16.09.2016

Schriesheimer Winzer beginnen die Weinlese

Viel Zuversicht bei der Herbstversammlung der Winzergenossenschaft - Viele Sorten sind noch nicht reif

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Schriesheimer Winzergenossenschaft (WG) hat mit dem diesjährigen Start in die Weinlese keine Eile. Am kommenden Mittwoch, 21. September, soll es mit dem Dornfelder und St. Laurent losgehen, wobei der Dornfelder Vorrang hat. St. Laurent wird auch am Tag darauf, also Donnerstag, 22. September, im Kelterhaus angenommen. Wie es danach weitergeht, wollte WG-Geschäftsführer Harald Weiss in der Herbstversammlung der Genossenschaft am Dienstag im Bacchuskeller des Gästehauses "Weinstuben Hauser" noch nicht festlegen. Weitere Infos gebe es erst im Leseplan am nächsten Dienstag.

Der hektikfreie Lesebeginn für den Jahrgang 2016 hat vor allem mit der Reife zu tun. Viele Sorten sind einfach noch nicht so weit, wie die jüngsten Messungen ergaben. Zudem schwanken die Reifegrade aufgrund der Verrieselung in der Blütezeit. Beispielsweise liegen Silvaner oder Spätburgunder im Schnitt rund zehn Grad Öchsle unter den Vergleichswerten des Vorjahres, die zudem ein paar Tage früher ermittelt worden waren. Der Müller-Thurgau bewegt sich momentan zwischen 74 und 82 Grad Öchsle, sollte am Ende aber nicht mehr als 91 Grad haben. Weiß- und Grauburgunder will die WG bei 100 Grad deckeln. Sie weisen aktuell Werte um die 80 auf. Riesling liegt zwischen 60 und 66 Grad Öchsle.

Weiss findet das alles gar nicht schlecht, ist er doch kein Freund zu früher Ernten: "Wenn wir bei 30 Grad Celsius Trauben schneiden, dann habe ich damit ein Problem." Kühler soll es sein, denn das ist besser für das Lesegut. Das bereitet dem Geschäftsführer unterm Strich zurzeit nicht zu große Sorgen. Sicher war das Jahr für die Winzer nicht einfach, wie auch Weinkönigin Katrin Hartmann in ihrem Grußwort bemerkte. Und genauso wenig verhehlte Weiss, dass die Probleme der Vegetationszeit teilweise "mehr oder weniger gut" bewältigt worden seien. Dennoch sehe er großes Potenzial in den Weinbergen: "Es sind noch alle Lose im Topf". Die Chancen für eine gute Lese gibt es also.

Zumal viele Winzer das in Teilen massive Peronospora-Problem bei richtiger und vor allem rechtzeitiger Pflege der Reben gar nicht erst bekamen, wie WG-Aufsichtsratschef Winfried Krämer erläuterte. Deren Anlagen würden "tipptopp" dastehen, ergänzte Weiss. In anderen Anlagen seien dagegen starke Ertragsrückgänge aufgrund des Unechten Mehltaus zu beklagen. Damit war Weiss bei der Erntemenge. Er geht von einem Ertrag aus, der dem des vergangenen Jahres in etwa entspricht - "wenn’s gut läuft". 2015 erntete die WG rund 1,3 Millionen Kilogramm.

Bei den jüngsten Rundgängen durch die Weinberge wurde weniger Befall mit Oidium, also dem Echten Mehltau, festgestellt. Auch Pilzinfektion mit Botrytis sei eher kein Problem, so Weiss, wenngleich er vor Stiehllähme warnte. Sonnenbrand sei ebenfalls immer eine Gefahr. Und in diesem Herbst gilt wie immer: Esca-befallenes Lesegut muss rausgeschnitten werden. Das gilt auch bei der Vorbereitung der Weinberge auf die maschinelle Lese.

Bevor Werner Bauer vom Dachbuckel mit seinem Vollernter durch die Schriesheimer Rebzeilen fährt, darf nur noch kerngesundes Lesegut an den Weinstöcken hängen. Auch dieses Jahr will die WG bei der Ernte mit schwerem Gerät dazulernen. 2008 gab es die ersten Versuche beim Müller-Thurgau. Über die Jahre kamen einige geeignete Anlagen beim Silvaner, Riesling, Weißburgunder, Muskateller und Spätburgunder für Weißherbst hinzu - wobei die Handlese immer Vorrang behielt.

Im vergangenen Herbst holte Bauer im Auftrag der Genossenschaft zudem erstmals Grauburgunder ein. Weiss’ Erfahrung: Wenn die Trauben kalt gelesen auf die Kelter kommen, "dann haben wir gewonnen." Dieses Jahr soll nun die maschinelle Lese des Spätburgunder für Rotwein getestet werden - "vorsichtig", wie Weiss betonte. Außerdem, so der Geschäftsführer, werde man die Entrappungsfunktion des Vollernters dieses Mal nutzen. Das koste zwar ein paar Cent mehr, vermeide aber das Problem, dass der Korb der Abbeermaschine am Kelterhaus verschmiert, was die Anlage letztlich verstopft. Diese sei dafür eben nicht optimal, so Weiss.

Technisch einwandfrei ist die Erfassung der Vollernter-Annahme im Kelterhaus. Die Begleitscheine haben Barcodes, die die WG scannen kann. Grundsätzlich verwies Weiss darauf, dass die Begleitdokumente für Anlieferungen immer vollständig ausgefüllt sein müssen und die Pflicht bestehe, die Flurstücksnummern anzugeben. Außerdem bat er die Winzer um eine flotte Abwicklung an der Traubenannahme, um Staus vor dem Kelterhaus zu vermeiden.

Zum Schluss kam Weiss auf den hart umkämpften Weinmarkt zu sprechen. In den Regalen mache der deutsche Wein nur noch 38 Prozent aus, zudem sei der Export auf ein Minimum geschrumpft. Umso wichtiger die Qualität: Optimale Reife sei die Voraussetzung für lagerfähige, hochwertige Weine. Geduld ist also auch in diesem Herbst gefragt. Man müsse nicht gleich sofort ernten, zumal es für jede Sorte mehrere Lesetermine gebe. Er freue sich auf den Herbst, betonte Weiss. Und auch WG-Vorstandschef Friedrich Ewald gab sich eingangs optimistisch: "Ich hoffe, dass wir die Lese gemeinsam gut bewältigen können. Wir sind vorbereitet."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung