13.10.2016

Schriesheimer Vielseitigkeitsreiterin Emma Brüssau ist jetzt auch Team-Europameisterin

Auf ihrer neunjährigen Trakehner Stute "Donnerstag" holte sie im italienischen Montelibretti mit der deutschen Mannschaft den Titel.

Emma Brüssau und ihr "Donnerstag" überwinden auch höchste Hürden. Foto: Ben Clark

Von Roland Kern

Schriesheim/Montelibretti. Sie reitet über Hindernisse, für die ausgewachsene Männer eine Leiter bräuchten, um sie zu überwinden - so wuchtig sind sie. Und sie lässt ihr Pferd in einen Teich springen, dass es meterweit platscht und spritzt. Denn Emma Brüssau klopft gerne auf den Busch, wenn sie im Sattel sitzt. Die 17-jährige Schriesheimerin gehört mittlerweile zu den besten Vielseitigkeitsreitern Europas in ihrer Altersklasse der Junioren (U 19). Und "Buschreiter" werden die Vielseitigkeitsreiter gerne und durchaus ehrfürchtig von den Sportsfreunden im Parcours und Viereck genannt, weil der Geländeteil, der "Busch", meistens die Entscheidung bringt.

Und der "Busch" ist nichts für Zauderer oder schwache Nerven. Die Vielseitigkeit ist die "Krone der Reiterei". Seit Jahren ist Deutschland international führend, der aus dem Schwarzwald stammende Multi-Champion Michael Jung ist in Reiterkreisen eine Art Popstar.

Emma Brüssau wurde jetzt auf ihrer neunjährigen Trakehner Stute namens Donnerstag im italienischen Montelibretti mit der deutschen Mannschaft Europameisterin der Vielseitigkeitsreiter. In der Einzelwertung schrammte das elegante Paar knapp an einem Medaillenrang vorbei. Aber auch ein vierter Rang bedeutet neben der Team-Goldmedaille den bislang größten Erfolg der jungen Karriere Emma Brüssaus.

Und Erfolge gab es schon einige. Denn im ersten Jahr der Altersklasse Junioren (U 19) auf dem Großpferd knüpft die Gymnasiastin nahtlos an die zahlreichen Erfolge im Sattel ihres Ponys Rocky an. Auf dem Rücken dieses kleinen Professors auf vier Beinen siegte sie in den vergangenen beiden Jahren beim wichtigen "Preis der Besten" in der Reiterzentrale Warendorf und nahm schon einmal sogar an Europameisterschaften teil.

Die Stute Donnerstag liegt der fein einwirkenden Reiterin und bringt ideale Voraussetzungen mit: Blutgeprägt, kämpferisch, mutig, mit Ausdauer und Zähigkeit, mit leichter Hand zu lenken, ein ideales Damenpferd. Im Sattel von Donnerstag ist für die Schriesheimerin immer ein Feiertag - schon im Juli bei den deutschen Meisterschaften der Junioren in der Vielseitigkeits-Hochburg Luhmühlen wurden sie Zweite - und holten die Silbermedaille. Ein Jahr lang ritt die zierliche Nordbadenerin noch in beiden Wettbewerben parallel, Pony und Großpferd. So ist der Umstieg bei diesem Ausnahmetalent so perfekt geplant wie die ganze Karriere des Mädchens, hinter der Mutter Simone Brüssau steckt, die früher selbst im "Busch" geritten ist.

Das Reiterleben der Familie Brüssau ist so genau getaktet wie ein Geländeritt, sonst ginge es nicht. Im nächsten Jahr macht Emma Brüssau in Schriesheim ihr Abitur. Die Brüssau-Pferde stehen in Schriesheim auf dem Reiterhof Urban. Trotz ihres intensiven Trainings ist Emma Brüssau auch noch eine gute Schülerin. Wenn die Schule einmal gar keine Zeit lässt, ist Mutter Simone für das Training der Pferde zuständig.

Emma Brüssau ist Hektik gewöhnt. Die junge Vielseitigkeitsreiterin trainiert abwechselnd bei Olympiareiter Andreas Ostholt in Warendorf und bei Stefanie Krause nördlich von Frankfurt. Auch das liegt nicht vor der Haustür. Mutter, Tochter und Donnerstag sind mit Auto und Pferdehänger viel unterwegs. Andreas Ostholt ist ihr großes Vorbild. Aus seinem Stall stammt auch die neunjährige Stute, die sie jetzt erstmals zum EM-Mannschaftsgold getragen hat.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung