16.09.2016

Die Winzer an der Bergstraße bereiten sich auf die Weinlese vor

In Schriesheim begann Georg Bielig am gestrigen Donnerstag als erster mit der Ernte.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. "Schön war’s", sagt Georg Bielig. Gestern Morgen trübte kein Wölkchen die ersten Sonnenstrahlen des Tages, und zu warm war es auch nicht. Ideale Bedingungen also für die Weinernte. Der Schriesheimer Winzer holte die ersten Partien Müller-Thurgau und Dornfelder des Jahrgangs 2016 ein. Das Ergebnis macht ihn zuversichtlich für nächste Woche: "Dann geht’s in die Vollen". Und das nicht nur bei Bielig.

Die Schriesheimer Winzergenossenschaft wird am kommenden Mittwoch mit Dornfelder und St. Laurent einsteigen, der junge Winzer Max Jäck am Dienstag mit Sauvignon Blanc. Nur Wilhelm Müller, der beim Leimener Weingut Adam Müller ausbauen lässt, will sich noch nicht ganz auf den Tag festlegen: "Mitte bis Ende der Woche, vielleicht Mittwoch." Wie bei Bielig, so wird auch bei ihm der Müller-Thurgau die erste Sorte sein.

Die Winzer hoffen auf eine möglichst stressfreie Lesezeit nach einem nicht ganz einfachen Jahr im Weinberg. Die eher späte Blütezeit war lang, zu kalt und insgesamt zu feucht. Ideale Bedingungen für den Unechten Mehltau. Weinbauern, die ihre Reben rechtzeitig davor geschützt hatten, mussten wenig befürchten. Bei anderen schlug die Infektion durch, was jetzt zu Mengeneinbußen führt. Dagegen ist eher weniger Befall mit Echtem Mehltau oder Pilzerkrankungen zu beobachten, und auch die Kirschessigfliege hat im Ganzen noch nicht so zugeschlagen, wie zunächst erwartet wurde. Allerdings führten die Bedingungen der Blütephase zur Verrieselung, die ebenfalls ertragsmindernd wirkt. Dennoch erwartet der Geschäftsführer der WG, Harald Weiss, in diesem Herbst eine ähnliche Erntemenge wie vergangenes Jahr, als seine Genossenschaft rund 1,3 Millionen Kilogramm Trauben erntete.

Bei Bielig waren es gestern zunächst mal 1500 Kilogramm Dornfelder mit einem Mostgewicht von 80 Grad Oechsle. Vom Müller-Thurgau erntete eine Traubenmenge, die nach dem Abpressen rund 1000 Liter Most ergab - mit 79 Grad Oechsle: "Das war schon höchste Eisenbahn. Denn bei diesem Wetter gehen die Säurewerte in den Keller." Doch Bielig war rechtzeitig dran. Andere Sorten haben noch Zeit. Im Ganzen liegen die aktuellen Mostgewichte unter den Vergleichswerten des Vorjahres und haben zudem je nach Lagen ganz unterschiedliche Reifegrade. Also werden die Winzer auch dieses Jahr die Nerven bewahren und Geduld beweisen müssen. Aber das kennen sie ja nicht anders. So ist auch Weiss für diesen Herbst zuversichtlich: "Das Potenzial ist auf jeden Fall da. Wir haben alle Chancen für eine gute Lese."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung