02.01.2017

Jahresrückblick 2016: Der Tunnel war nicht alles für Schriesheim

Der Schriesheimer Jahresrückblick 2016 in alphabetischer Reihenfolge - Zusammengestellt von Carsten Blaue

A wie Abschied. Auch dieses Jahr muss Schriesheim Abschied nehmen. In New York verstirbt im Januar der jüdische Schriesheimer, Herbert Marx, im Alter von 96 Jahren. Im gleichen Monat stirbt der ehemalige KGS-Hausmeister, Dieter Reinle. Er wird nur 60 Jahre alt. Trauer um Alt-Stadtrat Wilhelm Gassert kurz nach seinem 85. Geburtstag. Völlig unerwartet ist im Februar der Tod von Wilhelm Weidner. Jahrzehntelang hat er für den > Branichtunnel gekämpft. Dessen Eröffnung darf er nicht mehr erleben.

B wie Branichtunnel. Der 18. Juni 2016 geht in Schriesheims Geschichte ein. Die neue Ortsumgehung und der Branichtunnel als ihr Herzstück werden nach acht Jahren Bauzeit eingeweiht. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kommt, die Bürger können den Tunnel begehen, und es gibt eine Party auf dem Festplatz. Doch eine Panne in der sicherheitsrelevanten Kommunikationstechnik verzögert die Freigabe für den Verkehr. Erst am 22. Juni, morgens um 6 Uhr, lässt Bauleiter Ralf Eckerle die roten Signallampen ausschalten. Freie Fahrt! Der neun Jahre alte Ben-Joel Vogel darf mit seinem Vater Tobias als erster durch. Streit gibt es um die Wegweiser, die die Odenwaldortsteile außen vor lassen.

C wie "Causa Ursenbach". Mitte Mai kann der evangelische Pfarrer Lothar Mößner verkünden: "Die ’Causa Ursenbach’ ist gelöst." Die evangelischen Christen des Ortsteils gehören fortan zur Schriesheimer Kirchengemeinde. Auslöser ist der Streit mit der ehemaligen Muttergemeinde in Heiligkreuz, die die Gottesdienste in Ursenbach aus finanziellen Gründen einstellen will.

D wie Dok:Tor. Im April feiern die Ärzte und Therapeuten des neuen medizinischen Zentrums Dok:Tor an der Landstraße das Richtfest. Ende des Jahres haben sie im östlichen Gebäude an der Römerstraße (dort, wo mal die "Pfalz" stand) ihre Arbeit aufgenommen. Auch ein neues Café mit angeschlossener Bäckerei gibt es hier: das "Dok:Cafe Ferrario".

E wie Eichelmann. Gleich drei Schriesheimer Winzer sind in der neuen Auflage des "Eichelmann", des wichtigsten deutschen Weinführers, vertreten. Georg Bielig wird auf zwei Sterne aufgewertet, Max Jäck steigt mit einem Stern ein, Matthias Schmidt vom Weingut Rosenhof sogar mit zweien. Schmidt kommt zwar aus Ladenburg, doch auch sein Wein wächst unweit der Strahlenburg.

F wie Flüchtlinge. "Jetzt kommt die Welt zu uns", sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer. Im Januar beziehen rund 50 Flüchtlinge die Immobilie in der Carl-Benz-Straße 23, weitere folgen. Breite Kritik gibt es für die Pläne der Stadt, am Wiesenweg und am Ladenburger Fußweg Unterkünfte für die Anschlussunterbringung zu bauen. Eine "Standortfindungskommission" wird eingerichtet. Ihre Bemühungen, dezentral Wohnraum zu suchen, tragen Früchte. Am Jahresende spricht Bürgermeister Höfer von der "historischen Dimension" der Aufgabe, Flüchtlinge unterzubringen - was sich im Haushaltsentwurf 2017 niederschlägt. Auch personell reagiert die Verwaltung: Mit Isabel Herschel wird im März die erste Flüchtlingsbeauftragte vorgestellt. Wie sich in diesem Jahr zeigt, ist sie die richtige Frau am richtigen Platz.

G wie "Gegenwind". Im März stellt sich die Bürgerinitiative "Gegenwind Schriesheim" vor. Diese kooperiert mit den Hirschberger und Weinheimer Gegnern von Windkraftanlagen an der Bergstraße und wird nicht müde, in Veranstaltungen und mit Transparenten gegen die "Verspargelung" zu argumentieren. Zumindest die Hangkante des Odenwalds wird als Vorrangzone vom Nachbarschaftsverband nicht weiterverfolgt. Zwei weitere Gebiete am Weißen Stein und im Bereich "Schriesheimer Hütte" bleiben für weitere Prüfungen vor allem in Sachen Landschaftsschutz in der engeren Wahl.

H wie Hamel-Zelt. Im März beschickt Ilona Böhm erstmals mit ihrem Betrieb Hamel-Zelt das Festzelt des Mathaisemarkts. Böhm kommt zumindest besser an als ihr Vorgänger, Hans-Peter Küffner. Und bei der BDS-Mittelstandskundgebung spricht gleich ein besonders prominenter Festredner auf Böhms Bühne: Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

I wie Internet. Im Internet ist seit September die überarbeitete Homepage der Stadt zu finden. Sie sorgt für mehr Übersicht, mehr Service und mehr Transparenz der kommunalpolitischen Arbeit.

J wie Jubilare. Im Januar läutet der GV Liederkranz die Feiern zu seinem 175-jährigen Bestehen ein und stellt ebenso eine Chronik vor wie die IEWS. Diese feiert sogar ein Doppeljubiläum: 25 Jahre Verein, 80 Jahre Waldschwimmbad. Im November zelebriert der Verkehrsverein einen Festabend zum 90-Jährigen im "Hirsch". Die KSV-Boxabteilung besteht seit fünf Jahrzehnten (> Olympiaboxer), und auch Bürgermeister Hansjörg Höfer begeht dieses Jahr zwei Jubiläen: Am 1. Februar ist er zehn Jahre lang im Amt, am 21. Mai feiert er seinen 60. Geburtstag. Seit 20 Jahren ist Harald Weiss der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft.

K wie Kindervertreter. Erstmals werden bei der diesjährigen Wahl zum Jugendgemeinderat vom 30. Juni bis 2. Juli neben zwölf Jugendlichen auch drei Kindervertreter im Alter zwischen 10 und 13 Jahren gewählt. Wählen gehen darf man sogar schon ab neun Jahren.

L wie Laubelt. Nach einer Machbarkeitsstudie zum Ausbau des landwirtschaftlichen Wegs durch den Laubelt zur Straße, einer missglückten Probephase mit schwenkbaren Pfosten und Sabotagen bei der Verkehrszählung ist endgültig Schluss: Der illegale Schleichweg zwischen Branich und Tal wird mit festen Pollern gesperrt, die nur noch die Rettungskräfte öffnen können. Die Sperrung bewährt sich. Bei einem Einsatz in der Branichstraße öffnet die Feuerwehr den Laubelt im Dezember vorübergehend als Notabfahrt.

M wie Mergel. Workshops zur geplanten Flurneuordnung im Mergel fördern zunächst die Konflikte zwischen Winzern und Umweltschützern zu Tage. Im Spätjahr sieht das anders aus. Bei einer Veranstaltung der Grünen signalisieren die Weinbauern, dass sie eine große Flurbereinigung im 65-Hektar-Gebiet gar nicht brauchen. Es gehe darum, dass die Weinberge über ein Wegenetz gut erreichbar seien. So sieht es auch die Kommunalpolitik.

N wie Neuanfang. Manche suchen neue Aufgaben oder wollen kürzer treten, für andere ist das Berufsleben vorbei: Den evangelischen Pfarrer Lothar Mößner zieht es nach Kleinsteinbach. Stadtbaumeister Markus Foltin hört zum Jahresende bei der Verwaltung auf, um eine Stelle in der Heidelberger Stadtplanung anzunehmen. Kurpfalzschulrektorin Beate Hirth-Pferdekämper geht in den Ruhestand, ebenso Polizist Bernd Hegmann, der als Stadtrat der Freien Wähler auf Dieter Knopf folgt. Im Gemeinderat nimmt auch Anselm Löweneck (CDU) Abschied. Philipp Jäck rückt nach, Michael Mittelstädt wird Zweiter Bürgermeisterstellvertreter.

O wie Olympiaboxer. Im Juli wird bei einer Dinner-Boxgala in der Mehrzweckhalle die Deutsche Box-Olympiamannschaft nach Rio verabschiedet. Ein großer Abend anlässlich des 50-jährigen Bestehens der KSV-Boxabteilung - und auch des 70. Geburtstags ihres Gründers, Werner Kranz. Der ist vom späteren Abschneiden der Athleten aber "schwer enttäuscht".

P wie Pavillon. Der Strahlenberger Schulpavillon wird abgerissen. Hier soll der neue Schülerhort entstehen. Damit verliert der enttäuschte MGV Lyra seinen Proberaum und findet im katholischen Pfarrzentrum vorerst eine neue Bleibe. Der Abriss selbst gestaltet sich schwierig. Der Zeitplan gerät enorm in Verzug, und die Kosten steigen beträchtlich.

Q wie Querele. Darf man öffentlich im Ortschaftsrat darüber diskutieren, dass ein Ortsvorsteher eine verwaltungsinterne Querele öffentlich macht? In Altenbach verzögert sich die Anforderung von Haushaltsmitteln für 2017. Ortsvorsteher Herbert Kraus macht dafür Kämmerer Volker Arras verantwortlich und spricht von "Privatkrieg". Arras fühlt sich verunglimpft, und der Grüne Christian Wolf verlangt von Kraus im Ortschaftsrat eine Entschuldigung. Das wiederum kritisiert die SPD. Intern müsse so etwas geklärt werden. Warum eigentlich?

R wie RNV-Linie 5. Die Ausgleichszahlungen an die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) für die Bahnlinie 5 bringen den Gemeinderat auf, weil diese auch bis 2023 nach der Strecke berechnet werden, die die Züge auf den Gemarkungen zurücklegen. Für Schriesheim bedeutet das zunächst fast eine Million Euro Belastung jährlich, abzüglich der Zuschüsse. Im Juni lehnt das Gremium den Verteilungsschlüssel mit knapper Mehrheit ab. Im September beugt es sich dann doch. Angst vor der eigenen Courage?

S wie Sperrung. Im Januar wird die Mehrzweckhalle gesperrt, nachdem Bohrlöcher in der Tragkonstruktion der Hallendecke gefunden werden. Wahllokale für die Landtagswahl werden verlegt, der KSV-Kinderfasching abgesagt. Nach den Faschingsferien gibt es Entwarnung.

T wie Tiefbau. Auch dieses Jahr investiert die Stadt unter der Erde. Die größten Baustellen für neue Kanäle und Wasserleitungen sind im Burgweg, in der Oberen Bergstraße und im Dossenheimer Weg.

U wie "Ursenbach bebt". Ende Mai wird das Dorf wieder zum großen Treffpunkt für die Fans historischer Motorräder und Gespanne. Und gefahren wird in Richtung Ursenbacher Höhe auf der alten Test- und Trainingsstrecke des legendären Helmut Fath. Überhaupt mausert sich der Ortsteil zum Oldtimer-Mekka, ist er doch anlässlich der Kerwe im Oktober auch wieder das Ziel des "Altenbacher Traktortreffens".

V wie Vorsitzende. In einigen Vereinen gibt es bedeutende Führungswechsel. Beispielhaft dafür: Werner Morast wird neuer Vorsitzender des SV Schriesheim, und Suzanne Epp führt den TV Altenbach. Im Kommunalpolitischen wird Klaus Hartmann zum Nachfolger von Matthias Meffert an der Spitze der Freien Wähler.

W wie Workshop. Für Aufsehen sorgt die Kunstausstellung "Umbruch - Verlagerung - Migration", die im Rathaus zu sehen ist. Sie ist das Ergebnis eines Workshops mit Flüchtlingen. VHS, Flüchtlingshilfe, ASS und KKS kooperieren dafür. Die Bilder und ihre emotionalen Botschaften berühren und beeindrucken. Hier teilen sich Menschen mit, die bei uns Schutz, Frieden und Zukunft suchen.

X wie Xaver. Echte Wetterkapriolen Ende April: Es schneit! Mit der Folge, dass an der L 536 zwei Bäume unter der Last brechen. Die Feuerwehr hat gut zu tun und muss die Landstraße halbseitig sperren. Schlimmer ist es Ende Mai. Es schüttet aus Kübeln. Der Kanzelbach und der Almannsbach treten über die Ufer. 50 Kameraden der Gesamtwehr sind pausenlos im Einsatz. Sie absolvieren 32 Einsätze in 18 Stunden. Dafür wird es im Juni richtig schön. Dafür sorgt Azorenhoch "Xaver".

Y wie YouTube. Nach der Weihnachtszeit sehr zu empfehlen ist Alfred Dexheimers Klassiker "Ich werr moin Dannebaam net los" auf YouTube. Was er besingt, kann den Schriesheimern nicht passieren. Auch dieses Jahr sammelt die Jugendfeuerwehr die ausgedienten Weihnachtsbäume ein, und in Kürze wird sie es wieder tun.

Z wie Zehntkeller. Der Behördentag des Mathaisemarkts ist die letzte große Veranstaltung vor der kompletten Sanierung des großen Zehntkellers. Ausgangspunkt hierfür ist der nötige Bau eines zweiten Fluchtwegs. Unmut regt sich bei Traditionalisten, weil die Wandgemälde von Franz Piva der Neugestaltung weichen müssen. Immerhin werden diese dokumentiert, bevor der Putz vom Gewölbe abgetragen wird. Eine Fußbodenheizung wird eingebaut, die Theke auf die andere Seite verlegt und das Gemäuer in alter Optik bewahrt. Spätestens zur Vorstellung der nächsten Weinhoheiten soll alles fertig sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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