30.09.2016

Die 112 war nicht erreichbar: Notrufe gingen ins Leere

Massive Netzstörung im Vorwahlbereich 06203: Rettungsleitstelle in Ladenburg konnte über Notrufnummern nicht kontaktiert werden.

Von Stefan Hagen und Carsten Blaue

Ladenburg/Rhein-Neckar. "Das alles wegbricht, das hatten wir hier noch nie." Kreisbrandmeister Peter Michels kann es nicht fassen. Seit Stunden sind die Notrufnummern 112 und 19.222, die in der Integrierten Rettungsleitstelle in Ladenburg aufschlagen, aus dem Rhein-Neckar-Kreis nicht erreichbar - weder aus dem Festnetz heraus, noch per Handy. Wird die 112 gewählt, hört der Anrufer nur das Besetztzeichen. Ein untragbarer Zustand für eine Rettungsleitstelle - hier geht es um Minuten, im schlimmsten Fall sind Leben in Gefahr.

Gegen 1.50 Uhr am frühen Dienstagmorgen wurde bemerkt, dass etwas nicht stimmt, erläutert Peter Müller, Leiter der Rettungsleitstelle. Viele Stunden später, gegen 14.30 Uhr, hatte der Netzbetreiber den Fehler noch immer nicht behoben. "Dass so etwas in dieser Form und in dieser Länge passiert", habe er nicht für möglich gehalten, schüttelt Müller den Kopf.

Probleme gab es mit einem sogenannten Vorwahlknoten - betroffen war die Vorwahl 06203, mit der die Kommunen Schriesheim, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim und eben auch Ladenburg normalerweise erreichbar sind. Und da die Rettungsleitstelle in der Römerstadt angesiedelt ist, waren auch die Notrufe von der Störung betroffen.

Man sei auf solche Fälle aber vorbereitet, sagte Kreissprecherin Silke Hartmann auf RNZ-Anfrage. Damit die Menschen in Notfällen Hilfe holen können, habe das Amt für Feuerwehr und Katastrophenschutz unverzüglich die Ersatzrufnummer 06221/985 00 geschaltet, die über eine Richtfunkstrecke vom Landratsamt in Heidelberg mit der Integrierten Leitstelle in Ladenburg verbunden ist. Außerdem seien die Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis informiert worden, so dass einzelne Feuerwehrhäuser besetzt gewesen seien, um auf Lageänderungen oder Hilfeersuchen kurzfristig reagieren zu können. Gleichzeitig habe das Landratsamt die Bevölkerung per Internet und Twitter sowie den Rundfunk und die Onlinemedien über die aktuelle Situation informiert.

Schriesheims Feuerwehrkommandant Oliver Scherer hatte die Störung gegen 7.30 Uhr bei der Arbeit bemerkt. Und da auch die Verbindung zur Leitstelle gekappt war, griff der Notplan der Floriansjünger in der Weinstadt. Dieser sieht für den Totalausfall der Telefonverbindungen vor, dass die Büros in den Feuerwehrgebäuden dauerhaft von Kameraden besetzt werden. Die Bürger in Schriesheim, Altenbach und Ursenbach hätten sich also auf den Weg zu den Gerätehäusern machen müssen, um einen Ernstfall zu melden: "Aber zum Glück ist nichts passiert", sagte Scherer.

Gegen 15 Uhr war der Spuk dann endlich vorbei, Polizei und Landratsamt konnten Entwarnung geben. Der Netzanbieter habe die Störung behoben, deren Ursache offenbar ein Hardwarefehler gewesen sei, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt.

Vor Freigabe des Netzes seien durch den Netzbetreiber umfangreiche Tests durchgeführt worden. Auch die Leitstelle in Ladenburg habe zur Sicherheit die Notrufleitungen noch einmal getestet. Anschließend sei der Notruf wieder von überall gewährleistet gewesen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung