04.11.2016

Kölner Firma wollte 1936 Schwefel- und Arsenerze in Schriesheim abbauen

Kölner Firma wollte 1936 Schwefel- und Arsenerze in Schriesheim abbauenWie Alba fast den Branich unterhöhlt hätte: Gebiet von 200 Hektar wäre betroffen gewesen.

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Von einem Bergwerk namens Alba dürfte in Schriesheim wohl kaum jemand etwas wissen. Dabei hätte es, wäre das Vorhaben realisiert worden, das Gesicht der Weinstadt und ihre wirtschaftliche Situation vermutlich unwiederbringlich verändert. Seit vielen Jahren lagert das "Sondergrundbuch" mit dem Fall des Bergwerks im Grundbuchamt.

Erst im Zuge der Umschreibung, mit der die Digitalisierung der alten Bestände einhergeht, wurde Amtsleiter Wilhelm Körbel auf den Fall aufmerksam. Der Grund dafür war, wie Körbels Mitarbeiterin Annette Scheib erklärt, ein technisches Problem: "Das Programm hat die Akte nicht angenommen."

Sie ist dünn und wirkt auf den ersten Blick unspektakulär: 1936 wurde der Kölner Firma von August Herdieckerhoff die Berechtigung erteilt, "Schwefel und Arsenerze" in einem geplanten Bergwerk Alba abzubauen. Für Schriesheim, das bereits eine lange Bergbautradition hatte, dürfte das zunächst nichts Besonderes gewesen sein.

Doch der Blick in den beigefügten Lageplan macht stutzig: Auf Höhe des Blütenwegs ist ein rot markierter "Fundpunkt" angegeben - vermutlich die Stelle, an der man auf das begehrte Material stieß. Dazu gibt es den Hinweis, auf welcher Fläche der Abbau gestattet wurde. Sie ist auf dem Plan mit einer zarten, hellblauen Linie umgeben, die schnurgerade mit dem Lineal durchgezogen ist: innerhalb des markierten Bereichs befindet sich praktisch der gesamte Distrikt "Sommerseite".

Dazu gehören die Gebiete Lerchenberg, Fensengrund, außerdem, und das steht beides neben einander, "Bräunig" und "Pranich" (heute Branich), Bannwald, Zins und Hohe Waid. Letztere grenzt an Leutershäuser Gemarkung, andere Flächen reichen weit hinein in den vorderen Odenwald.

Insgesamt geht es um 200 Hektar Land. Eine riesige Fläche mit Wald; auf dem kleineren Teil leben heute etwa 800 Menschen, es gibt Wohnhäuser, Gärten, Büros und eine Schule, das Heinrich-Sigmund-Gymnasium. 1936 standen auf dem "Bräunig" erst ein paar Wochenendhäuser; die Zeiten, als ausgebombte Mannheimer hier eine Zuflucht finden sollten, waren noch fern.

Außer diesen Akten ist im Grundbuchamt nicht mehr viel zu finden. Bekannt ist lediglich die Firmenadresse in Köln, und sie führt zu einem Unternehmer, der offenbar auch anderswo an der Einrichtung von Bergwerken interessiert war.

So findet sich ein Hinweis, dass Herdieckerhoff im Jahr 1934 plante, Teilhaber einer Grube im Schwarzwald zu werden, in der Schwerspat abgebaut werden sollte. Er plante, die Anteilseigner in einer Gewerkschaft zu organisieren, was zu internen Streitigkeiten und letztlich zur Aufgabe des Projekts führte. Eine wenn auch kleine Parallele findet sich zu Schriesheim: Auch im Weiten Tal wurde einmal Schwerspat abgebaut; bis heute kann man dort das Weißpigment Baryt finden, das zum Veredeln von Papier verwendet wird.

Ob es für das Schriesheimer "Bergwerk Alba" weiter ging oder ob es dasselbe Schicksal erlitt wie die Grube im Schwarzwald, ist derzeit noch nicht klar; ohnehin gibt es in dieser Sache noch eine Menge offener Fragen; etwa die nach der Fundstelle und dem, was dort zu Tage gefördert wurde.

Was das Grundbuch angeht, erklärt Körbel jedenfalls: "Seit 1936 ist nichts mehr passiert." > weiterer Artikel

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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