23.01.2017

Schriesheimer Bauprojekt: "Das ist absoluter Wahnsinn"

Beim Ortstermin der Grünen Liste kritisieren Bürger das geplante Bauvorhaben der Familienheim Rhein-Neckar in der Fichtenstraße.

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Altenbach. Die Sonne schien vom recht wolkenlosen Himmel. Aber ziemlich kalt war es am Samstagmorgen in Altenbach. Auch das Thema der Ortsbegehung, zu der die Grüne Liste (GL) eingeladen hatte, konnte die etwa 20 Bürger nicht erwärmen, die sich über den Stand der Dinge und die Sichtweise der Grünen informieren lassen wollten.

Es ging um die 15 Einfamilienhäuser, die die Baugenossenschaft Familienheim Rhein-Neckar eG in der Fichtenstraße plant. Fraktionssprecher Christian Wolf stellte klar, was die GL will: "Hier sollte nur entstehen, was ursprünglich im Bebauungsplan vorgesehen ist." Nämlich nur neun eingeschossige Häuser mit Dach- und Untergeschoss. Laut der Entwürfe, die zumindest bislang Grundlage für die Sitzung des Ortschaftsrates am heutigen Montag um 19 Uhr in der Verwaltungsstelle sind, sieht die Familienheim ein Vollgeschoss mehr vor. "Das ist absoluter Wahnsinn. So etwas darf man nicht genehmigen", sagte einer der Anwohner.

Bezieht man das Untergeschoss mit ein, hätten die Neubauten eine Firsthöhe von 13 Metern, wie Wolf vorrechnete. Dabei seien laut Vorgaben des Bebauungsplans rund zehn Meter das Maximum. Zum Vergleich zog er zudem die Wohnbebauung auf dem Schriesheimer OEG-Areal heran: "Hier haben wir 12,50 Meter genehmigt." Und schon das ist nicht klein. Mit Blick auf den bewaldeten Hang, sagte Wolf: "Das ist ein Baugebiet, obwohl es nicht so aussieht." Die neun ursprünglichen Grundstücke habe die Familienheim geteilt, sodass es nun 15 Teilflächen sind: "Das kann man ohne Genehmigung tun. Und auch 15 Häuser sind grundsätzlich nicht verboten", erläuterte Wolf: "Dann muss man sich aber an die Vorgaben des Bebauungsplans halten."

Dann das Parken: Vor jedem Haus seien zwar zwei Parkplätze von der Familienheim eingeplant worden. Aber es sei zumindest fraglich, ob die Autos dann auch dort stehen, gab Wolf zu bedenken. Die Fichtenstraße jedenfalls sei für so viel zusätzlichen Verkehr nicht geeignet. Grundsätzlich unterstrich der Fraktionssprecher: "Wir wollen auch, dass junge Familien nach Altenbach kommen und dass die Grundschule erhalten bleibt. Wir haben durch den Branichtunnel die Chance. Das ist schon alles richtig. Aber man muss auch schauen bei so einem Projekt, was die Straße und die Umgebung verträgt."

Ein Bürger verwies darauf, dass es in Altenbach doch noch 60 freie Baugrundstücke gebe. Warum dann also ausgerechnet das Projekt in der Fichtenstraße? Es seien sogar 76, korrigierte Wolf die Zahl nach oben. Seine Fraktionskollegin, Ortschaftsrätin Heike Lukhaup, ergänzte: "Die Grundschule und das Kinderhaus werden nicht zugrunde gehen, wenn hier nur neun Häuser gebaut werden."

Für Wolf war das Ganze auch eine Gerechtigkeitsfrage. So habe der Schriesheimer Bauausschuss an einem nur unweit gelegenen Haus einen 50 Zentimeter höheren Kniestock abgelehnt, weil so ein Beschluss von anderen Bauträgern in der Nähe als Präzedenzfall hätte ausgenutzt werden können: "Dabei hätte sich das hier wunderbar eingefügt bei diesem kleinen Haus." Wolfs zweites Beispiel bezog sich auf ein Grundstück genau gegenüber der geplanten Familienheim-Bebauung. Hier warte der Bauherr schon seit sechs Monaten auf die Baugenehmigung für ein ganz normales Haus.

Darüber hinaus kritisierte Wolf, was sein CDU-Kollege, Karl Reidinger, im Ortschaftsrat zuletzt als "Durcheinander" bezeichnet hatte: So habe die Familienheim erst bebauungsplankonforme Entwürfe eingereicht, dem Ortschaftsrat hätten dann aber die zweigeschossigen Pläne vorgelegen. Dann habe Ortsvorsteher Herbert Kraus mit der Baugenossenschaft verhandelt, und wieder sei um ein Geschoss reduziert worden: "Und jetzt kommt es wieder drauf." Außerdem habe er, so Wolf, am Freitag aus dem Rathaus eine E-Mail erhalten, die für die Ortschaftsratssitzung am heutigen Montag erneut andere Pläne ankündigt, als diejenigen, die mit den Sitzungsunterlagen verschickt wurden. "Die spielen doch mit der Gemeinde", echauffierte sich ein Bürger.

Dann ging es um das bewaldete Grundstück selbst: "Das darf der Bauträger nicht einfach abholzen", so Wolf. Zuvor müsse es ein Gutachten geben, das auch prüft, ob sich hier seltene Tiere angesiedelt haben: "Und dann entscheidet das Baurechtsamt." Der Grüne stellte aber klar: "Wir wollen niemandem das Baurecht nehmen. Wer bauen darf, der soll bauen." Einer der Anwohner wollte es dennoch wissen: "Was können wir tun, um es den Herrschaften schwieriger zu gestalten?" Dafür könne man in der Ortschaftsratssitzung die Bürgerfragestunde nutzen, schlug Wolf vor. Heike Lukhaup regte ebenfalls zum Besuch der Sitzung an: "Auch um zu hören, was die anderen Fraktionen sagen."

Wolf warnt vor Unterstellungen

Ein Bürger witterte bei der ganzen Sache gar "Klüngelei", und ein anderer bekräftigte: "Ein Burkhardt war Ortsvorsteher, der andere ist Chef der Familienheim." Wolf warnte vor Unterstellungen: "Da kann man nichts beweisen, und das sollte man aus der Diskussion auch raushalten." Es gelte, sich an den Fakten zu orientieren.

Schließlich ging es noch um den Zeitrahmen. Komme es, wie vorgesehen, zu einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan in Verbindung mit einem städtebaulichen Vertrag, dann müsse die Familienheim das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan nicht abwarten und könne sofort bauen. Denn die Pläne seien dann Grundlage des Vertragswerks.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung