07.03.2017

Mathaisemarkt-Boxen: Die Ukrainer kamen nicht

Baden-Württembergs Boxteam unterlag Niederschlesien mit 6:14

Schriesheim. (CPB) Werner Kranz hatte alles ganz anders geplant. Der Weg der Boxer in den Ring sollte von einer aufmunternden Musik begleitet werden. Auf dem am Eingang an die Zuschauer verteilten Papier wurden elf Kämpfe angekündigt, wobei stutzig machte, dass dem polnischen Halbweltergewichtler Patryk Trochminak kein Gegner zugeteilt worden war. "Er kommt noch, wir kennen seinen Namen noch nicht", entschuldigte Kranz. Und: Die Auswahl Baden-Württembergs, die bei der 42. Mathaisemarkt-Matinee des KSV Schriesheim im zunächst nur halb gefüllten Festzelt gegen die komplett angetretene Auswahl Niederschlesiens boxte, hätte mit vier Athleten aus der Ukraine verstärkt werden sollen, die gegenwärtig an Kämpfen in Baden-Württemberg teilnehmen - so am Vorabend im württembergischen Giengen, wo das offenbar geklappt hatte.
Dass die Musik fehlte, war nicht schlimm. Als die Nationalhymnen gespielt wurden, war der DJ da und drückte auf die richtigen Knöpfe, so dass die Polen aus Herzenslust mitsangen und die Baden-Württemberger ihren Text vergeblich suchten. Dass von den elf Kämpfen nur sieben stattfanden - davon einer als Wettkampfsparring, weil die Gewichte der Athleten unterschiedlich waren -, war freilich weniger schön. Denn die 150 Boxsportfans hatten zehn und auf den VIP-Plätzen 20 Euro Eintritt bezahlt und kamen nur in den Genuss des um vier Kämpfe gekürzten Sportprogramms.

Daran tragen Werner Kranz und der KSV keine Schuld. Achim Böhme (Ludwigsburg), der neue Sportwart des Boxverbandes Baden-Württemberg (BVBW), entschuldigte sich artig und musste eingestehen, dass die vier Ukrainer nicht nach Schriesheim kommen würden und schon auf dem Heimweg seien. Die Frage, warum der große BVBW überhaupt Athleten aus dem Ausland benötige, um eine Landesauswahl zu stellen, beantwortete Böhme so: "Wir haben gegenwärtig zu viele Verletzte."

Nachdem sich die 17-jährigen Bantamgewichtler Erkan Bayraktar vom BR Knielingen und Mateusz Jandula im Sparring über drei mal zwei Minuten nichts geschenkt und die Zuschauer angeheizt hatten, erfreuten die Athleten das Publikum mit sechs gutklassigen Wertungskämpfen. Schließlich hatte Schriesheims Weinkönigin Lisa die Kämpfer mit der Aussicht auf einen guten Schoppen ermuntert: "Wasser macht weise, fröhlich der Wein...", hatte die gekrönte Hoheit im Beisein ihrer lieblichen Prinzessinnen gesagt, und Werner Kranz hatte bestätigend genickt.

Nach den drei Punktsiegen des deutschen Jugendmeisters Ahmet Sor (KSC Backnang) gegen Wojciech Rozniatowski im Bantamgewicht, des talentierten Ludwigsburgers Drillon Rama gegen Wojciech Goral im Halbmittelgewicht und des Schriesheimer Lokalmatadors Dias Kuzembaev gegen Dominik Dec im Leichtgewicht stand es 6:0 für Baden-Württemberg. Der 25-jährige Kuzembaev stellte sich nach längerer Verletzungspause in erfreulicher Form vor und gewann den schnellen Kampf gegen den 20-jährigen Rechtsausleger Dec verdient.

Dann aber siegten nur noch Niederschlesier. Mittelgewichtler Kamil Urbanski schlug den Neckarauer Sorinel Gavrila durch Abbruch in der zweiten Runde. "Nach einem frühen Treffer ist Sorinel in Panik geraten", sagte Bundestrainer Valentin Silaghi. Dann verloren der Heidelberger Superschwergewichtler Melkiad Paluca, der trotz einer Ellbogenblessur kämpfte, und der Weltergewichtler David Asubonteng aus Backnang gegen Ireneusz Wojtasinski nach Punkten - beide hatten erfahrenere Gegner, wehrten sich aber tapfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung