06.12.2016

Windkraft: Druck auf Schriesheimer Gemarkung wächst

Nachbarschaftsverband: Zwei Konzentrationszonen für Windkraftanlagen bleiben bestehen

Von Stefan Zeeh

Schriesheim/Hirschberg. "Wir sind am Überlegen, was zu tun ist": Etwas ratlos klang Hans-Jörg Goerlach von der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Schriesheim, nachdem er das Ergebnis der Sitzung des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim vergangene Woche zum Teilflächennutzungsplan "Windenergie" erfahren hatte. Denn danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf Schriesheimer Gemarkung in den nächsten Jahren Windräder errichtet werden könnten, stark gestiegen.

Der Verband hat beschlossen, im Bereich der Hangkante des Odenwalds und der Höhenzüge rund um das Neckartal Windenergieanlagen verbindlich auszuschließen. Dadurch sind vier, teils recht große Bereiche, die als mögliche Konzentrationszone für Windkraft entlang der Bergstraße im Gespräch waren, weggefallen. Bereits zuvor waren von den ehemals 18 möglichen Konzentrationszonen im Bereich des Nachbarschaftsverbands sieben gestrichen worden, da etwa die Flugsicherung Bedenken gegen die Errichtung von Windrädern gleich in mehreren Gebieten geäußert hatte.

Damit bleiben nur noch sieben Bereiche als mögliche Konzentrationszonen übrig, und von denen sind wiederum drei recht fraglich. Ein Areal südlich von Leimen soll nur als Reservefläche vorgehalten werden. Zwei Gebiete im Käfertaler Wald könnten nur genutzt werden, wenn der Mannheimer Gemeinderat zustimmt. Von den vier Gebieten, die nun noch in der engeren Wahl sind, liegen zwei auf Schriesheimer Gemarkung. Das sind eine 80 Hektar große Fläche rund um die Schriesheimer Hütte und eine etwas kleinere Fläche in der Nähe des "Weißen Steins".

"Überlegen, was zu tun ist"

"Der Druck auf die Schriesheimer Gemarkung wird größer", war sich daher auch Karl-Heinz Weinert sicher, dessen BI Gegenwind Hirschberg mit dem Beschluss des Nachbarschaftsverbands zumindest einen Teilerfolg verbuchen konnte. Zwar liegt ein kleiner Teil der möglichen Konzentrationszone rund um die Schriesheimer Hütte noch auf Hirschberger Gebiet, aber der wesentlich größere, ehemals vorgesehene Bereich um die Hohe Waid ist nun aus der Diskussion. Ganz ähnlich sah das auch Hirschbergs Bürgermeister Manuel Just. "Für die Hirschberger Bürgerinitiative dürfte das Ergebnis erfreulich sein", sagte er. Die noch im Plan verbliebenen Konzentrationszonen müssten nun daraufhin überprüft werden, ob hier überhaupt die Voraussetzungen geben sind, Windräder zu errichten. Das beträfe etwa die Zufahrtswege oder das Ausmaß der zur Errichtung der Anlagen notwendigen Rodungen. Eine wesentliche Rolle komme aber der Unteren Naturschutzbehörde zu. Denn drei der vier verbliebenen Flächen liegen in Landschaftsschutzgebieten. Damit hier Windräder gebaut werden dürfen, müsste der Landschaftsschutz für die betreffende Fläche aufgehoben werden.

Zudem betonte Just die Notwendigkeit, dass die Verbandsversammlung den Teilflächennutzungsplan "Windenergie" zustande bekommt. Nur so wäre eine politische Steuerung des Baus von Windkraftanlagen möglich. Andernfalls könnten auf vielen weiteren Flächen Windräder entstehen, da etwa der vom Verband berücksichtigte Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung nicht mehr eingehalten werden müsste, sondern nur noch die vorgeschriebenen 700 Meter. Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung