07.02.2017

Schriesheimer Rotweinwanderung: Wasser für den Hund und Wein fürs Herrchen

Viele Besucher, gutes Wetter und eine große Auswahl Wein - Rotweinwanderung war voller Erfolg - "Hundestation" kam gut an

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Matthias Schmidts Blick geht gestern früh als erstes hoch zum Weinberg - aha, das Partyzelt steht noch an seinem Platz. Nach den letzten Stunden, die Regengüsse und Wind brachten, ist das nicht selbstverständlich. Der Chef des Weinguts Rosenhof atmet auf und fährt los, im Gepäck einen Secco Rosé, die feine 2012er Rotweincuvée und den selbst angesetzten Glühwein mit Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Zimt, Nelke und Sternanis. Nun sieht es dort oben ganz anders aus: Ein blassblauer Himmel guckt durch die Wolken, die Temperaturen sind mild, nur der Weg ist noch aufgeweicht. Schon am Vormittag kommen die Besucher in Scharen, und es zeichnet sich ab, dass die Rotweinwanderung ein voller Erfolg wird.

Der erste Treffpunkt ist am Alten Rathaus, wo die Wanderer mit Musik von den Jagdhornbläsern empfangen werden. Verkehrsvereins-Vorsitzende Irmgard Mohr macht ihre Begrüßung im Namen des Veranstalters kurz. Ihrer Meinung nach braucht es nur vier Zutaten für eine gelungene Rotweinwanderung: "Guten Wein, gutes Essen, gutes Wetter und Sie als Besucher." Die Weinhoheiten haben noch einen Trinkspruch in petto, und Bürgermeister Hansjörg Höfer macht neugierig auf die kommende Zeit: "Wir laufen uns warm für den Mathaisemarkt. Wir haben jedes Wochenende ein Fest."

Manche lassen jetzt zu einem Gläschen Secco die dunklen Klänge der Jagdhörner auf sich wirken, andere marschieren gleich los Richtung Weinberge. Zum Rosenhof-Wein kann man sich am Stand der Perseria Mashti Falafel holen oder einen Teller vegetarisches Curry mit Brokkoli, Pilzen, einer cremigen Rahm-Kokossauce und dazu den Blick in die Rheinebene genießen. Ein Stück bergab gibt es neben polnischem Krauttopf eine "holländische Erbsensuppe", aus Erbsen, Sellerie, Lauch und Speck. "Sie kommt zu ihrem Namen, weil sie von einem Holländer gekocht wurde", sagt Michiel Sander Luttje grinsend. Der Chef des "Fliegenden Holländers" macht mit dem Weingut Jäck gemeinsame Sache, das gut temperierten Rotwein und erstmals einen Blanc de Noirs ausschenkt. Auch Jungwinzer Max Jäck hatte am Vorabend noch seine Zweifel, doch die sind dank des guten Wetters beseitigt.

Nach einer beschaulichen Strecke bergab ist man beim Weingut Wehweck, wo am Kuchenbuffet Streusel- und Eierlikörkuchen zum Sündigen einladen, während sich vor dem Weinstand eine Schlange gebildet hat. Hier bekommt man Dornfelder, einen im Barrique gereiften Spätburgunder und einen "alkoholfreien Rotwein", der tatsächlich wie Wein schmeckt. Winzer Philipp Wehweck steht derweil einer Wandergruppe Rede und Antwort, und spontan entwickelt sich daraus so etwas wie ein Kurs im Rebenschneiden.

Am Stand der Winzergenossenschaft ein paar Meter weiter kann man unter St. Laurent, Spätburgunder Rotwein und ebenfalls einem Blanc de Noirs wählen. Hier gibt es auch eine "Hundestation", an der sich die Vierbeiner stärken können. Eine gute Idee, denn diese Wanderung ist immer auch ein Tag der Hunde: Freundliche Labradore, Pudel, ein flauschiger Bearded Collie, ein junger Bulldoggenmix und viele andere sind mit ihren Besitzern unterwegs. Vermutlich sticht ihnen der Duft vom Cateringstand des "Kaiser" in die Nase, der erstmals mit dabei ist: Chef Jan Thorben Kruse hat neben dem traditionellen Winzereintopf noch eine duftende Weinberg-Quiche mit Trauben, Zwiebeln, Rosmarin, Schafskäse und Knoblauch gezaubert, freut sich über den Andrang und will auch bei der Weinwanderung im Herbst dabei sein. Vorletzte Station ist das Weingut Bielig mit seiner "Red Cow", dem fruchtigen Roten vom Kuhberg, zu dem das Team von "Forschner’s im Schützenhaus" ein saftig belegtes Schnitzelbrötchen serviert oder eine deftige Kartoffelsuppe.

Nun geht es zurück in den historischen Stadtkern und zur letzten Station der Wanderung: Im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" ist jeder Tisch im Hof und in der Gaststube belegt. Drinnen wie draußen bekommt man Gemüsequiche und Knödel mit Ragout vom heimischen Wildschwein, das passend zum Motto fein mit Rotwein abgeschmeckt ist. Zur Abrundung kann man sich jetzt seinen Lieblingswein bestellen, denn Chef Jürgen Opfermann bietet alle Weine des Tages auf seiner Karte an.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung