19.02.2017

Konzeptworkshop "Schriesheim 2030": Nur sieben Bürger kamen zum Abschluss

Das Interesse ließ zu wünschen übrig - Ergebnisse kommen in den Gemeinderat

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Gerade einmal fünf Bürger und zwei Gemeinderäte waren am Donnerstagabend ins Rathaus gekommen. Dabei ging es immerhin um den Abschluss des Konzeptworkshops "Schriesheim 2030", also das Finale der Bürgerbeteiligung bei der Zukunftsplanung der Stadt. "Ich hätte erwartet, dass mehr Bürger hier Engagement zeigen", sagte Oliver Becker, einer der Besucher. Jutta Breitschwerd vom Institut für kommunikatives Handeln, die den Prozess begleitet, freute sich dennoch über die Beteiligung: "Wenn man zu einem Strategieabend einlädt, kommen eben die Strategen."

Eine Stadtrallye für Kinder, ein Bürgertag-Workshop, eine Umfrage und eine Zukunftswerkstatt gehörten zu dem Beteiligungsprozess ebenso wie ein "Jugendhearing" mit 80 Schülern und ein Ämtertag, bei dem die Stadtverwaltung Stellung zu den Vorschlägen der Bürger nehmen konnte. Diese reichten von ungefähren Kommentaren wie "Weitere konzeptionelle Überlegungen notwendig" bis hin zu konkreten Hinweisen.

Auf zwölf Plakaten wurden diese Ergebnisse der "Schar exklusiver Korrekturleser" präsentiert, wie Breitschwerd es ausdrückte. "Sie können nicht gehen, bevor Sie alle durchgelesen und kommentiert haben", scherzte die Soziologin. Insgesamt knapp 500 Vorschläge hatten die Schriesheimer während des Beteiligungsprozesses gemacht, ähnliche und gleiche wurden der Übersichtlichkeit halber zu 211 Vorhaben zusammengefasst. Diese wurden dann nach den Handlungsfeldern Städtebau, Leben, Infrastruktur/Energie/Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Mobilität und Verkehr sowie Bildung sortiert. "Zetteln Sie was an", forderte Breitschwerd die Besucher auf, ihre Anmerkungen an den Plakaten anzubringen. In einigen Fällen konnten die Korrekturleser dadurch Missverständnisse ausräumen: So war zum Beispiel ein Zebrastreifen an der Weinheimer Straße als Vorschlag eingetragen, obwohl dort schon einer ist. "An der Heidelberger Straße bräuchte man aber einen", sagte SPD-Stadtrat Sebastian Cuny.

Zu den städtebaulichen Vorschlägen gehörte auch ein niedrigeres Tempolimit auf der B 3, um dort den Wohnraum attraktiver zu machen. "Anfrage an Verkehrsamt nötig", hatte dazu die Stadtverwaltung kommentiert.

Die Korrekturleser wünschten sich eine klare Absage an Windräder im Odenwald, eine bessere und flexiblere Ganztagesbetreuung in der Schule und dass die Heidelberger Straße nicht erst mittelfristig, sondern möglichst bald für Fahrradfahrer in beide Richtungen geöffnet wird. Diskussionsthemen waren auch eine Fußgängerzone, die Parkplatzsituation und die Nahversorgung durch Geschäfte in der Innenstadt.

"Wie geht es Ihnen mit dem Ergebnis?", fragte Breitschwerd zum Abschluss. "Mit den Anmerkungen noch besser", antwortete Sebastian Cuny, "das ist für mich der Wille der Bevölkerung." Oliver Becker hatte da Bedenken: "Sind wir in dieser Anzahl überhaupt beschlussfähig? Meine Meinung ist ja nicht repräsentativ." Breitschwerds Antwort: "Wenn Sie heute hier sind, sind Sie die Richtigen, um sich einzubringen."

Die Ergebnisse des Abends sollen bald im Internet unter Schriesheim2030.de einsehbar sein, danach werden sie an den Gemeinderat weitergeleitet. Der soll die 211 Vorschläge priorisieren - zuerst in einer Online-Befragung, dann in einem Workshop.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung