21.09.2016

Leerstand in Schriesheim: Baus macht einen letzten Versuch

Leerstand in Schriesheim: Baus macht einen letzten VersuchBisher hatte der Eigentümer der ehemaligen Tagespflege wenig Erfolg bei der Vermietung.

Axel Steiner, Gudrun Lauber und Josef Baus (v. l.) vor dem ehemaligen "Seniorengarten" im Schelmengrubweg 29. Foto: Dorn

Schriesheim. (sk) Die Lamellenvorhänge vor den bodentiefen Fenstern sind zugezogen; hier und da ist noch ein Möbelstück aus den Zeiten der früheren Nutzung übrig geblieben. Auch einen Fotorahmen von 2006 ließ man hängen: Er zeigt Bilder von alten und jungen Menschen, die hier ein- und ausgingen, als im Schelmengrubweg 29 noch die Tagespflege untergebracht war. Vor vier Jahren schloss sie ihre Pforten, seitdem stehen die Räume leer.

Bis zu dieser Zeit arbeitete die Sozialstation als Betreiber mit kommunalen Zuschüssen. Wegen einer europaweiten Richtlinie durfte die Stadt aus Gründen der Gleichbehandlung keine Zuschüsse mehr zahlen. Nun war der Betrieb nicht mehr rentabel und wurde aufgegeben.

Die Räume sollten an einen Investor veräußert werden, erinnert sich Josef Baus: "Das wollte ich nicht, ich wollte eine seniorengerechte Nutzung sicherstellen", sagt der Schriesheimer, der das Objekt seinerzeit kaufte. Doch aus seinem Plan wurde nichts, auch wenn er das Objekt einigen Interessenten vorstellte. Zunächst waren das andere Senioren-Einrichtungen, später potenzielle Mieter aus anderen Branchen: Tierärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Fitnessstudio-Betreiber, Immobilienmakler und der Tanzclub Blau-Silber Ladenburg, der bereits die Räume im Kellergeschoss des Hauses gemietet hat, machten einen Rundgang durch die 228 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche in seniorengerechter Bauweise. Zu einem Vertragsabschluss kam es nicht. Er mache niemandem einen Vorwurf, sagt Baus. Der Kauf damals sei "eine Fehlentscheidung von mir persönlich" gewesen.

Zu den laufenden Kosten kommt jedenfalls ein Erbpacht-Zins an die Stadt, der doppelt so hoch ausfällt, wenn die Wohnung nicht "seniorengerecht" genutzt wird. Für eine Vermietung muss Baus zudem das Einverständnis von Stadt und Eigentümergemeinschaft einholen. Genau 19 Parteien gibt es, wohnen darf hier nur, wer über 60 Jahre alt ist oder einen bestimmten Grad der Schwerbehinderung hat.

Einspruch gegen Senioren-Café

Am Einspruch von Eigentümern und Mietern scheiterte auch die Idee eines Senioren-Cafés: "Da wurde eine Mittagspause gefordert, in der das Café schließen sollte", sagt Baus und seufzt. Zuletzt scheiterte die Idee, hier eine Kindergarten- oder Hortgruppe unterzubringen.

Bei einer Begehung mit Behördenvertretern im Januar sei festgestellt worden, dass ein Umbau der Räume teurer werde als ein Neubau, bemerkt der Eigentümer. Mittlerweile hat er resigniert: 200.000 Euro habe ihn die Wohnung bislang gekostet, herausgekommen sei nichts. Nun will er einen letzten Versuch machen, das Objekt doch noch zu vermieten. Falls auch dieser scheitert, soll sich der Weinheimer Makler Axel Steiner um den Verkauf kümmern.

Und ob ein neuer Eigentümer das Ganze in Privatwohnungen umwandle, liege dann nicht mehr bei ihm, erklärt Baus: "Es soll aber hinterher keiner sagen, er hätte nichts davon gewusst." Doch scheinbar hofft man auch in der Verwaltung, dass hier irgendwann wieder alte Menschen den Tag verbringen - das Hinweisschild "Seniorengarten" aus den Anfangsjahren des Hauses steht jedenfalls noch immer im Wohngebiet "Fensenbäumen".

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung