27.12.2016

Bauwirtschaft Nordbaden warnt vor zu vielen Vorschriften

"Die Baukosten sind um 40 Prozent gestiegen", sagt Markus Böll, Schriesheimer Bauunternehmer - Werbung für Nachverdichtung

Von Sören S. Sgries

Heidelberg. Der Schriesheimer Unternehmer Markus Böll (54, Foto: Hentschel) ist Präsident des Verbands Bauwirtschaft Nordbaden.

Herr Böll, der Landtag ändert die Haushaltsregeln: Hunderte Millionen Euro fließen in Sanierungen statt in die Schuldentilgung. Gut für Ihre Branche?

Der Staat engagiert sich. Das kann man nur begrüßen. Es besteht eine große Notwendigkeit, nicht nur in die Infrastruktur, sondern auch in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

Die Wohnraum-Allianz hat erste Weichenstellungen verkündet. Strittig bleibt der Umgang mit der Landesbauordnung. Hätten Sie da Lockerungen gewünscht?

Es würde den Baumarkt beflügeln, wenn man die Vorschriften etwas reduziert und die Anforderungen herunterfährt auf ein gesundes Maß. Nicht jeder braucht Fahrrad-, Kinderwagen- oder Rollator-Stellplätze. Die Entscheidung sollte man den Bauherren überlassen. Die Baukosten sind in den letzten 15 Jahren um 40 Prozent gestiegen - ein guter Teil davon durch Bund, Länder und Kommunen verursacht.

Im Ballungsraum Heidelberg fragt man sich: Wo kann überhaupt neuer Wohnraum entstehen?

Ich sehe verschiedene Faktoren: Nach Möglichkeit die Ausweisung weiteren Baulandes. Eine Nachverdichtung - konkret in städtischen Strukturen, die ein Bauen in zweiter Reihe ermöglichen. Oder die Erhöhung der vorhandenen Bausubstanz bzw. den "Ersatzneubau", indem man an Stelle einer vorhandenen Immobilie mehr Wohnfläche entstehen lässt.

Der Heidelberger Altstädter wird mit Entsetzen daran denken, dass Häuser aufgestockt oder Grünflächen zubetoniert werden...

Natürlich wird es in der Heidelberger Altstadt in den seltensten Fällen realisierbar sein bzw. gar nicht. Aber wenn man die umliegenden Stadtteile betrachtet, so besteht dort durchaus die Möglichkeit, entsprechend tätig zu werden.

Im ländlichen Raum wäre viel mehr Platz. Wie wird Bauen dort attraktiv?

Das A und O ist die Erreichbarkeit, sei es über den ÖPNV oder den individuellen Nahverkehr. Wir müssen die Verkehrsströme zwischen den Metropolstädten verbessern - mit dem Branichtunnel in Schriesheim ist das gut gelungen. Die Zukunft wird aber E-Mobilität und autonomes Fahren mit sich bringen.

Auch sozialer Wohnungsbau soll künftig im ländlichen Raum gefördert werden können.

Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass der ländliche Raum ausblutet. Daher ist das eine gute Entscheidung. Man nimmt den Druck aus dem Kessel, also den Ballungsräumen, und eröffnet im Speckgürtel Perspektiven. Das muss aber einhergehen mit der Herstellung entsprechender Infrastruktur.

Thema HBCD und Styroporentsorgung: Wie schlimm ist die Lage derzeit?

Das ist eine bürokratisch-politische Posse, die zu viel Verunsicherung in der Branche geführt hat. Gottseidank wurde diese Maßnahme wieder revidiert. Es gibt ein weiteres Jahr Zeit, um sich über die Entsorgungswege klar zu werden. Es war eine überflüssige Regelung, da die schädlichen Stoffe bei einer thermischen Verwertung eh vernichtet werden. Man verhindert die Sanierung in der Altsubstanz, wenn man die Entsorgung dieser Stoffe erschwert und dadurch letztlich nur Zusatzkosten produziert.

Ist das wirklich ein politischer Fehler gewesen, oder haben die Entsorgungsbetriebe versagt?

Ich sehe eine politische Verantwortung. Die Entsorgungsbetriebe nutzen die Gelegenheit aber, um an der Gebührenschraube zu drehen. Schlussendlich schlägt das auf den Häuslebauer zurück.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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