft häufig von Isabel Herschel gefragt: Die Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt Schriesheim ist seit 1. März im Amt und zieht nun eine insgesamt positive Bilanz ihrer Tätigkeit.

Frisch vom "Public Management"-Studium war sie bei der Stadt Schriesheim eingestellt worden. "Da hatte ich auch eine Ausbildung im Sozialrecht, aber man lernt in der Praxis noch einmal sehr viel dazu", sagt sie. Ihre Arbeit sei sehr abwechslungsreich: "Da kommt wirklich alles Mögliche auf einen zu: Menschen, deren Asylantrag nicht vorankommt, oder Paten, die Fragen zu Versicherungen und Praktika haben."

"Es klappt nicht immer alles"

Einmal sei eine Frau weinend in ihrem Büro erschienen, weil sie ihren Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Karlsruhe verpasst hatte: "Sie hatte Angst, dass ihre Familie auseinandergerissen wird." Am Ende konnte durch mehrere Telefongespräche alles geklärt werden, doch das funktioniert längst nicht immer.

"Jede Behörde kocht ihr eigenes Süppchen", sagt Herschel. "Da ist das Zusammenspiel definitiv ausbaufähig." Für anerkannte Flüchtlinge sei zum Beispiel das Jobcenter zuständig, für geduldete dagegen das Ausländeramt des Rhein-Neckar-Kreises. "Das ist einfach viel Herumtelefoniererei. Und dann hängt man manchmal noch eine halbe Stunde beim BAMF in der Warteschleife."

Frustrierend sei das zuweilen, manchmal gingen die Arbeitstage ohne zählbares Ergebnis zu Ende. Sich selbst sieht sie in einer "Scharnierfunktion" zwischen Behörden und Flüchtlingen sowie deren Paten, aber auch innerhalb des Rathauses zwischen verschiedenen Ämtern.

"Es klappt nicht immer alles. Aber es ist schön, wenn man sieht: Es hat ja doch was gebracht", sagt Herschel. Sehr dankbar ist sie für die zahlreichen Schriesheimer, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren: "Ohne sie wäre das nicht machbar." Sie könne sich glücklich schätzen, ein solches Netzwerk zu haben.

Gerade bei der Suche nach Wohnraum sei die Hilfe der Ehrenamtlichen von großem Wert: "Sie haben es geschafft, einige Leute direkt privat zu vermitteln." Insgesamt wohnen inzwischen etwa 30 Flüchtlinge in privaten und städtischen Wohnungen. "Wir wollen die Leute dezentral unterbringen, das wird auch in der Nachbarschaft eher akzeptiert."

Dennoch werde man nicht darum herumkommen, eine neue Unterkunft zu bauen: "Im nächsten Jahr müssen wir 140 bis 150 Personen unterbringen." Eine Standortfindungskommission hat sich bereits drei Mal getroffen, der Gemeinderat sei von Anfang an ins Boot geholt worden. "Dass man keinen idealen Standort findet, ist natürlich trotzdem gut möglich", merkt Herschel an.

Bei ihrem Amtsantritt hatte sie als ein Vorhaben einen Wegweiser für Flüchtlinge genannt. Diesen gebe es bisher noch nicht, gibt sie zu. "Stattdessen gab es übergangsweise eine Art Willkommensmappe. Jetzt bin ich dabei, relevante Inhalte zusammenzusuchen und zu übertragen." Im Herbst soll der neue Wegweiser fertig sein.

Der Austausch mit den Nachbargemeinden ist Herschel wichtig. Ein offizielles Treffen des Kreises kam nicht zustande, informell tausche man sich aber regelmäßig aus: "Man muss ja das Rad nicht immer neu erfinden."

Beim direkten Umgang mit den Flüchtlingen habe sie fast nur positive Erfahrungen gemacht: "Es gibt nur manchmal Missverständnisse. Und dann haben manche Leute eine Erwartungshaltung, die wir einfach nicht erfüllen können."

Zum Beispiel, wenn eine Familie denkt, dass die Stadt ihnen beim Umzug in die neue Wohnung hilft. Auch dann ist die Eigenschaft auf ihrer Tasse besonders gefragt: Flexibilität.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung