13.10.2016

Gibt es bald Kaffeeplantagen in Schriesheim?

Gibt es bald Kaffeeplantagen in Schriesheim?Bauausschuss billigte Kaffeerösterei und Hofcafé auf dem Aussiedlerhof Jäck - Höfer: Landratsamt hat Ablehnung signalisiert

Das Angebot im Jäck’schen Hofladen soll durch Kaffeeprodukte und ein Café ergänzt werden. Foto: Dorn

Schriesheim. (sk) Geht es nach der Verwaltung, so darf es im Aussiedlerhof Jäck keine Kaffeerösterei geben. Die Familie hatte eine Nutzungsänderung beantragt: In der jetzigen Scheuerküche soll auf 30 Quadratmetern eine Röst-Anlage eingerichtet werden, deren Produkte verkauft sowie in einer Sitzecke des Hofladens ausgeschenkt werden sollen. Dieser Sitzplatz wurde ebenfalls beantragt. In der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) sorgte das Ansinnen für eine engagierte Debatte.

Denn zuvor erklärte Stadtbaumeister Markus Foltin, warum die Rechtslage diesem Ansinnen entgegensteht: "Der Aussiedlerhof befindet sich im Außenbereich. Nach Paragraf 35 Baugesetz sind dort nur privilegierte Vorhaben zulässig." Wie die Landwirtschaft. Ein Hofladen, erläuterte Bauamts-Mitarbeiterin Beate Kreis, sei in diesem Fall zulässig als ein "mitgezogener Betriebsteil". Doch eine Kaffeerösterei wäre dann der "mitgezogene Betrieb des mitgezogenen Betriebs". Weil die Bohnen nicht dort angebaut und außerdem übers Internet und im Laden verkauft würden, könne die Verwaltung nicht zustimmen. Auch das Landratsamt, informierte Bürgermeister Hansjörg Höfer sozusagen brühwarm, habe aufgrund der Rechtslage schon Ablehnung signalisiert.

"Wenn das so weitergeht mit dem Klimawandel", entgegnete Grünen-Stadtrat Georg Grüber trocken, "dann gibt es sicherlich bald Kaffeeplantagen auf dem Aussiedlerhof." Seine Fraktionskollegin, Fadime Tuncer, verwies auf andere landwirtschaftliche Betriebe an der Bergstraße, wo ebenfalls nicht nur das verkauft werde, was dort wachse. Verschiedene Anspielungen im Gremium auf den Hirschberger "Bitzel-Hof" konterte Jutta Becker (FW) mit dem Hinweis darauf, dass die Bewirtschaftung dort im Rahmen eines Gewerbebetriebs laufe. Sie fand das Gesamtkonzept von Hofladen, Rösterei und Landwirtschaft schlüssig, zudem spiele sich alles in kleinem Rahmen ab und sei von außen gar nicht sichtbar.

"Er macht in Schriesheim keinem Konkurrenz und erweitert sein eigenes Angebot", argumentierte Michael Mittelstädt (CDU), und Frank Spingel (CDU) sekundierte: "Ich finde das auch schlüssig." Wenn in Hofläden nur noch vor Ort angebaute Produkte verkauft werden dürften, müsse man wohl andernorts die Kiwimarmelade aus dem Sortiment nehmen. "Wir können dem Landratsamt folgen", wurde Sebastian Cuny (SPD) nachdenklich, "aber als Menschen, die im Leben stehen, können wir den Antrag des Bauherrn auch nachvollziehen." Auch er stehe im Leben, polterte Foltin: "Aber ich sehe keine Genehmigungsfähigkeit. Sie können natürlich", wandte er sich an das Gremium, "ein politisches Votum abgeben." Weshalb Höfer den Antrag in zwei Teile zerlegte: Für die Einrichtung der Sitzecke im Hofladen stimmte er mit dem übrigen Gremium. Was die Rösterei anging, so enthielt er sich. Der Rest des ATU votierte dafür.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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