10.10.2016

Jäger im Rhein-Neckar-Kreis bisher mit Kosten für Reflektoren gegen Wildunfälle alleine

Warnreflektoren könnten die Zahl von Wildunfällen erheblich reduzieren - Jäger müssen für deren Anschaffung aber bislang selbst aufkommen

Von Frederick Mersi

Rhein-Neckar. Eine Bewegung, ein Schlag und pro Jahr etwa 550 Millionen Euro Kosten für deutsche Versicherungen: Auf den Straßen im Land wurden im Jahr 2014 vom Gesamtverband deutscher Versicherer (GDV) im Schnitt rund 650 Wildunfälle am Tag gezählt. Warnreflektoren sollen diese Zahl deutlich reduzieren - bisher bleiben aber meist die Jäger auf den Kosten dafür sitzen.

Jagdpächter Michael Schwöbel hat für 160 Reflektoren an der L 596 nahe den Schriesheimer Ortsteilen Ursenbach und Altenbach etwa 800 Euro gezahlt. Seit knapp zwei Monaten sind die blauen Wildwarner montiert, seitdem hat es dort keine Wildunfälle mehr gegeben. "Es ist noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Aber ich bin von einem positiven Effekt überzeugt", so Schwöbel.

Auch Jürgen Ebert, bei den Jägern verantwortlich für den Hegering sechs nahe Sinsheim, ist von den Reflektoren überzeugt: "Diese Warnsysteme erzielen seit sieben, acht Jahren hervorragende Ergebnisse." In den vergangenen sechs Monaten seien die Wildunfälle bei Sinsheim um die Hälfte zurückgegangen: "Bisher lässt sich das sehr gut an." Zahlen mussten aber auch hier die Jäger.

Das Anbringen der Reflektoren gehöre nicht zur Verkehrssicherungspflicht des Straßenbaulastträgers, heißt es vonseiten des Rhein-Neckar-Kreises. Immerhin: "Die Reflektoren werden von den Mitarbeitern des Straßenbauamts kostenlos angebracht", sagt Silke Hartmann, Sprecherin des Landratsamts. Ein entsprechender Rahmenvertrag sei mit den Jägern ausgehandelt worden.

Die Kosten für die Reflektoren selbst übernimmt die Behörde aber nicht, obwohl auch Hartmann die kleinen Geräte lobt: "Es ist tatsächlich richtig, dass durch das Anbringen von Wildwarnreflektoren Wildunfälle spürbar reduziert werden." Man sei dafür nicht zuständig, da es keine entsprechende gesetzliche Grundlage gebe. Dies bestätigte das Regierungspräsidium Karlsruhe: Reflektoren seien eine "freiwillige Leistung" und weder aktuell noch zukünftig für Landstraßen angedacht, erklärt ein Sprecher.

Hegeringleiter Jürgen Ebert kann das nicht nachvollziehen: "Das sollte normalerweise die öffentliche Hand zahlen." Sein Kollege in Schriesheim, Michael Schwöbel, sieht das ähnlich: "Das wäre natürlich die Idealvorstellung. Es geht ja schließlich auch um die Sicherheit der Autofahrer." Im Neckar-Odenwald-Kreis teilen sich Behörde und Jäger die Kosten für die Reflektoren, erstere bringt diese auch kostenlos an. "Ich denke, das ist eine faire Lösung", sagt Michael Schork, Kämmerer des Kreises. Wenn Reflektoren kaputt gehen, erneuert sie der Kreis auf eigene Kosten. Seit drei bis vier Jahren würden an Risikostellen Reflektoren angebracht. Die Resonanz sei bisher je nach Straßenabschnitt "unterschiedlich".

Darin sieht Sven Herzog, der eine Professur für Wildökologie an der TU Dresden innehat, auch den Grund für das Zögern von Behörden und Versicherern: "Es hat sich gezeigt, dass die Reflektoren durchaus längerfristig wirksam sind. Wir wissen aber noch nicht, wie der Mechanismus funktioniert." Es könne sein, dass das Wild durch die Lichtreflexionen abgeschreckt werde oder dass die Autofahrer bei den blauen Reflektoren einfach langsamer führen. "Es war halt keiner von uns mal Wildschwein in seinem Leben. Daher können wir das bis jetzt nicht sagen", so Herzog.

Jäger wie Michael Schwöbel und Jürgen Ebert hoffen trotzdem, dass sie für die Reflektoren in Zukunft nicht mehr selbst zahlen müssen. Herzog ist da optimistisch: "Wildbrücken wurden ja am Anfang auch für völlig absurd erklärt. Jetzt sind sie bei neuen Straßen absoluter Standard." Auch an Kfz-Versicherer sei man schon herangetreten, sagt Ebert: "Aber wenn sie mit Versicherungen reden, brauchen sie Zahlen."

Trotzdem könne man auf Nummer sicher gehen, meint Sven Herzog, der eine Studie zur Wirksamkeit der Reflektoren geleitet hat: "Sie wirken und kosten nicht die Welt." Gerade bei neuen Straßenbauprojekten seien sie als ökologische Ausgleichsmaßnahme geeignet.

Anderer Meinung ist da der GDV: Es gebe bisher keine Maßnahme zum Schutz vor Wildunfällen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen sei. "Allerdings sind die sogenannten blauen Reflektoren noch nicht Gegenstand unserer Untersuchungen gewesen", so GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. Das wird nachgeholt, Ergebnisse werden Ende nächsten Jahres erwartet.

Ebert und Schwöbel hoffen erst einmal, dass ihre Pilotprojekte wirken. Sie haben auch ein Interesse an weniger Wildunfällen, denn bei einem Zusammenstoß werden sie sofort zur Unfallstelle gerufen. "In Zukunft müssen wir hoffentlich nachts nicht mehr so häufig raus, um das verunfallte Wild zu suchen und zu registrieren", sagt Ebert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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