03.02.2017

Schriesheim will Flüchtlingsunterkunft vom Kreis übernehmen

Nach Brand in der Carl-Benz-Straße 23 noch keine Ermittlungserfolge - Betreuung der Flüchtlinge in Dossenheim verläuft problemlos

Von Frederick Mersi

Schriesheim/Dossenheim. Auch drei Wochen nach dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft in der Carl-Benz-Straße ist völlig unklar, wer den Brand aus welchen Gründen gelegt haben könnte. "Wir gehen zumindest von fahrlässiger Brandstiftung aus", sagte Polizeisprecher Norbert Schätzle auf Nachfrage der RNZ. Allerdings ist er pessimistisch, was die Ermittlungen angeht: "Ich weiß nicht, ob wir noch herausfinden werden, wer dafür verantwortlich ist."

Das Hauptproblem: Es gibt keine direkten Zeugen, somit auch keinerlei Hinweise auf den Täter. Die Ermittlungen liefen allerdings weiter, so Schätzle. Bei dem Brand im Keller des Hauses in der Nacht auf den 11. Januar war ein Bewohner verletzt worden, das Gebäude wurde durch die Schäden unbewohnbar.

Gebäude soll saniert werden

Der Rhein-Neckar-Kreis will das Haus in Zukunft nicht mehr als Gemeinschaftsunterkunft nutzen, die Bewohner wurden auf drei Unterkünfte in Dossenheim verteilt. "Viele würden gern wieder nach Schriesheim kommen", sagt Fadime Tuncer von der Schriesheimer Flüchtlingshilfe.

Für einige Paten ist der Weg zu ihren Schützlingen nun deutlich weiter als zuvor, allerdings seien dies Einzelfälle, so Tuncer: "Die meisten Geflüchteten mit Paten in Schriesheim wohnen dort auch schon in eigenen Wohnungen." Viele derjenigen, die nun gezwungenermaßen in Dossenheim lebten, hätten schon während ihrer Zeit in Notunterkünften in Weinheim Paten bekommen.

Diese unterstützten die Geflüchteten auch in Dossenheim und nähmen dafür auch den etwas längeren Weg auf sich, sagt Elfi Rentrop vom Weinheimer Arbeitskreis Asyl: "Ich habe von keinem gehört, der deswegen sein Engagement beendet hat." Wenn jemand eine Patenschaft so lange aufrechterhalte, sei auch diese Entfernung kein Problem. "Aber natürlich gibt es auch vonseiten der Flüchtlinge die Tendenz, sich in einem solchen Fall neu zu orientieren", sagt Rentrop. Die Ehrenamtlichen vor Ort würden sich mit den dortigen Gegebenheiten schließlich besser auskennen.

Der Asylkreis Dossenheim merke davon noch nicht besonders viel, sagt Thomas Schiller, der im Dossenheimer Rathaus für die Koordination der Flüchtlingsarbeit zuständig ist. "Vielleicht wird das in den kommenden Wochen bei Kleiderkammer und Sprachcafé sichtbar werden." Otto Essig, als Ehrenamtlicher in der Steuerungsgruppe der Flüchtlingshilfe engagiert, sagt: "Die Aufnahme hat ganz hervorragend geklappt."

Platzprobleme gebe es auch nicht, im Gegenteil: "Die Räume waren ja vorher praktisch leer. Und gerade die Zimmer im Hotel ,Zum Bären’ sind besser als die Einheiten, die in Schriesheim zur Verfügung standen." Manche Neuankömmlinge seien zudem schon wieder in Anschlussunterkünfte umgezogen, ergänzt Thomas Schiller von der Gemeindeverwaltung.

Das Haus in der Carl-Benz-Straße könnte in Zukunft als Anschlussunterkunft der Stadt genutzt werden, die im laufenden Jahr etwa 150 Geflüchtete aufnehmen muss. In der Schriesheimer Flüchtlingshilfe regt sich allerdings schon Kritik an diesem Vorhaben. Für die langfristige Anschlussunterbringung sei die Sammelunterkunft nicht geeignet.

Dennoch: "Die Stadt ist schon auf uns zugekommen und hat ihr Interesse an dem Objekt in der Carl-Benz-Straße bekundet", sagte Silke Hartmann, Sprecherin des Rhein-Neckar-Kreises, gestern auf RNZ-Nachfrage. Man sei momentan in Gesprächen, ein Entscheidungsdatum stehe noch nicht fest. Durch den Brand sei es zu Verzögerungen bei den Verhandlungen gekommen, sagte Isabel Herschel, die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt. Zunächst soll das Gebäude aber saniert werden.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung