25.09.2016

Ist der Fluglärm in Schriesheim noch zu ertragen?

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Zuerst sieht man ihn, bevor man ihn hört. Der Jet taucht über den Bäumen des Ölbergs auf, und man hat den Eindruck, als fliege er schon recht nah an den Wipfeln. Auf jeden Fall kann man sogar Details des Flugzeugs erkennen, das einen sofort an Geschäftsreisen denken lässt: schlank, nicht besonders groß, zwei Triebwerke. Man folgt der Maschine mit Blicken, und jetzt hört man sie auch. Gerade ist sie über der Bismarckstraße. Und nach dem Kurs zu urteilen, steuert sie den City-Airport in Mannheim an. "Der Fluglärm hat erheblich zugenommen", klagt Johannes Lang aus der Bahnhofstraße. Er fragt sich, ob man die Tiefflieger zum Beispiel den Senioren zumuten könne, die in den Häusern am Schillerplatz wohnen. Außerdem würde Lang schon gerne mal wissen, wie es da mit dem Lärmschutz steht. Auch würde ihn interessieren, wie viele Maschinen im Landeanflug auf Mannheim täglich über Schriesheim hinwegrauschen. Die RNZ hat die Deutsche Flugsicherung DFS in Langen um Auskunft gebeten und beim City-Airport nachgefragt.

"Die Anzahl der Flüge über Schriesheim ist in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben", schreibt Dirk Eggert von der Mannheimer Rhein-Neckar-Flugplatz GmbH: "In den Monaten Januar bis Juli ergibt sich eine Zunahme der Flüge von 2,8 Prozent, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum." Im Schnitt seien es sechs bis zwölf Überflüge pro Tag, also etwa nur sieben Prozent aller Flugbewegungen am City-Airport Mannheim. Die Maschinen, deren Route über die Weinstadt führt, würden zudem nicht zum Linienbetrieb der Rhein-Neckar Air zwischen Mannheim und Berlin, Hamburg oder Sylt gehören, sondern seien "Geschäftsreiseflugzeuge großer Unternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar", so Eggert. Diese würden Mannheim nach Instrumentenflugregeln ansteuern: "Bei dieser Art des Anfluges", erläutert Eggert, "werden die Flugzeuge über ein vom Boden aus gesendetes Funksignal direkt zur Landebahn geführt." Das ermöglicht stabilisierte und sichere Anflüge auch bei schlechtem Wetter.

Was die Lärmbelastung der Schriesheimer angeht, die in der Mannheimer Einflugschneise wohnen, kann Eggert allerdings nur wenig sagen: "Messungen über Flugzeuggeräusche über Schriesheim sind nach unserem Kenntnisstand bisher nicht durchgeführt worden." Auch die DFS verfügt hier über keine Zahlen.

Ute Otterbein aus der DFS-Pressestelle hält sich daher mit einer Bewertung zurück, verweist aber ebenfalls auf die geringe Zahl der Überflüge in Richtung Flughafen Neuostheim. Als Beispiel wählte sie einen "repräsentativen Tag" Anfang April. Zwischen 6 und 19 Uhr flogen genau acht Maschinen über Schriesheim, um auf dem City-Airport zu landen. Sie kamen aus Berlin-Tegel, Düsseldorf, Hamburg-Fuhlsbüttel, Donaueschingen, Luxemburg, Palma de Mallorca und Bologna und hatten bei Schriesheim eine Flughöhe zwischen 1219 und 1828 Metern. Nur der Flieger aus Palma flog mit 822 Metern wesentlich niedriger. Inwiefern die geringe Anzahl der Flugbewegungen zum Thema Fluglärm passe, könne sie nicht beurteilen, so Otterbein: "Aber wir stellen immer wieder fest, dass eine Fluglärmbelastung nicht unbedingt mit Zahlen, sondern eher mit der Wahrnehmung zu tun hat."

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck hat sich dem Flugverkehr an der Bergstraße angenommen und eine Anfrage an das Stuttgarter Verkehrsministerium gestellt.

In seiner Antwort weist Minister Winfried Hermann (Grüne) darauf hin, dass Mannheim vor allem von Westen angeflogen wird. Der Einflugpunkt liege auf Höhe Hirschhorns. Von hier aus gehe es geradeaus in Richtung City-Airport. Doch zum Fluglärm kann auch Hermann nichts sagen. Nur dass sich im Flugverkehr nichts geändert habe, was einen Anstieg des Fluglärms an der Bergstraße begründen könnte. Auch der Minister hatte sich bei der DFS informiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung