27.01.2017

Kerg-Museum Schriesheim: Sonntags wieder Führungen

Die Geschichte des Kerg-Museums in Schriesheim von seinen Anfängen bis heute

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Die Winterpause ist seit dem vergangenen Wochenende vorbei. Kunstfreunde können wieder die Dauerausstellung im Museum Théo Kerg besuchen, und wie in jedem Jahr planen die Verantwortlichen aus dem Kulturkreis bereits die Sonderausstellungen für dieses Jahr. Zu Beginn der neuen Saison wirft die RNZ einen Blick auf die Geschichte der Einrichtung, die vor gut 30 Jahren begann.

Und zwar mit der Absicht des Luxemburger Künstlers Théo Kerg, der Gemeinde Schriesheim mehrere Originalwerke zu schenken. Der Kontakt zur Weinstadt kam zustande durch die Freundschaft, die den Maler mit dem Ärztepaar Ingrid und Franz Neumann verband; CDU-Stadtrat Neumann brachte Schriesheim als Empfänger einer Schenkung ins Spiel, und am 19. März 1986 stand das Vorhaben auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Zur Veranschaulichung wurden einige von Kergs Kunstwerken im Ratssaal präsentiert.

Im Gremium gingen die Meinungen darüber auseinander. Der damalige Bürgermeister, Peter Riehl, obgleich ein Verfechter der Idee, nahm sich zurück: "Mir fehlt da der Sachverstand." Hansjörg Höfer, heute Bürgermeister, damals Grünen-Stadtrat, zog im Vorfeld der Sitzung telefonische Erkundigungen über den Künstler und sein Oeuvre ein und wurde von der RNZ damals wörtlich zitiert mit dem Satz: "Aber keiner kannte den Théo Krieg." Weshalb er folgerte: "Ich kann darüber nicht viel sagen."

Hans-Jürgen Krieger dagegen schwärmte von der "außerordentlichen Dichte" und Ausstrahlung der Werke; der SPD-Stadtrat nannte die Schenkung "eine hohe Ehre" für die Stadt. Neumann betonte, dass sie einen heute noch nicht zu ermessenden kulturellen Wert darstelle.

Allerdings war das Geschenk an eine Bedingung geknüpft: Die Bilder und Skulpturen sollten der Öffentlichkeit in einem angemessenen Rahmen zugänglich gemacht werden, der innerhalb von zwei Jahren gefunden werden sollte. "Sind wir jetzt ein Kunstverein geworden?", polterte FW-Stadtrat Robert Brodbeck, während sein Fraktionskollege, der heutige Ehrenbürger Peter Hartmann, dem Künstler mangelnde Verantwortung für seine Werke vorwarf und "Profit roch". Riehl beschwichtigte: "Da sind keine faulen Eier dahinter." Neumann schlug als Präsentationsort die Scheune in der Talstraße 52 vor.

Das Projekt nahm ein Vierteljahr später Fahrt auf, was nicht zuletzt den benachbarten Sozialwohnungen zu verdanken war. Die Stadt hatte für 330.000 Mark das Haus Talstraße 54 gekauft, um dort vier Wohnungen einzurichten. In der Juli-Sitzung beriet der Gemeinderat über die Sanierung, die gleich mit einer Handvoll weiterer Maßnahmen verbunden wurde: Zwischen Talstraße und Strahlenberger Schulhof sollte eine Passage entstehen, die Toiletten, Umkleiden und Duschen in der Turnhalle instand gesetzt und die Scheune renoviert werden. Inklusive Kaufpreis wurden insgesamt 1,06 Millionen Mark veranschlagt, von denen - abzüglich möglicher Zuschüsse - 703.000 Mark von der Stadt aufzubringen waren. Riehl argumentierte mit der Altstadtsanierung und den Sozialwohnungen, die anderswo "mindestens 600.000 Mark Unkosten" bedeuten würden. Gegen die Stimmen der Freien Wähler und zwei Enthaltungen aus den Reihen der Union gab der Rat grünes Licht, es konnte losgehen.

Anderthalb Jahre später war das Museum fertig, am 9. April 1989 wurde es eingeweiht; Künstler, Sammler, Honoratioren waren zugegen, es gab eine Einführung in die Ausstellung und den von Kerg begründeten Stil des "Tactilisme". Riehl nannte das Haus einen "Glanzpunkt der Altstadtsanierung" und den Tag eine "Sternstunde im Leben des Künstlers". Der war selbst anwesend, vier Jahre vor seinem Tod an den Rollstuhl gefesselt, und fand bewegende Worte: "Ich wünsche diesem Museum, dass es bis in seine letzten Fasern lebendig sein wird."

Am 9. April 1989 wurde das Museum Théo Kerg eröffnet. Der Künstler war damals selbst anwesend - vier Jahre vor seinem Tod. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung