22.02.2017

Schriesheims sanierter Zehntkeller feiert Veranstaltungspremiere

Bis Freitag sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. Dann sollen im Zehntkeller die Weinhoheiten vorgestellt werden.

Schriesheim. (cab) Gestern stehen die Kühlschränke noch vor der Theke. Die Handwerker der Zimmerei Grüber verlegen den Boden der 60 Zentimeter hohen und 18 Quadratmeter großen Bühne. Doch bald werden sie ihre Arbeiten abgeschlossen haben. Müssen sie auch. Denn am Freitag sollen im sanierten Zehntkeller die neuen Weinhoheiten vorgestellt werden.

"Ich bin froh, dass jetzt alles fertig wird", sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer. Er hat seine Jacke an einen Metallstift gehängt, der noch aus der sandgestrahlten Wand ragt. Sechs Zentimeter alter Putz wurden hier abgetragen, die Wände mit Farbvertiefer gestrichen, sodass sich das Mauerwerk farblich abhebt. Im Gewölbe wurde der alte graue Mörtel so stehen gelassen, was kombiniert mit der modernen LED-Beleuchtung aus Lichtringen und -leisten etwas gewöhnungsbedürftig aussieht. Dimmbar werden alle Lichtelemente sein, auch die Bodenstrahler zu Füßen der Wände. Der Dimmer ist im Thekenbereich eingebaut.

Die 110 Zentimeter hohe Theke selbst steht. Sie ist vorne aus rot bezogenem Glas und grau lackiertem Holz, hinten im Arbeitsbereich aus Edelstahl. Grau sind hier auch die Einrichtungselemente, die noch zu beleuchteten Kühlschränken werden. Insgesamt 600 Flaschen Wein können an der Theke gelagert werden.

Hier, am südlichen Ende des 220 Quadratmeter messenden großen Zehntkellers, ist auch gut die Drainage zu erkennen. Mit ihr soll die Feuchtigkeit in der Wand ein Ende haben. Trocken ist sie schon, da seit gut zwei Monaten die eingebaute Fußbodenheizung arbeitet. Die Wärmeschleifen, durch die das etwa 24 Grad warme Wasser fließt, haben eine Länge von 2500 Metern. Das Gewölbe ist an das Heizsystem der Strahlenberger Grundschule angeschlossen. Quasi dessen Abfallprodukt sei die Wärme im Zehntkeller, erläutert der Architekt der Symbiose von Altem und Neuem, Manfred M. Fischer. Auch er ist zufrieden, zumal die angepeilten Kosten in Höhe von 750.000 Euro wohl etwas unterschritten werden.

Der Bodenbelag über der neuen Fußbodenheizung ist aus bedruckten keramischen Platten - wie im Probierkeller auch. Fertig ist auch die zweite Fluchttreppe, die den Anstoß für die Komplettsanierung gab. Sie führt im nordöstlichen Eck des Gewölbes, direkt neben der Bühne, in den Heizungsraum der Grundschule und von dort aus ins Freie. Was der Bühne noch fehlt, ist eine anständige Beleuchtung: "Die wird nach dem Mathaisemarkt eingebaut", sagt Fischer. Weil die Aufhängungen erst Belastungsproben unterzogen werden müssten.

Auch die Sicherheitsvorgaben sind streng. Wie berichtet, steht die Billigung der Bestuhlungspläne durch das Landratsamt noch aus. Vor eineinhalb Jahren habe man diese zusammen mit den Sanierungsplänen eingereicht: "Und im Juli vergangenen Jahres wurden sie akzeptiert." Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Fluchttreppe noch falsch eingezeichnet. Das hat man korrigiert, sodass Fischer und Höfer bis zum Beginn des Mathaisemarkts ganz sicher mit einer positiven Rückmeldung aus Heidelberg rechnen. Fertig ist dagegen der verglaste Eingang, für den das alte Holztor weichen musste. Rechts daneben steht schon die Garderobe.

Nun, da die Vollendung naht, steht nochmals die Frage im Raum, was Caterer im Zehntkeller künftig dürfen und was nicht. Mit Blick auf die Rauchmelder sagt Fischer, dass man ohne Weiteres kalt-warme Buffets aufstellen dürfe. Selbst Bratwürste auf einem Elektrogrill und ein Kessel zum Brühen von Würsten seien kein Problem. Die Einrichtung einer Art Küchenbereich hinter dem Probierkeller hält Fischer nach wie vor für möglich: "Das kann die Winzergenossenschaft noch machen. Genug Platz ist da." Was man vonseiten der WG kürzlich allerdings anders sah.

Wie auch immer: Höfer sagt, die Stadt gebe vor, dass im Zehntkeller ausschließlich WG-Wein ausgeschenkt werden dürfe. Zumal die Genossenschaft auch Pächterin des großen und nicht nur des kleinen Zehntkellers sei. Auf Nachfrage, dass das bislang nicht bekannt sei, sagt Höfer, dass die WG zumindest ein "Vorrecht" auf die Nutzung des großen Zehntkellers habe. Der Bürgermeister glaubt zudem auch, dass es mal einen Gemeinderatsbeschluss gab, nachdem im Gewölbe nur Wein, aber kein Bier ausgeschenkt werden dürfe. In all diesen Fragen rund um die künftige Nutzung der guten Stube Schriesheims will der Verwaltungschef gemeinsam mit dem Gemeinderat für Klarheit sorgen "und alles auf richtige Füße stellen". Nach dem Mathaisemarkt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung