15.10.2016

Krebsgefahr auf Kunstrasen? Vereine winken ab

Im Ausland waren Spiele wegen möglicherweise krebserregendem Granulat abgesagt worden - Vereine sehen Kunstrasenplätze scheinbar nicht als Gesundheitsgefahr - Hersteller verweisen meist auf Gütesiegel

Bergstraße/Neckar. (stu/ans/fjm/web) Lauert auf Kunstrasenplätzen Krebsgefahr? Das will ein Journalist aus den Niederlanden herausgefunden haben. Hintergrund ist, dass die meisten Plätze mit schwarzem Gummigranulat belegt sind, das aus alten Autoreifen hergestellt wird. Dieses enthält möglicherweise polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), krebserregende Weichmacher. Deshalb wurden in den Niederlanden bereits Amateur-Fußballspiele abgesagt.

Auch an Bergstraße und Neckar gibt es zahlreiche Kunstrasenplätze. Die RNZ hat bei Vereinen und Kommunen nachgefragt, ob sie fürchten, dass die Plätze gesundheitsschädlich sind.

Der Ladenburger Kunstrasen im Römerstadion wurde 2009 verlegt. Das verwendete Granulat stammt aus Altreifen. Laut Verwaltung habe man aber darauf geachtet, hochwertiges Granulat von der Firma Polytan mit Sitz im bayrischen Burgheim zu verwenden. Der Marketingleiter des Unternehmens teilte auf RNZ-Anfrage mit, dass von dem Einfüllgranulat keine erhöhte Gesundheitsgefährdung ausgehe. Das Granulat sei nach der "RAL Gütegemeinschaft Kunststoffbeläge in Sportfreianlagen" zertifiziert. Diese bescheinige dem Produkt unter anderem die Umweltverträglichkeit.

In Schriesheim macht man sich auch auf Vereinsseite keine Sorgen um das dort verwendete Granulat: "Ich mache mir da keinen Kopf", sagt Peter Appel, Vorsitzender des SV Schriesheim. Hersteller GreenFields bezeichnete eine mögliche Gefahr durch das Granulat in einer schriftlichen Stellungnahme als "populistische Spekulation". GreenFields verwendet zwar Recycling-Granulat von der Firma Genan, verweist aber ebenfalls auf Zertifikate der "RAL Gütegemeinschaft" und Normen, die in Deutschland eine höhere Qualität als im Ausland sicherstellen sollen.

Auch in Hirschberg ist man bislang nicht beunruhigt. Der FV Leutershausen spielt auf einem Rasenplatz. Daher hat wohl auch Vorsitzender Edgar Brand noch keine Anrufe von besorgten Eltern bekommen. Allerdings gibt es auch in Hirschberg zwei Kunstrasenplätze. Die beiden Kleinspielfelder im Sportzentrum, die die Gemeinde der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, sind mit diesem Belag versehen. Anfang vergangenen Jahres wurden die neu gestalteten Felder eingeweiht. Für den Belag war die Firma Polytan zuständig. Die verwendeten Einstreugranulate aus dem Hause Melos seien "aus hochwertigem EPDM-Kautschuk, Farbpigmenten ohne aromatische Verbindungen oder Ruß als Füllstoff" gefertigt, teilte das Unternehmen mit.

Hinsichtlich der aktuellen Diskussion um PAK seien Melos-EPDM-Granulate nicht betroffen. Zudem wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen; der Gemeinde wurde seitens der Firma ein entsprechendes Zertifikat vorgelegt. "Es gibt also keinen Grund zur Sorge", beruhigte Baumamtsleiter Rolf Pflästerer.

Die Verantwortlichen der TSG Lützelsachsen reagierten überrascht, als die RNZ sie auf das Thema ansprach. Dabei war die TSG 2005 der erste Verein an der Badischen Bergstraße, der einen Kunstrasen verlegen ließ. Im vergangenen Jahr war die TSG erneut an der Reihe und stellte zum Preis von 260.000 Euro einen zweiten Kunstrasenplatz fertig: Der Verein konnte die Kosten mit Zuschüssen der Stadt Weinheim, des Badischen Sportbunds und 70.000 Euro Eigenanteil stemmen. Der ältere Platz stammt von der Firma Polytan, der neue vom Heppenheimer Unternehmen P&T.

"Die Plätze sind alle zertifiziert", sagt TSG-Chef Rainer Müller, sonst dürften die Vereine sie gar nicht erst aufbauen. Der Fußballabteilung lägen bisher keine Beschwerden vor: "Ich habe nach Ihrem Anruf eigens nachgefragt", so Müller.

Und die nächsten Plätze sind schon in Planung: So hat der Weinheimer Gemeinderat am Mittwoch Zuschüsse in Höhe von 36.200 Euro genehmigt, für den Bau eines Kunstrasen-Kleinspielfelds für die SG Hohensachsen. Auf die Frage aus dem Rat, ob die Plätze nicht gefährlich seien, hielt sich die Stadt bedeckt: Man werde der Sache nachgehen, hieß es.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung