10.12.2016

80 Jahre Waldschwimmbad Schriesheim: "Es war immer eine Herzensangelegenheit"

Zusätzlich feierte der Trägerverein IEWS sein 25. Jubiläum.

Schriesheim. (sk) Getrud Opfermann erlebte als Sechsjährige den Bau des Waldschwimmbads im Jahre 1936. Der 80. Geburtstag der Einrichtung wurde vom Betreiberverein, der Initiative für die Erhaltung des Waldschwimmbads (IEWS) in diesem Jahr mit Konzerten, einem Festakt und jetzt auch der Herausgabe einer Schwimmbad-Chronik gefeiert. "Wo Bürgersinn Oberwasser hat", heißt das Buch des Historikers Konstantin Groß, das zugleich 80 Jahre Schwimmbad und 25 Jahre IEWS behandelt.

Zur Vorstellung des Werks ist jede Menge Lokalprominenz gekommen: Stadt- und Ortschaftsräte, Vereinsvorsitzende, Vertreter aus Kirchen, Wirtschaft und Institutionen wie VHS und Musikschule. Doch stellvertretend für alle begrüßt IEWS-Vorsitzender Bernd Doll an diesem Abend Gertrud Opfermann im voll besetzten Saal des "Goldenen Hirsch". Er hebt hervor, dass sie zeitlebens dem Schwimmbad die Treue hielt und lange zum Kreis der "Frühschwimmer" gehörte, die auch bei Wind und Wetter ihre Bahnen im Becken ziehen.

Es ist diese Verbindung, die auch Bürgermeister Hansjörg Höfer in seinem Grußwort hervorhebt, bei dem er eigene Kindheitserinnerungen Revue passieren lässt. Das Waldschwimmbad sei stets mehr gewesen als ein idyllisch gelegenes Ausflugsziel: "Es war den Schriesheimern schon immer eine Herzensangelegenheit." Das Buch sammle nun als Nachschlagewerk "Zahlen, Daten, Fakten und Anekdoten", dokumentiere "ein gutes Stück gesellschaftliches Leben in unserer Stadt."

In Reimform, vorgetragen in einem spontanen Auftritt, nimmt sich Altstadtrat und IEWS-Mitgründer Adam Welker des Themas an, während die Auseinandersetzung um das Schwimmbad für Ehrenbürger Peter Riehl zur schwersten Zeit in seinen Jahren als Bürgermeister wurde: Es sei "klar gewesen, dass das Waldschwimmbad verlottert". Eine Komplett-Sanierung hätte drei Millionen Mark gekostet, außerdem habe die Stadt Ausgaben für das Gymnasium und die Schulturnhalle schultern müssen. Einen Förderverein habe er damals nicht für die richtige Lösung gehalten, der Vorschlag eines Betreibervereins fand dagegen im Gemeinderat eine knappe Mehrheit. Dieser Verein, bei dessen Gründung Schwimmbad-Kämpfer wie Wolfgang Amann mitmachten, sollte den Großteil des Geldes aufbringen, die Stadt dagegen eine Million Mark beisteuern. Der Plan ging auf, der Verein war erfolgreich, sein Wirken beispielhaft, und Riehl sagt heute: "Bleibt zu hoffen, dass man immer Frauen und Männer findet, die dort arbeiten, denn sie sind die Garanten des Waldschwimmbads".

Auch Autor Groß erinnert sich an den Beschluss zur Vereinsgründung im Rat. In einer Sitzungspause hörte er in der Toilettenkabine mit, wie Riehl seiner Erleichterung gleich in mehrerer Hinsicht Ausdruck verlieh und einen CDU-Stadtrat fragte: "Na, wie haben wir das gemacht?" Das und auch die Wieder-Eröffnung des Bads blieb ihm im Gedächtnis und wurde nun literarisch verarbeitet.

Doch zunächst holt er im Buch weit aus und beginnt mit den ersten Zeugnissen einer antiken Badekultur, geht über zu den ersten Freibädern in der Region und leitet weiter zu den ersten Vorüberlegungen, Planungen und dem Bau der Anlage im Jahr 1936. Er wolle sich kurz fassen, verspricht der Autor: "Denn ich weiß, ich bin das letzte lebende Hindernis zwischen Ihnen und dem Buffet."

Also geht es im Schweinsgalopp durch die bewegte Geschichte, die Anfänge, die erste Blüte zwanzig Jahre später, die drohende Schließung und anschließende Vereinsgründung, zahlreiche Aktionen zum Erhalt, die Solidarität von Künstlern, Musikern und Vereinen und die Schilderungen vieler Zeitzeugen. Vor den Danksagungen an alle Helfer schließt Groß mit einer doppelsinnigen Aussage über die Bedeutung des Schwimmens und der Bäder: "Eine Gesellschaft, die nicht mehr schwimmen kann, geht unter."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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