04.02.2017

Mathaisemarkt Schriesheim: Vor dem Feiern stehen die Vorschriften

Baugenehmigung, Konzession, Bestuhlungspläne: Bei der Sanierung des Zehntkellers ist es mit der Optik alleine nicht getan.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Noch laufen die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im Zehntkeller. Am 24. Februar sollen hier die neuen Weinhoheiten vorgestellt werden, dann kommen am 1. März die Grünen mit ihrem "Kabarettistischen Aschermittwoch" und danach wird im neu gestalteten Gewölbe der Mathaisemarkt gefeiert. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Weil bis dahin noch einiges geklärt werden muss. Vor allem, was Genehmigungen und die Einhaltung von Vorschriften angeht. Dass es zum Beispiel noch gar keine Baugenehmigung für den Zehntkeller gibt, hat in der Stadt für besondere Verblüffung gesorgt.

Wer hier den großen Skandal wittert, liegt falsch. Auf RNZ-Nachfrage erläuterte die Sprecherin des Rhein-Neckar-Kreises, Silke Hartmann, dass die Sanierung baurechtlich in Ordnung sei: "Unser Baurechtsamt hatte in der Sache regelmäßig mit der Stadt Schriesheim Kontakt." Da der Zehntkeller jedoch eine Versammlungsstätte ist, sei zur endgültigen Erteilung der Baugenehmigung ein Bestuhlungsplan erforderlich: "Diesen hat uns die Stadt Schriesheim am 16. Dezember 2016 vorgelegt", so Hartmann. Die Prüfung gehe jetzt schnell, "so dass zeitnah die Baugenehmigung erteilt und der Zehntkeller für den Mathaisemarkt genutzt werden kann."

Zudem wartet das Rathaus auf eine neue Konzession für den Keller, also auf die Ausschankgenehmigung. Schließlich soll im Zehntkeller auch künftig Wein angeboten werden. Gerade beim Mathaisemarkt: "Aber ich bin überzeugt, dass die Konzession bis zum Mathaisemarkt vorliegt", so Hansjörg Höfer. Der Bürgermeister erläuterte auch die Tücken, die mit der Versammlungsstättenverordnung zusammenhängen: "Sie ist entscheidend", sagte Höfer. So muss es genug Fluchtwege geben, was ja der Ausgangspunkt der Sanierung war. Außerdem bedarf es einer Fluchtwegnotbeleuchtung für den Ernstfall. Feuerlöscher mussten platziert und ein extra starker Entrauchungsventilator für den Brandfall eingebaut werden. Dann der Bestuhlungsplan. Eigentlich sind es ja Pläne. Denn die Stadt als Eigentümerin des Gewölbes hat sie laut Höfer quasi im Paket im Landratsamt zur Prüfung eingereicht: "Dann müssen wir uns nicht vor jeder einzelnen Veranstaltung den Bestuhlungsplan genehmigen lassen." Was anderenfalls zwingend wäre.

So aber hat die Stadt drei Entwürfe vorgelegt: Einen Plan für Veranstaltungen mit Tischen und Stühlen, einen für die Ausstattung mit Stehtischen und Bierbankgarnituren und einen nur mit Stehtischen. Genaue Abstände zwischen den Tischen sind ebenso einzuhalten, wie Fluchtwegbreiten. Das alles werde vom Landratsamt gerade berechnet, so Höfer.

Auch ein Nutzungskonzept für den sanierten Zehntkeller steht noch aus, aber das ist Sache des Gemeinderats: "Da gibt es noch keinen Beschluss, aber das kommt noch. Wir werden darüber sprechen", sagte der Rathauschef. Noch ist also unklar, wer das Gewölbe künftig nutzen darf und wofür. Vereine? Parteien? Firmen? Kunst und Kultur? Empfänge? Seminare? Feste und Weinproben? Man wird sehen. Bei einem legte sich Höfer aber bereits fest. Private Feiern soll es im Zehntkeller nicht geben dürfen. Diese Möglichkeit solle höchstens "verdienten Persönlichkeiten" eingeräumt werden. Wobei man "verdiente Persönlichkeiten" dann auch wieder definieren müsste.

Auch noch völlig offen ist, was der beim Veterinäramt angesiedelte Verbraucherschutz des Landkreises zur Zubereitung von Essen im neu gestalteten Zehntkeller sagen wird. Der Einsatz von Elektrogrills, so der Verwaltungschef, werde vom Brandschutz her auch künftig erlaubt sein. Allerdings müsse ein Caterer oder Gastronom alle hygienischen Voraussetzungen dafür selber schaffen.

Karl Forschner wird das nicht tun. Er hat der Schriesheimer Winzergenossenschaft (WG) für den Mathaisemarkt abgesagt: "Ich darf unten im Keller ja gar nichts mehr machen", sagte er auf Anfrage: "Ich müsste oben vor der Tür das Essen zubereiten und alles runtertragen. Der ganze Mehraufwand wäre gar nicht zu bezahlen." Auch in der Ausgestaltung des Kellers selbst sieht er hygienische Probleme für das Catering. So könne Staub und Putz von der Decke rieseln. Nirgends, weder im großen, noch im kleinen Keller, gibt es einen entsprechend ausgestatteten Platz, an dem Essen zumindest angerichtet werden könnte. Das Restaurant "La Perseria Mashti" scheint sich diesen Voraussetzungen stellen zu wollen. Nach RNZ-Informationen ist es im Gespräch für die Verköstigung der WG-Gäste während des Mathaisemarkts.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung