23.01.2017

Erweiterung des Schriesheimer Feuerwehrhauses: Kommandant Oliver Scherer fordert Ergebnisse

Die Wehren in Schriesheim und Altenbach haben enorme Platzprobleme. Zudem ist das Feuerwehrhaus in Schriesheim marode: Seit fünf Jahren regnet es rein, klagt Scherer.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am gestrigen Freitagabend hielt die Abteilung Stadt mit Löschgruppe Ursenbach der Feuerwehr Schriesheim ihre Jahreshauptversammlung ab. Im Vorfeld sprach die RNZ mit Gesamt- und Abteilungskommandant Oliver Scherer über das vergangene Jahr aus Sicht der Floriansjünger.

Herr Scherer, wurde die Autofahrerin ermittelt, die den Feuerwehrleuten bei einem Einsatz in der Branichstraße den Mittelfinger gezeigt hat?

Ja, die Polizei hat die Frau ermittelt. Am Mittwoch muss sie sich vor dem Weinheimer Amtsgericht verantworten.

Was hat Sie im Jahr 2016 am meisten geärgert?

Sicher dieser Fall. Aber das Problem der Uneinsichtigkeit Einzelner haben wir eigentlich schon immer. Allerdings hat sich die "Qualität" geändert. Aber es gibt da auch viel Licht, also positive Rückmeldungen, angefangen bei der Aktion mit dem "Danke"-Plakat von Stadt und Gemeinderat. Wir bekommen Spenden und viel Zuspruch. Auch über soziale Medien wie Facebook. Das baut uns auf und motiviert uns.

Haben sich die Poller am Laubelt aus Ihrer Sicht bewährt? Einmal haben Sie diese bereits während eines Einsatzes im Dezember aufgeschlossen.

Also, wir haben mit den Pollern keine Probleme. Wir können sie aufschließen und so eine richtige Notabfahrt gewähren, wenn es sein muss. Ob diese entsprechend genutzt wurde, kann ich nicht sagen.

Wie viele Einsätze hatte die Wehr vergangenes Jahr?

Die Gesamtwehr hatte 259 Einsätze abzuarbeiten. Das ist zwar kein Spitzenreiter in der Statistik, gehört aber sicher zum oberen Drittel. 233 Einsätze hatte die Abteilung Stadt, 53 die Abteilung Altenbach und zehn die Löschgruppe Ursenbach. Unterm Strich standen dabei genau 2326 Einsatzstunden. Das ist okay. Es gab viele kleine Einsätze, aber eben auch zeit- und personalintensive wie bei den Unwettern.

In welchen Monaten hatten Sie am meisten zu tun?

Diesbezüglich war 2016 etwas merkwürdig. Im Januar hatten wir gerade mal fünf Einsätze. Unter zehn hatten wir zuletzt vor zehn Jahren in diesem Monat. Dafür gab es im Februar gleich sechs Einsätze in 24 Stunden. Im März schlägt immer der Mathaisemarkt zu Buche, und im Mai und Juni gab es die Unwetter, die uns stark gefordert haben. Ab August wurde es dann wieder ruhiger, ungewöhnlich ruhig sogar. Aber darüber beschweren wir uns nicht.

Wie entwickelt sich Personaldecke der Schriesheimer Feuerwehr?

Gegen den Landestrend positiv. Wir werden in der Jahreshauptversammlung neun Personen in die Einsatzabteilung übernehmen. Das ist ein sehr guter Wert. Wir haben dann 79 Aktive, davon vier Frauen. Ursenbach bleibt konstant bei neun Kameraden. Zur Altersmannschaft zählen 28 Mitglieder, zur Jugendfeuerwehr 21 und zum Spielmannszug 13. Insgesamt hat die Abteilung inklusive der Löschgruppe 147 Mitglieder.

Wie lebt es sich aus der Sicht der Feuerwehr mit dem Branichtunnel, der vergangenes Jahr geöffnet wurde?

Es war, wie wir erwartet haben. Kritisch war eher die Bauzeit mit acht kleineren Einsätzen. 2012 hat sich ein Lkw den Dieseltank aufgerissen, dann mussten wir Öl aus einem Auffangbecken pumpen. 2013 gab es einen "Gasalarm", und wir wissen bis heute nicht genau, was es war. Vergangenes Jahr drohte noch ein Becken am Westportal überzulaufen, zudem standen durch die Unwetter beide Betriebsgebäude unter Wasser. Seit der Öffnung hatten wir drei Einsätze. Zwei Mal lösten Brandmelder aus. Das waren Fehlalarme. Einmal krachte ein Auto so unglücklich am Westportal in die Leitplanke, dass wir es rausschneiden musten. Verletzte gab es zum Glück nicht.

Hatte die Feuerwehr bei den Einsätzen Verletzte in ihren Reihen zu beklagen?

Glücklicherweise nur einen Leichtverletzten. Dann mussten Kameraden nach einer Türöffnung vorsorglich ins Krankenhaus, weil bei dem Patienten der Verdacht auf Meningitis bestand. Das war ausgerechnet am Straßenfestmontag.

Nicht viel getan hat sich vergangenes Jahr beim Thema Feuerwehrerweiterung.

Dabei würde es jetzt mal höchste Zeit, dass es da Ergebnisse gibt. In Schriesheim und auch in Altenbach haben wir enorme Platzprobleme. Und im Ursenbacher Gerätehaus sind die Sanitäranlagen in desolatem Zustand. Außerdem gibt es keine Heizung. Die Kameraden müssen in die kalten Klamotten steigen. Das ist nicht schön. In Bezug auf das Haus der Feuerwehr in Schriesheim drehen wir uns seit drei Jahren im Kreis und kommen keinen Schritt weiter. In mein Büro regnet es seit fünf Jahren rein. Seit fünf Jahren! Und kürzlich in der Jahreshauptversammlung der Jugendfeuerwehr haben sich drei Mädchen zu Recht darüber beschwert, dass sie sich gemeinsam mit den Jungs umziehen müssen. Außerdem ist die Lüftung nicht ausreichend. Abgesehen davon, soll es dieses Jahr auch den zweiten Notausgang für den Saal im Feuerwehrhaus nicht geben. Aber das trifft uns weniger.

Wir haben gehört, dass Caterer im Zehntkeller in Zukunft keine Würste mehr grillen dürfen. Stimmt das?

Der Zehntkeller wird künftig als Versammlungsstätte betrachtet. Das heißt: Jede Form von offenem Feuer ist verboten. Und auch die Verwendung von Gas. Elektrogrills dürften aber eingesetzt werden. Daher kann man das mit den Grillwürsten so pauschal nicht sagen.

Und was ist, wenn man Teelichter auf die Tische stellt für etwas Gemütlichkeit?

Schon dann braucht man eine Brandwache der Feuerwehr.

Und was ist dann mit dem Meer von "Sternenspritzern" beim Krönungsabend im Festzelt des Mathaisemarkts?

Ich gehe davon aus, dass es das dieses Jahr ebenfalls nicht geben wird, wobei der Brandschutz da eher der sekundäre Grund ist. Viel ausschlaggebender ist, dass von den Wunderkerzen gesundheitsgefährdende Dämpfe ausgehen, weshalb die Berufsgenossenschaft die Verwendung untersagt. Vielleicht kann es ja irgendeinen anderen Effekt geben.

Am 8. Juni 2016 wurde der Kanzelbach zum reißenden Strom. Die Feuerwehr hatte während der Unwetter alle Hände voll zu tun. Foto: Feuerwehr Schriesheim

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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