24.08.2016

Wer zahlt für die marode Schriesheimer Talstraße?

Schriesheims alte Ortsdurchfahrt, die Landesstraße L 536, soll nach Öffnung des Branichtunnels zur Gemeindestraße werden.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Zwischen der Stadt Schriesheim und dem Land zeichnen sich harte Verhandlungen zur Zukunft der Talstraße ab. Die alte Ortsdurchfahrt der Weinstadt in Richtung Odenwald ist noch eine Landesstraße, soll aber zur Gemeindestraße umgewidmet werden, nachdem nun der Branich᠆tunnel als neue Ortsumgehung zur Verfügung steht. Der Haken daran: Die Talstraße ist in Teilen marode und hat nicht überall einen Gehweg. Das Rathaus möchte die ganzen Altlasten nicht so ohne Weiteres erben und sieht hier auch Stuttgart in der Pflicht. Andererseits will Schriesheim auch etwas vom Land, nämlich die Aufnahme in ein Förderprogramm, um für die künftige städtebauliche Gestaltung an der Talstraße Gelder zu bekommen, von denen auch die Bürger profitieren sollen.

"Das wäre ein wichtiges Signal", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer kürzlich im Gespräch mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Uli Sckerl. Aber so schön die Aussicht auf sanierte Gebäude und den Zuzug junger Familien auch ist: Für die Stadt wird die Talstraße zur Hypothek, zumal das Land, wie Höfer zu bedenken gab, schon lange nichts mehr für echten Erhalt der Talstraße getan habe. Sprich: Stuttgart habe die Mängel einfach ausgesessen, und jetzt ist Schriesheim dran. Es könne also nicht davon die Rede sein, dass die Stadt die alte Ortsdurchfahrt unbedingt zurückhaben will - zumindest nicht so. Die Fahrbahn ist gerade im engsten Abschnitt nur noch provisorisch geflickt, die Schlaglöcher sind gefährlich. Für den Rathauschef ist hier das Land gefordert.

Außerdem gibt es zwei kaputte Brückenbauwerke, deren Erneuerung sich die Stadt nicht ohne Weiteres leisten könne, so Höfer. Zumal auch noch die Kanäle dran sind - nächstes Jahr in einem Bereich, der Schmale Seite heißt. Da ist der Name Programm: "Das wird eine schwierige Baustelle. Da kommt hier ein Dreivierteljahr kein Auto mehr durch", so der Bürgermeister. Im Tunnel darf in dieser Zeit nichts passieren, denn die Talstraße gilt noch immer als Ausweichstrecke. Sckerl hörte sich alles geduldig an.

Er begrüßte nicht nur, dass sich an der Talstraße städtebaulich etwas tun soll. Er erwartete es sogar: "Anderenfalls würde es vor dem Hintergrund, dass das Land für den Branichtunnel 92 Millionen Euro ausgegeben hat, auch kritische Nachfragen geben." Die neue Ortsumgehung war bis dahin die teuerste Maßnahme im Landesstraßenbau: "Ihr hattet also einen opulenten Hauptgang. Jetzt wollt ihr auch den Nachtisch", reagierte der Abgeordnete auf Höfers Wünsche.

Doch dem Spaß folgte eine ganz klare Ansage: "Ohne kommunalen Eigenanteil geht es nicht", so Sckerl. Das Land werde die Sanierung der Talstraße nicht komplett übernehmen können. Bei einem Termin vor Ort hatte sich auch Sckerls Kollege, Georg Wacker (CDU) geäußert. Schäden, die unter der Verwaltung des Landes entstanden seien, müsse das Land auch beheben. Aber: "Das heißt nicht, dass jetzt eine Vollkaskomentalität herrschen darf." Vor der Sommerpause gab es schon mal einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. So musste der Bauausschuss der Stadt die Anschaffung neuer Straßenlaternen beim Ostportal des Tunnels durchwinken. Die alten waren dem Tunnelbau zum Opfer gefallen. Auch sonst macht der Tunnel den Schriesheimern nicht nur Spaß.

Zwar hat der Verkehr in der Talstraße wirklich deutlich abgenommen, und Höfer hat sogar festgestellt, "dass die Lastwagen fast zu hundert Prozent draußen sind." Doch ausgelastet ist der Tunnel noch nicht, und außerdem rasen die verbliebenen Fahrzeuge jetzt geradezu durch die enge Ortsdurchfahrt. Da nützt auch eine (gut sichtbare!) Radarkontrolle nichts. Für Ärger sorgte der Tunnel schließlich auch schon in den Schriesheimer Odenwald-Ortsteilen Ursenbach und Altenbach, fehlen sie doch auf der neuen Beschilderung am Tunnel komplett: "Wir sind nicht irgendein Ziel im Odenwald", schimpfte neulich Altenbachs Ortsvorsteher, Herbert Kraus, "sondern zwei Stadtteile, und die gehören ausgeschildert." Das Regierungspräsidium hielt dagegen, dass Verkehrsteilnehmer durch zu viele Ortsangaben auf den Schildern nur verwirrt würden. Außerdem seien Änderungen auf den Wechselwegweisern zu aufwändig. "Bei einem Projekt für 92 Millionen Euro kann es doch jetzt nicht auf ein paar Schilder ankommen", schüttelte Ortschaftsrat Karl Reidinger (CDU) den Kopf. Auch dieses Thema ist noch nicht ausgestanden. Aber bei allen Problemen und Diskussionen: Die Schriesheimer sind schon froh, dass sie ihren Tunnel haben.

Noch liegt die Talstraße im Verantwortungsbereich des Landes. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Uli Sckerl hat aber bereits signalisiert, dass auch die Stadt bei den nötigen Sanierungen in die Tasche greifen muss. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung