17.03.2017

Weinprämierung und langer Abend im Schriesheimer Zehntkeller

Ehemalige Weinhoheiten nahmen Preise für Hessische Bergstraße entgegen

Schriesheim. (cab) Es wurde wieder spät. Claudia Lindner und Martin Böhm spielten und sangen sich durch Schlager, Hits und Schunkelrunden, und die letzten Gäste wollten lieber tanzen als nach Hause gehen. Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer blieb ziemlich lange an diesem Mittwochabend im Zehntkeller, an dem er gemeinsam mit den Weinhoheiten anfangs die Preisträger der diesjährigen Weinprämierung auszeichnete.

"Alles ist heute geschlossen, nur wir sind aktiv", sagte er eingangs. Stimmt. Denn der Rest des Mathaisemarkts "ruhte" ja wie immer. Leider fanden aber nicht besonders viele den Weg zu diesem Traditionsabend im sanierten Gewölbe. Mag am schlechten Wetter gelegen haben. Jedenfalls erinnerte man sich wehmütig an die Zeiten, in denen die etwas älteren Semester nach der Pokalübergabe im Großen Keller dicht an dicht schunkelten, während nebenan der Kleine Keller zum Bersten voll war und die "T-Band" spielte. Waren das Abende! Aber die Ehrung der Winzer bleibt.

Höfer begann mit der Weinbau-AG der Kurpfalz-Realschule. Sie hatte ihren Weißburgunder wieder außer Konkurrenz angestellt und tadellos abgeschnitten. AG-Leiter und Konrektor Michael Schneider hatte einige seiner "Jungwinzer" mitgebracht. Insgesamt sind es immer um die 25 Schüler der Klassen fünf bis zehn: "Über Nachwuchs müssen wir nicht klagen", freute er sich, dankte der Familie Merkel für den Rebschutz und dem Weingut Rosenhof seines ehemaligen Schülers, Matthias Schmidt, für den Ausbau des Weins. Alles andere macht die AG selbst. Die älteren Schüler dürfen auch an den Wiesenmäher, die jüngeren sind unter anderem beim Binden gefragt. Seit fünf Jahren gibt es die AG nun schon. Höfer nannte sie "etwas Besonderes" und überreichte Medaillen und Urkunde.

Urkunden bekamen auch die "großen" Winzer, dazu die erneut von der Volksbank Kurpfalz gestifteten Trophäen. Insgesamt hatte die Jury 52 Weine verkostet, Punkte und Bewertungen verteilt und schließlich dem Weingut Freiberger aus Heppenheim den Ehrenpreis für die Hessische Bergstraße zugesprochen. Charlotte Freiberger, die übrigens Gebietsweinkönigin 2016/17 für den hessischen Bergstraßenteil war, stellte den von ihrem Ur-Großvater im Jahr 1926 gegründeten Familienbetrieb und seine Rebhänge am dortigen Schlossberg vor.

In dritter Generation geführt, sind die Weißweine dominant, vor allem der Riesling vor dem Grauburgunder. Freiberger sagte, die Auszeichnung sei wichtig: "Sie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Den Ersten Preis für die Bergsträßer Winzer eG nahm Caroline Guthier entgegen. Die Deutsche Weinprinzessin 2015/16 ist inzwischen bei der Genossenschaft fest angestellt. Vom Weingut Mohr aus Bensheim war niemand da, um den Zweiten Preis entgegenzunehmen.

Diesen holte sich Max Jäck für die Badische Bergstraße natürlich persönlich ab, wie es sich gehört, und lud dazu ein, seine Weine am Stand seines Weinguts im BDS-Zelt zu probieren. "Wir haben auch einen Schlossberg", lächelte Geschäftsführer Harald Weiss, als er den Ersten Preis für die Winzergenossenschaft erhielt. Hier, unweit der Strahlenburg, wächst der Riesling der WG, der an diesem Abend auf dem Tisch stand.

Von Georg Bieligs Silvaner aus dem Eichenfass schwärmte Höfer und übergab dem Winzer den Ehrenpreis: "Das war für uns eine Premiere. Auf die Idee wäre ich nie gekommen." Bielig schon. Der Silvaner habe zuletzt etwas gelitten und den Burgundern weichen müssen. Also legte Bielig im Laubelt einen Weinberg für die Traditionssorte an, erntet hier tolle Trauben, die er auch mal für "verrückte Sachen" nutzt. Zehn Prozent des Ertrags dürfe man dafür schon hergeben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung